Wahrenholz: 1000-jähriger Baum lässt Zweige hängen / Neue Pflanzung

Eine Eiche und viele Geschichten

Eine neue Eiche wurde neben die 1000-Jährige gepflanzt und am Montagnachmittag von Ratsmitgliedern und interessierten Wahrenholzern begossen. Dabei wurde das Niedersachsenlied angestimmt. Foto: Scholz

Wahrenholz. Ganz unscheinbar ist sie während der vergangenen 1000 Jahre geworden: die alte Eiche in Wahrenholz. Sie ist zugleich die älteste Eiche im Landkreis Gifhorn.

„Wir haben heute einen freudigen und traurigen Anlass zugleich. Die alte Eiche, das Wahrzeichen von Wahrenholz, lässt langsam ihre Zweige hängen“, sagte die Wahrenholzer Bürgermeisterin Friedhilde Evers am Montagnachmittag bei einem besonderen Anlass. Der freudige Teil ist aber, dass eine neue Eiche ihren Platz neben der alten gefunden hat. Und die wurde Montagnachmittag von den Gemeindratsmitgliedern und interessierten Wahrenholzern begossen.

„Mein Leben ist auch wie das eurige, ein Ringen um das Dasein mit Kampf, Leid und Krankheiten. Gar manchen Sturm mußte ich überstehen“, schrieb Hans Beyer einen Artikel über die Wahrenholzer Eiche im Kreiskalender von 1992. Eine Anspielung auf die vergangene Zeit mit vielen geschichtlichen Stationen im Leben der Eiche. Slaweneinfälle, 1633 dann die Schweden, die die Wahrenholzer Kirche plünderten und „1637 kamen die Kaiserlichen und plünderten die Kirche“, erzählte Evers einige dieser Stationen und kam zu dem Ergebnis: „Die Eiche hat hier viel gesehen.“

Das sah auch Beyer so und schrieb in seinem Artikel aus Sicht der Eiche: „Immer wieder flutete Kriegsvolk an mir vorüber in einem Kriege, der 30 Jahre andauerte. Auch Brände wüteten und legten ganze Ortsteile mit damals strohgedeckten Häusern in Schutt und Asche. Ich aber blieb stehen und sammelte Erinnerungen trotz aller marodierenden Scharen. Liebe und Leid, Freude und Trauer, Reichtum und Armut gaben sich zu meinen Füßen ein Stelldichein.“

Auch die Bürgermeisterin erinnerte sich Montagnachmittag zurück: „Hier war um diese Eiche schon was los. Der Marktplatz war hier damals auch.“ Es herrschte emsiges Treiben rund um die Eiche und Marktschreier priesen ihre Waren an. Und auch heute ist die Eiche ein beliebter Sammelplatz. „Es ist der Antreteplatz der Schützen und die Könige werden vor der Eiche platziert“, erklärte Evers. Damit das auch in Zukunft so bleibt, soll nun die neue Eiche, die von Friedrich Camel gespendet wurde, weiter wachsen. Die alte Eiche soll so lange wie möglich erhalten werden.

„Ach, ich könnte euch noch so viel erzählen, ihr würdet die Ohren spitzen und kundiger der Heimat werden“, schrieb Beyer weiter im Namen der Eiche. Die Gespräche von Wahrenholzer Bürgern sollen weiter zwischen den Eichen erklingen. Ein Findling, der während der Pflanzung der neuen Eiche gefunden wurde, soll als Art kleine Sitzgelegenheit für eine kurze Pause und Innehalten der Wahrenholzer dienen – zwischen den beiden Zeugen der heimatlichen Geschichte.

Von Maike Scholz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare