Am und im Ort wird Tempolimit überschritten: „absolute Katastrophe“

Raser in Steinhorst: Deutliche Kritik von Bürgerseite

Das Einhalten des Tempolimits auf der L 282 durch die Verkehrsteilnehmer ist in Steinhorst ein Dauerproblem und -thema. So war wegen der Kitakinder – hier ein Foto aus Dezember 2017 – auch schon der Ruf nach einer Querungshilfe laut geworden. Dieser blieb ebenso unerhört wie anderweitige Forderungen nach Entschleunigung. Archivfoto: Gerlach
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Das Einhalten des Tempolimits auf der L 282 durch die Verkehrsteilnehmer ist in Steinhorst ein Dauerproblem und -thema. So war wegen der Kitakinder – hier ein Foto aus Dezember 2017 – auch schon der Ruf nach einer Querungshilfe laut geworden. Dieser blieb ebenso unerhört wie anderweitige Forderungen nach Entschleunigung. Archivfoto: Gerlach
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Steinhorst – Das Thema ist nicht neu, bewegt aber weiterhin die Gemüter: Bei der jüngsten Steinhorster Ratssitzung wurde wieder intensiv über die zu hohen Geschwindigkeiten der Verkehrsteilnehmer in den Ortseinfahrten und in der Ortsdurchfahrt diskutiert.

Der Gemeinde sind nach eigenen Angaben und vielen vergeblichen Versuchen die Hände gebunden, von privater Seite aus wird nun wohl die nächste Initiative kommen. Der Handlungsbedarf ist bei den Dorfbewohnern – anders als bei der zuständigen Behörde – unumstritten.

Aufgebracht hatte das Thema bei der Sitzung ein vor drei Jahren neu hinzugezogener Bürger, Vater von zwei kleinen Kindern. Er sprach die starke Verkehrsbelastung an, insbesondere durch die Lkw auf der L 282, die mitten durch den Ort führt. Mehrfach habe er schon am Ortseingang aus Richtung Eldingen 40-Tonner erlebt, die erst direkt am dort aufgestellten Tempo 40-Schild angefangen hätten zu bremsen – also eigentlich viel zu spät. „Das ist eine absolute Katastrophe.“ Der Vater bat die Gemeinde daher um einen Entwurf, wie man die Verkehrssituation entschärfen kann und wie man es hinbekommt, dass nicht erst in der Kurve im Ortseingang gebremst wird.

„Völlig unbefriedigend“

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die Kommune sieht die Lage genau wie der Bürger, kann aber derzeit nichts weiter unternehmen, wie Bürgermeister Klaus-Hinrich Singer darstellte. „Ihre Schilderung ist völlig zutreffend“, antwortete er dem Bürger. Es hätten in der Vergangenheit sogar schon Lkw im Park am Haus der Gemeinde gestanden. Auch wegen der Situation am Kindergarten habe sich die Gemeinde mit der Tempo-Thematik beschäftigt. Zur Erinnerung: Eltern aus Steinhorst und das Team der DRK-Kita hatten sich im Dezember 2017 erfolglos für eine Querungshilfe auf der L 282 am Schulmuseum eingesetzt (das IK berichtete). Die Kita am Apfelweg liegt ein gutes Stück von der Marktstraße entfernt. Daher kam auch eine Einführung von Tempo 30 gesetzlich nicht in Frage.

Eine Beschwerde müsse sich an die Wolfenbütteler Landesstraßenbaubehörde richten, führte Singer aus. Sein Eindruck: Die Behörde wolle den Verkehrfluss nicht unterbinden, denn die L 282 sei kein Unfallschwerpunkt. Die Gespräche würden sehr unerquicklich verlaufen. „Es muss erst viel passieren, bevor reagiert wird.“ Fast täglich gebe es Beinahe-Unfälle in Steinhorst – vor allem aufgrund der Enge der Straße.

Harald Mundil (SPD) ergänzte, dass Änderungen nur durch „laufenden Druck“ herbeigeführt werden könnten. Bei Behörden sei es schwer, so etwas einzuimpfen. Eine Möglichkeit, auf die Schnelle einen Erfolg zu erlangen, sehe er nicht. Das Tempo 40-Schild auf gelbem Grund sei das einzige in dieser Art, das er kenne, sagte Singer. Möglicherweise bietet sich bei diesem Schild also eine Möglichkeit zum Ansetzen und darüber eine Verbesserung der Situation herbeizuführen.

Jutta Rißmann (SPD) betonte die Grundsätzlichkeit des Problems für den ganzen Ort. „Wir haben nicht nur da überhöhte Geschwindigkeiten.“ Sie erinnerte an die Enge an der Lachtebrücke, die Schäden an Dächern durch durchfahrende Lkw. Wenn, dann müsse eine Lösung für die gesamte Länge her. Mit der Aussage „zu wenige Unfälle“ gebe sie sich nicht zufrieden. „Warum ist in Beedenbostel Tempo 30 an der Kirche?“ Von der Wolfenbütteler Behörde solle man sich nicht abschrecken lassen. Mundil erläuterte, dass in Beedenbostel ein Unfallschwerpunkt sei und die Stelle schwer einzusehen sei. Außerdem ist dort die Verdener Landesstraßenbaubehörde zuständig.

Als kurzfristige Aktionen brachte der Bürger eine private Unterschriftensammlung und/oder das Aufhängen eines Banners ins Spiel. Singer bot an, die Messdaten der Geschwindigkeitstafeln zur Verfügung zu stellen. „Die Sache sollte von Privatleuten in die Hand genommen werden. Wir haben unser Pulver verschossen. Die Situation ist völlig unbefriedigend.“

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