„Ein Markenzeichen weltweit“

Hermann Fischer auf Fotopirsch.(Fotograf nicht bekannt).

Wahrenholz - Von Jürgen Kayser. Die Gemeinde Wahrenholz ehrte den bekannten Tierfotografen Hermann Fischer (1885 – 1974) durch einen Weg, der seinen Namen trägt.

„Niemand hat den Ortsnamen „Wahrenholz“ weiter in die Welt hinaus getragen als Hermann Fischer“, sagte Manfred Gades jüngst im Bürgerhaus. Die Zeit in Wahrenholz stellt die nachhaltigste Schaffensphase des gebürtigen Braunschweigers und Naturfotografen dar, der vom Plakatmaler und talentierten Gebrauchs-Grafiker, Zeichner und Landschaftsmaler zum erfolgreichen Tier- und Landschaftsfotografen avancierte und der später seine Fotos und Bücher (u.a. „Tierjagd mit der Kamera“, „Tierfotografie wie sie jeder kann“) mit dem Namenszug „Hermann Fischer-Wahrenholz“ signieren sollte.

„Ein Markenzeichen weltweit“, betonte Manfred Gades. Der Heimatverein Wahrenholz hatte den diplomierten Schönewörder, der sich seit einigen Jahren mit dem Leben und Werk Fischer-Wahrenholz‘ beschäftigt, eingeladen. Anlass des Vortrags war der 125. Geburtstag des Wahl-Wahrenholzers, der in „freier Wildbahn“ fotografierte, wie Heimatsvereinsvorsitzender Reiner Meyer bei der Begrüßung sagte.

Fischer glückten mit der Plattenkamera Voigtländer Bergheil Format 9 x 12 „außergewöhnliche und seltene Tierfotos mit einer Brillanz, die man bisher so nicht kannte“, meinte Gades. Nach mehrjährigen Recherchen zur Biografie Fischers und nach aufwändigem Nachforschungen im fotografischen Nachlass des Tierfotografen im naturhistorischen Museum in Braunschweig, stellte der Referent Lebenstationen Hermann Fischers vor, der 25 Jahre in Wahrenholz-Betzhorn lebte und dort freiberuflich tätig wurde.

Zuvor war er im Konstruktionsbüro der Firma Büssing tätig. Fischer-Wahrenholz entwarf unter anderem den Büssing-Löwen, der heute noch den Kühlergrill der MAN-Lastwagen ziert. „Vermögend ist Fischer als Tierfotograf nicht geworden. Es fehlte oft am Nötigsten, sodass er einmal gar eine seiner Kameras hatte verkaufen müssen“, erinnerte sich Ernst Pesel aus Vorhop, der Hermann Fischer-Wahrenholz persönlich gekannt hat und Kontakte zu ihm pflegte.

Wer war Hermann Fischer? – Diese spannende Frage stellte Gades bescheiden genug in den Raum, denn neben Pesel meldeten sich weitere Kenner zu Wort, die die Diskussion über die Fischer-Biografie bereicherten. Hans Schönecke, der in der Südheide auf den Spuren von Hermann Löns wandelte, beschrieb in seinem Buch „…nur ödet mich das miese Wetter an“ Fischer-Wahrenholz als bescheidenen, doch auf dem Gebiet der Tierfotografie anspruchsvollen und ehrgeizigen Pionier. „Hermann Fischer wurde mit seiner Familie ein vertrauter Teil der Dorfgemeinschaft Wahrenholz-Betzhorn“, konstatierte der Autor aus Brome weiter.

„Für die nach dem Zweiten Weltkrieg schwer arbeitende Landbevölkerung muss der Experte anfangs ein Außenseiter gewesen sein“, vermutet Gades. Mit Knickerbocker, Schlapphut und oft mit der Kamera in der Hand um „unnützes Getier zu fotografieren“ sei Fischer manchem als Sonderling erschienen. Doch die, die den Fotografen näher kennen gelernt hätten, hätten ihn geschätzt. Gades: „Die Brüder Willi und Kurt Otto zum Beispiel oder Gerhard Prilop bauten mit Fischer Unterstände und waren von dessen Besessenheit und Akribie zu arbeiten begeistert.“ Und Ernst Pesel sagte: „Für mich war Fischer ein kleiner Gott.“ Fischer-Wahrenholz entwickelte neue Aufnahmetechniken und Tarneinrichtungen, er bewies Improvisationstalent, biologisches Fingerspitzengefühl und Ausdauer; dies und das Glück des Tüchtigen schufen die Voraussetzungen, dass so einzigartige Naturdokumente entstehen konnten. Ein wichtiges Betätigungsfeld entdeckte der „Wahrenholzer“ im Umfeld von Betzhorn. 1912 lernten sich Hermann Fischer und Hermann Löns, der Fischer auf Bluthänfling, Brachvogel, Raubwürger, Bekassine, Waldohreule aufmerksam machte und zur Tierfotografie angeregt haben soll, dort kennen.

Hermann Löns Bücher wurden nach dem Ersten Weltkrieg mit Fotos von Fischer illustriert. Ab 1932 kommt der Tierfotograf richtig zum Zug: In diesem Jahr erscheint der Klassiker „Im Wald und auf der Heide“ mit 138 Fotos von ihm. Und „Grün ist die Heide“ mit jeweils 47 Fotos im Jahre 1932 und 1938. „Kraut und Lot“(1955) enthält 150 Fotos. Die Ergebnisse der fotografischen Exkurse und Heidetouren schlagen sich später im Kreiskalender für Gifhorn-Isenhagen und auch im Isenhagener Kreisblatt nieder: mit Titeln wie „Rufer der Nacht“, „Zwischen Himmel und Erde“, „Brautschau am Tümpel.“ Fischer und seine Tochter Helga Engelke-Fischer (Journalistin) beschreiben auf liebenswürdige Art Begegnungen mit der heimischen Tierwelt. Dafür stieg Fischer auf Bäume, er watete durch Sümpfe oder kniete sich in die Frosch-Perspektive.

Ehrungen blieben nicht aus: Der Fotograf wurde mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Wichtiger war Fischer jedoch im Bereich Wahrenholz als Naturschutzbeauftragter tätig sein zu dürfen. Mit lyrischen Worten berichtete der feinfühlige Naturbeobachter einmal von einem großartigen Erlebnis: Unter abenteuerlichen Umständen war es ihm geglückt, einen Schwarzstorch mit vier Jungen am Horst zu fotografieren. Auf zwei zusammengebundenen Leitern hatte der Altmeister der deutschen Tierfotografie einen Nachbarbaum erklommen. „Der Schwarzstorch kam mir wie ein Wunder vor. In allen Farben des Regenbogens - vom funkelnden Gold und Smaragdgrün bis zum metallischen Stahlblau, in dem sich zartes Purpur und schimmerndes Violett mischen“, schwärmte der Naturfreund.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare