Ausgrabungsteam der Universitäten Braunschweig und Göttingen legt Stützpfeiler von Burg Wahrenholz frei

„Ein Blick in die Schatztruhe“

Im Grabungsschnitt kann man beide Phasen des Burggrabens erkennen: Bei einem Anbau an die Burg ist er nachträglich erweitert worden.
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Im Grabungsschnitt kann man beide Phasen des Burggrabens erkennen: Bei einem Anbau an die Burg ist er nachträglich erweitert worden.

Wahrenholz. Spektakuläre Funde bei der Ausgrabung von Burg Wahrenholz: Mittelalterliche Hufeisen, Pflastersteine und vor allem hölzerne Stützpfeiler helfen, ein genaues Bild der zerstörten Burg zu rekonstruieren.

„Die Ausgrabung war für uns ein Riesenerfolg“, freut sich Dr. Christian Frey vom Historischen Seminar der Technischen Universität Braunschweig. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Felix Biermann vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen und zwölf Studenten legte er in einem Grabungsschnitt Teile der zerstörten Burg Wahrenholz frei (das IK berichtete). Nun sind die Grabungen abgeschlossen – und die Forscher mit dem Ergebnis absolut zufrieden.

Pflastersteine aus dem Burginneren konnten ebenso freigelegt werden wie Stützpfeiler, die bei der Erweiterung des Burgwalls verwendet wurden. Anhand des guterhaltenen Holzes kann nun das Jahr der Fällung des Baumes exakt bestimmt werden.

„Ganz besonders freuen wir uns über den Fund der Stützpfeiler“, betont Frey. „Mit einer dendrochronologischen Analyse kann nun das Jahr der Fällung exakt bestimmt werden.“ Die freigelegten Holzpfeiler zerlegte der Wahrenholzer in mehrere Teile, bevor sie zur Konservierung in Frischhaltefolie eingewickelt wurden. „Die Pfeiler sind so gut erhalten, weil sie die ganzen 1000 Jahre unter völligem Luftabschluss gehalten wurden“, erklärt Frey.

Besonders spannend fand der Wahrenholzer die Interaktion der verschiedenen Techniken: „Durch kombinierten Einsatz von historischer Überlieferung, Luftbildern, geophysikalischen Messungen und archäologischen Funden können wir nun ein sehr genaues Bild von der Burg Wahrenholz zeichnen.“

Als „i-Tüpfelchen“ wurde gestern noch der letzte zuvor getätigte Grabungsschnitt entdeckt: Bereits 1919 untersuchte der Mittelalter-Forscher Carl Schuchhardt die Überreste von Burg Wahrenholz. Seine damals aufgestellten Thesen konnten bestätigt werden: „Wir haben an vielen Stellen Kohlereste gefunden. Die Burg ist tatsächlich niedergebrannt“, so Biermann.

Alle Geheimnisse um Burg Wahrenholz sind aber noch nicht gelüftet. „Wir haben Steine gefunden, die zweifelsfrei von einem Gebäude im Burginneren stammen“, erklärt Biermann. „Wozu dieses Gebäude diente oder wie es ganz genau ausgesehen hat, wissen wir aber noch nicht.“ Frey stimmt zu: „Hier ruht ein kultureller Schatz von überregionaler Bedeutung“, meint Frey. „Wir haben ihn nicht gehoben, sondern lediglich einen Blick in die Truhe geworfen.“

Auch Friedhilde Evers, Bürgermeisterin von Wahrenholz, zeigte sich über die Ergebnisse der Ausgrabung erfreut: „Was wir hier für Schätze unter den Füßen haben, ist echt unglaublich. Aber auch das Engagement des gesamten Teams hat mich sehr beeindruckt. Eine wirklich tolle Leistung!“

Von Dennis Klüting

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