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Doppelte Flaute für Pollhöfen

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Von: Dennis Klüting

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Da sich die Potenzialflächen Pollhöfen 01 und Pollhöfen 02 stark überschnitten, war eine Umsetzung beider Vorhaben nicht möglich. Im Alternativvergleich setzte sich Pollhöfen 02 zwar durch, scheiterte jedoch an der gebietsbezogenen Umweltprüfung.
Da sich die Potenzialflächen Pollhöfen 01 und Pollhöfen 02 stark überschnitten, war eine Umsetzung beider Vorhaben nicht möglich. Im Alternativvergleich setzte sich Pollhöfen 02 zwar durch, scheiterte jedoch an der gebietsbezogenen Umweltprüfung. © Grafik: ZGB

Pollhöfen/Ummern. Gleich zwei Windparks waren um Ummern und Pollhöfen geplant – beide hat der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) nun in der Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms für ungeeignet erklärt.

Die Potenzialfläche Pollhöfen 01 war ursprünglich mit 402 Hektar angepeilt, dann aber auf 64 Hektar reduziert worden. Sie liegt westlich von Pollhöfen und nördlich von Ummern. Pollhöfen 02 liegt nordöstlich von Pollhöfen, nordwestlich von Wesendorf und südöstlich von Groß Oesingen. Die Potenzialfläche sollte 369 Hektar umfassen. Aufgrund der räumlichen Nähe zwischen Pollhöfen 01 und Pollhöfen 02, die eine Umsetzung beider Windparks von vornherein ausschließt, hat der ZGB die Flächen in einem Alternativvergleich gegenübergestellt. Auch bei Zahrenholz 01 sei von einer Überlappung der Flächen betroffen, diese fallen allerdings ausgesprochen gering aus und ließen sich im Zweifelsfall schnell beseitigen.

Alternativvergleich

Gegen Pollhöfen 01 sprachen eine wahrscheinliche Lärmbelästigung für den Ort Pollhöfen und hohes Konflikpotenzial mit dem Segelflugplatz. Außerdem ist das Gebiet von hohen Bedeutung als Brut- und Nahrungshabitat für den Seeadler, den Schwarzstorch und den Rotmilan. Darüber hinaus bestehen Konflikte mit einem geplanten angrenzenden Windpark im Landkreis Celle.

Bei der Potenzialfläche Pollhöfen 02 ist eine mögliche Lärmbelästigung lediglich für den Campingplatz östlich der Fischteiche in Teichgut sowie für verschiedene Einzelhöfe anzunehmen. Auch dieses Gebiet bietet hohes Konfliktpotenzial mit dem Schutz des Schwarzstorchs und des Seeadlers, dieses könnte jedoch durch einen Verzicht auf alle westlich der Schwarzwasserniederung gelegenen Potenzialteilflächen möglicherweise reduziert werden. Dadurch würde sich der Mindestabstand zu den Brutvogellebensräumen im Bereich der Wiehe-Niederung auf knapp drei Kilometer erhöhen. Gleichzeitig würden vermeintliche Hauptflugrouten zwischen den Niederungen und den umliegenden Teichen von Windrädern freigehalten.

Da gerade Aspekte des Artenschutzes stark gegen die Potenzialfläche Pollhöfen 01 sprachen und eine Realisierung mehr als zweifelhaft erscheinen ließen, gab der ZGB einer optimierten Version von Pollhöfen 02 den Zuschlag im Alternativvergleich und wurde als für eine Windenergienutzung geeignet erklärt.

Alternative ist doch keine

Die gebietsbezogene Umweltprüfung jedoch zeigt auf, dass auch eine optimierte Version von Pollhöfen 02 immer noch hohes Konfliktpotenzial mit den bedrohten Vogelarten aufweist. „Die direkte Nachbarschaft zu Bruthabitaten des kollisionsgefährdeten Seeadlers sowie des störungsempfindlichen Schwarzstorchs und ferner die Bedeutung der benachbarten Niederungsbereiche und Teichanlagen als essentielle Nahrungshabitate beider Arten stehen der Nutzung der Flächen für die Windenergienutzung entgegen“, heißt es in der abschließenden Bewertung des ZGB. „Aufgrund der erkennbaren avifaunistischen Bedeutung und Naturnähe des gesamten Landschaftsraumes zwischen Wesendorf im Süden und der B 191 im Norden mit diversen naturnahen Geestbächen und ausgedehnten Wäldern ist auch eine Verkleinerung der Potenzialfläche nicht geeignet, die zu erwartenden Beeinträchtigungen auf eine zumutbares/verträgliches Maß zu reduzieren.“

Das Aus für die Potenzialflächen Pollhöfen 01 und Pollhöfen 02 seitens des ZGB lenkt die Aufmerksamkeit nun auf die verbleibende neue Fläche Zahrenholz 01 sowie die Erweiterung der Bestandsfläche GF 4 in Wahrenholz (das IK berichtete).

Von Dennis Klüting

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