Kontroverse um Grundstück im Gewerbegebiet Hammersteinpark / Schützen sehen Konkurrenz in geplanter Festhalle

„Die Gemeinde schaufelt uns ein Grab“

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Im Schützensaal in Wesendorf können bis zu 800 Gäste feiern und einen ganz besonderen Abend verbringen.

Wesendorf. Die Gemeinderat Wesendorf beschloss jetzt auf seiner Sitzung, dass ein gemeindeeigenes Grundstück im Gewerbegebiet Hammersteinpark verkauft werden darf.

Die glücklichen neuen Besitzer sind Irina und Alexander Nikitin-Trepper, die auf diesen Beschluss schon lange warten. „Wir möchten Hochzeitsausstatter werden und damit ein Fundament für unsere Kinder aufbauen“, erklärt die seit 22 Jahren in Wesendorf lebende Irina Nikitin. Bereits Anfang des Jahres hatte sich die Familie um ein Gebäude im Hammersteinpark bemüht. Nachdem das Projekt aber scheiterte, informierte sich die Wesendorfer bei der Gemeinde über Gewerbegrundstücke.

Das Ziel: eine Festhalle zu bauen, in welcher Hochzeiten gefeiert werden können. Das Besondere daran: „Das Hochzeitspaar muss sich um nichts kümmern. Wir bereiten alles vor – von der Dekoration bis hin zur Frisur der Braut“, sagt Irina Nikitin.

Der Beschluss wurde von Juli auf September vertagt. Seit der Gemeinderatssitzung wissen sie nun: Es kann los gehen, sie können ihr Bauvorhaben in die Tat umsetzen. „Ziemlich viel Arbeit liegt vor uns. Jetzt müssen wir erst einmal den Kaufvertrag mit der Gemeinde unterschreiben, dann wollen wir mit einem Architekten alles richtig überdenken und den Bauantrag stellen. Diesen erhalten wir dann vielleicht in der Winterzeit. Das Grundstück muss noch sondiert werden und so hoffen wir, dass wir dann im nächsten Jahr richtig loslegen können“, freut sich Nikitin.

Das Angebot soll einzigartig werden. Kleine Mustertische mit Dekoration und farblichen Variationen sollen angelegt werden, damit sich die zukünftigen Brautpaare ganz nach ihrem Geschmack beraten lassen können. Außerdem soll alles mit Servicepartnern vor Ort organisiert werden. „Es ist uns wichtig, dass wir Menschen vor Ort einbinden können“, sagt die Wesendorferin. Frisör, Floristik, Fotografen, Wäscherei, Bäckerei, Partyservice und Bands sind nur einige, die in Zukunft profitieren könnten und sollten. „Letztlich ist auch der Bedarf da. In Wesendorf gibt es den Schützensaal, welcher aber immer ausgebucht ist, so dass dann Wesendorfer Einwohner in andere Orte ausweichen müssen. Wir wollen etwas für und mit den Menschen machen“, erklärt Irina Nikitin.

Das sieht die Schützengesellschaft Wesendorf anders. Für sie bedeutet die neue Festhalle eine direkte Konkurrenz. „Die Gemeinde schaufelt uns ein Grab“, sagt Udo Fromhage, stellvertretender Vorsitzender der Schützengesellschaft Wesendorf. „Uns wurde gesagt, dass die neue Halle maximal 150 Personen fassen soll, aber was das Baugesetz dann hergibt, ist eine andere Sache“, gibt er zu bedenken. Er macht sich Sorgen um die Zukunft der Schützenhalle. „Es ist fragwürdig, ob Investitionen, die für die Zukunft geplant waren, noch umgesetzt werden können. Wir wissen nicht, ob wir dann die Schützenhalle halten können“, erklärt Fromhage die bestehenden Ängste.

Die Schützenhalle kann 700 bis 800 Personen aufnehmen. „Unsere größte Angst ist, dass wir nicht wissen, ob wir alles so weiter finanzieren können, wie wir es in der Vergangenheit getan haben“, spricht der Schütze die Problematik an.

Daraus resultiere der Wunsch, sich mit den zukünftigen Besitzern zusammenzusetzen und über Probleme und Ängste zu sprechen, „damit wir wissen, woran wir sind und was die Zukunft hergibt. Vielleicht können wir uns dann anderweitig um Kunden bemühen. Wir wollen das Gespräch mit den zukünftigen Besitzern und der Gemeinde“, betont Udo Fromhage. Zurzeit stünden er und seine Schützenbrüder aber vor vollendeten Tatsachen. Ein solches Gespräch könnte Missverständnisse ausräumen.

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Wesendorf, Siegfried Weiß, schätzt das Miteinander zwischen Gemeinde und Schützenverein. Miteinander zu sprechen sei daher sehr wichtig. „Das Konzept der neuen Besitzer ist keine Konkurrenz für die Schützenhalle, da die neue Halle nur für eine Stärke von maximal 150 Personen ausgerichtet ist“, sagt Weiß. Zudem biete das neue Konzept eine Rundumversorgung an, so dass Servicepartner aus der Region genutzt würden. „Es könnte also eine Win-Win-Situation werden“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. „Erst einmal abwarten, was sich ergibt“, schlägt Weiß vor und fügt an: „Wir haben die Schützen bisher als Gemeinde immer unterstützt und werden dies auch in Zukunft nicht ändern.“

Irina und Alexander Nikitin-Tepper sind für Gespräche bereit. „Wir würde uns eine Zusammenarbeit mit den Schützen wünschen und hoffen deswegen auf ein Gespräch“, erklärt Irina Nikitin.

Von Maike Scholz

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