Das System der Oberschule geht in Wesendorf in das zweite Jahr / Bilanz von Lehrern und Politik

„Das Beste für die Schüler rausholen“

Die Oberschule Wesendorf vereint momentan drei Systeme: die auslaufenden Haupt-und Realschulen und das Konzept der Oberschule.

Wesendorf. 625 Schüler besuchen die Oberschule Wesendorf. 57 Lehrkräfte geben jeden Tag ihr Bestes, um die Schüler für das Leben vorzubereiten. Das Konzept der Oberschule soll dieses Bestreben unterstützen.

Mit dem Start in das zweite Jahr mit dem System Oberschule ziehen Lehrer und politische Vertreter eine Bilanz. „Damals sagte uns der Schulträger, dass alles so bleiben könne wie bisher – doch wenn wir zu einem neuen System verpflichtet werden, dann wollen wir die Möglichkeiten dieses Systems auch nutzen“, erklärt die Schulleiterin Ursula Kreft. Natürlich habe das alte wie auch das neue System Schwächen und Stärken, die es im Schulalltag zu bewältigen gelte.

„Ein Vorteil ist, dass wir nun ab der fünften Klasse jahrgangsbezogen unterrichten. Das heißt, dass die Kinder nicht nach zwei Jahren wieder auseinandergerissen werden müssen. Da gab es schon so manche Träne“, erinnert sich Elke Knerr, Klassenlehrerin einer 6. Klasse. Jetzt sei es ein „Miteinander- und Voneinander-Lernen“. „Ich bin total begeistert. Alle helfen sich gegenseitig“, freut sich die Klassenlehrerin einer fünften Oberschulklasse, Beate Zimmermann.

Die Umstellung erfolgt nach und nach, und so gibt es an der Oberschule momentan eigentlich noch drei Systeme: die auslaufenden Haupt- und Realschulen und die Oberschule. Darunter differenzieren sich weiterhin das Konzept der Ganztagsschule und der Halbtagsschule in Haupt- und Realschule. „Ab der neunten Klasse sind wir dann verpflichtet, zu trennen und schulformbezogen zu unterrichten“, so Kreft.

Doch wo die Lehrerinnen Vorteile sehen, gibt es auch Nachteile zu entdecken. „Eine Problematik ist der Einsatz von Schulbüchern. Es gibt kaum Bücher, die für eine Oberschule tauglich sind. Die Schulbuchverlage hängen hinterher“, sagt Nora Polatzek.

Eigentlich, so die Schulleiterin, seien sie die Vorreiter. Ihre Erfahrungen im Umgang mit der Oberschule würden gebraucht, um zum Beispiel Schulbücher zu konzipieren. Trotzdem sieht sich die Lehrerschaft nicht als Verlierer. „Wir wollen das Beste für die Schüler rausholen und fühlen uns ihnen und den Eltern verpflichtet. Und wir machen gute Arbeit“, sagt die Schulleiterin.

Dennoch sehen sie und das Kollegium klare Verbesserungsmöglichkeiten. „Eine bessere Vorbereitung unserer Seite wäre wichtig gewesen. Ein gutes Konzept braucht Zeit und Ruhe. Fortbildungen im Vorfeld gab es nicht“, erzählt Beate Zimmermann.

Doch Entscheidungen, so das Kollegium, werden nicht an Schultischen getroffen. Problematisch sei auch die Begriffsverwendung. „Viele Eltern verbinden den Begriff der Oberschule mit dem Gymnasium.“

Dieses Missverständnis ist auch bei politischen Vertretern bekannt. Wesendorfs Bürgermeister Siegfried Weiß bewundert den Zusammenhalt und das Engagement des Kollegiums. „Alle Lehrer waren natürlich sehr überrascht, dass auch sie so kurzfristig auf ein neues System umstellen sollten“, erklärt er. Das Modell sei vom Land nur in dem Glauben, dass die Hauptschule wegfallen würde, aufgestülpt worden, so Weiß. Doch es funktioniere gut.

Trotzdem wünscht sich der Bürgermeister, dass die Schulpolitik des Landkreises auch regional ausgewogen wäre. „Das ist hier nicht der Fall. Es müssen zum Beispiel dort Integrierte Gesamtschulen eingerichtet werden, wo das Angebot im flachen Land gebraucht wird. Den Kindern müssen doch vertretbare Wege zugemutet werden, und Eltern schauen natürlich darauf, wo sie dann ihr Kind in die Schule geben“, erklärt Weiß.

Er findet auch, dass die Oberschule Wesendorf eigentlich das IGS-Angebot umsetze. „Im Grunde haben wir eine dreizügige IGS“, meint er. Und: „Die Oberschule ist in einem guten Zustand. Gerade bekommt sie ein neues Dach, und eine neue Küche ist auch eingerichtet. Wir versuchen die langfristige Sicherung dieser Schule voranzutreiben“, berichtet der Wesendorfer Bürgermeister von den kommunalen Zielen.

Das Kollegium der Wesendorfer Oberschule hat sich auch Gedanken über das Konzept der IGS gemacht. „Wir sind ähnlich einer IGS, und es fühlt sich gut an, diesen Schritt zu gehen, aber jetzt orientieren wir uns erst einmal an dem Konzept der Oberschule, welches sich ganz eng an jenes einer IGS anlehnt. Vielleicht können wir irgendwann mal IGS werden“, blickt Schulleiterin Kreft voraus.

Von Maike Scholz

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