Fahrplan soll sich an Bedarf und Menschen orientieren / Verwaltung gewährt Rabatte

Bürgerbus nimmt am 1. Juli Fahrt auf

+
Die Tinte ist trocken: Im Beisein von Wesendorfs Samtgemeindebürgermeister René Weber, Klaus-Hinrich Singer (stellv. Bürgermeister von Steinhorst), Landrat Andreas Ebel und Gerhard Döpkens, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg (hinten, v.l.) unterzeichneten Herbert Pieper, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, und Edwin Nanko (Sparkasse/vorne, v.l.) einen Vertrag.

Wesendorf/Steinhorst. Das Fahrzeug leuchtet in strahlendem Rot. Die Ampel steht für den Bürgerbusverein Isenhagener Land steht seit gestern aber endgültig auf Grün.

Im Haus der Gemeinde in Steinhorst wurde vom Vereinsvorsitzenden Herbert Pieper und Edwin Nanko, stellvertretender Bereichsleiter der Unternehmenskommunikation bei der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, ein Vertrag unterschrieben. Fünf Jahre bis Ende 2020 übernimmt die Sparkasse den Unterhalt des Bürgerbusses – maximal bis zu einer Höhe von 12 500 Euro. Am Freitag, 1. Juli, startet der Bürgerbus seine Touren. An 52 Wochen im Jahr fährt der rote Bus, in dem neben dem Fahrer acht Gäste Platz finden, dann immer montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr durch die Samtgemeinde Wesendorf und die Gemeinde Steinhorst. 25 ehrenamtliche Fahrer übernehmen die Touren im Zwei-Schicht-Modell.

„Das ist eine gute Idee, um den ländlichen Raum zu stärken. Denn der Öffentliche Personennahverkehr kann nicht alles abdecken“, sagte Gerhard Döpkens, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, dessen Geldhaus einer der finanzstarken Förderer der Bürgerbus-Initiative ist. „Ich bin froh, dass ihr das macht“, lobte Landrat Andreas Ebel die Initiatioren und Ehrenamtlichen des Bürgerbusverein um Herbert Pieper. Das Vorhaben mache nur Sinn, wenn das ÖPNV-Angebot nicht befriedigend ist, erklärte Ebel.

Mit dem Bürgerbus, ergänzte Pieper, hätten vor allem auch ältere Bürger aus Steinhorst nun eine bessere Anbindung an Wesendorf und die Kreisstadt Gifhorn. Zudem, so der Vereinsvorsitzende, sei der Fahrplan an den Bedürfnissen der Berufsschüler ausgerichtet. Mit der Linie 100 und dem Bürgerbus könnten die Auszubildenden nach Schulschluss bequem nach Steinhorst zurückfahren, müssten nicht über Celle ausweichen oder wären in Groß Oesingen „gestrandet“.

Für die Finanzierung des neuen Fahrzeuges stehen das Land Niedersachsen (64 500 Euro) und der Landkreis Gifhorn (30 000 Euro) gerade. Die Samtgemeinde Wesendorf und Gemeinde Steinhorst beteiligen sich mit Rabatten an dem Projekt, wollen über die Rückerstattung eines Teiles des Fahrpreises die Attraktivität des Bürgerbusses für die Menschen noch weiter steigern.

Der Fahrpreis orientiert sich an den Konditionen der Verbundgesellschaft Region Braunschweig (VRB). 2,60 Euro pro Tarifzone müssen vom Fahrgast bezahlt werden. „Für Fahrten von Steinhorst nach Wesendorf sind es 3,90 Euro“, sagt Herbert Pieper, Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Schließlich müssten dabei zwei Tarifzonen unter die Räder genommen werden.

Viel Geld, gibt Pieper zu Bedenken. Damit aber sich ältere Menschen für Einkäufe oder Arztbesuche nicht lieber von Verwandten oder Nachbarn fahren lassen und dem Bürgerbus gleich ins Abseits stellen, gibt es von Verwaltungsseite ein Anreizsystem. Mit privaten Partnern wie Edeka oder Apotheken in Wesendorf sei vereinbart worden, ab einem Umsatz von 15 Euro einen Euro zu erstatten, berichtet René Weber, Samtgemeindebürgermeister von Wesendorf. Auch Behördengänge, die mit Hilfe des Bürgerbusses erledigt werden, würden von der Samtgemeinde mit einem Euro bezuschusst.

Auch von der Gemeinde Steinhorst gibt es einen „Rabatt“. Für Fahrten in den Gemeindegrenzen wird ein Euro erstattet, sagt der stellvertretende Bürgermeister Klaus-Hinrich Singer. Bei Fahrten in die benachbarte Samtgemeinde Wesendorf würden sogar zwei Euro auf den Fahrpreis zurückgezahlt.

Mit den Fahrkartenkäufen kann sich das Vorhaben Bürgerbus in der Startphase sicherlich nicht halten. Für das finanzielle Polster springt die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg ein. Sein Engagement für den Verein begründet der Sparkassen-Chef im Wesentlichen mit drei Gründen. Zum einen kenne er den Bürgerbus schon länger aus seiner Heimat. Zum anderen sei es ihm wichtig, den ländlichen Raum sowie das Ehrenamt zu stärken. Es könne ein Dauerlauf sein, ehe der Bürgerbus angenommen werde. Deshalb stützt die Sparkasse fünf Jahre lang das Vorhaben, Menschen im ländlichen Raum mobil zu halten. Nicht jährlich nach Förderern suchen zu müssen, gebe dem Verein „unglaubliche Sicherheit“, so Pieper.

Wo der Bürgerbus bald hält, wird mit einem Logo über den normalen Haltestellenschildern angezeigt. Aber auch Fahrten in die Wohngebiete sind mit dem kleineren Bus möglich. „Wir orientieren uns daran, wo der Bedarf und die Menschen sind“, sagt Pieper. Es ist also keineswegs ausgeschlossen, dass der rote Bürgerbus nach Fahrplanänderungen auch noch andere Haltepunkte in der Samtgemeinde Wesendorf und der Gemeinde Steinhorst anfährt.

Von Matthias Jansen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare