Wesendorfer Hammerstein-Siedlung

Anlieger wollen sich gegen Bauvorhaben wehren

Die Anlieger der Hammerstein-Siedlung wollen sich gegen ein mögliches Bauvorhaben auf dem angrenzenden Wald-grundstück wehren
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Anlieger der Hammerstein-Siedlung wollen verhindern, dass der Wald abgeholzt wird.
  • Dennis Klüting
    vonDennis Klüting
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Wesendorf – Zahlreiche Vögel zwitschern am Montagnachmittag in dem Waldstück an der Wesendorfer Hammerstein-Siedlung. Eigentlich ein idyllischer Nachmittag – doch rund 20 Anwohner haben sich auf der Straße versammelt. Sie sind aufgebracht: Ein Investor möchte ein etwa fünf Hektar großes Areal im Bereich der Möldersstraße und des Stollbrockrings zu Bauland mit ungefähr 50 Bauplätzen umwandeln. Auf dieser Fläche befindet sich das Waldgebiet, das die Anlieger unbedingt erhalten möchten.

„Einen rund 100 Jahre alten Wald abholzen, um ein Wohngebiet hinzusetzen? Das ist doch unmöglich“, ärgerte sich Petra Nadolny. Auch an einem Teil ihres Grundstücks, das direkt an die Waldfläche angrenzt, hatte der Investor Interesse gezeigt. „Der Wald ist ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tierarten: Insekten, darunter Wildbienen und seltene Schmetterlinge, Reptilien, Vögel, Feldhasen, Fledermäuse ... Und das soll jetzt einfach zerstört werden?“ Maik Meinecke, 2. Vorsitzender des Kreisimkervereins, wohnt ebenfalls in der Hammerstein-Siedlung und hat im Waldstück seine Bienenkörbe aufgestellt. „Jeden Tag kann man dort Rehe sehen“, schwärmt der Imker. „In diesem Wald war seit Jahrzehnten kein Förster mehr.“ Gerade deswegen sei er sehr wertvoll und schützenswert.

Laut Nadolny wurden jüngst bereits Bodenproben zur Schadstoffuntersuchung durch eine Firma entnommen. „Der ehemalige Teich wurde von der Bundeswehr damals mit Bauschutt verfüllt“, erklärte Nadolny. „Und wer weiß, mit was sonst noch.“ Aufgrund der Nähe zur ehemaligen Kaserne sei auch eine Belastung mit Munitionsresten nicht auszuschließen.

Die Bewohner der Hammerstein-Siedlung befürchten zudem eine Wertminderung ihrer Immobilien und wollen gegen das Vorhaben des Investors angehen. Sie werden dabei vom Vorsitzenden Manfred Michel und Schriftführerin Eva Gresky von der BUND-Kreisgruppe Gifhorn sowie der Bürgerinitiative (BI) „Wesendorfer für Wesendorf“ unterstützt. Letztere hatte sich ursprünglich gegründet, um gegen Straßenausbaubeiträge in der Gemeinde vorzugehen. Mit Erfolg – der Gemeinderat hat die Beiträge abgeschafft. Die BI hat ihre Aktivitäten auf die landesweite Abschaffung der Anliegerbeiträge fokussiert, sieht sich hierbei aber auch wieder gefordert. „Wir sind ein eingetragener Verein. Wir wollen verhindern, dass die Politik Entscheidungen trifft, die den Interessen der Bürger entgegenstehen“, erklärte Kurt Karlisch vom Vorstand der BI. Er hatte daher schriftliche Anfragen zu dem Vorhaben an Bürgermeister Holger Schulz gestellt.

Michel erklärte, dass sich der BUND in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren, das zur Aufstellung eines Bebauungsplans notwendig ist, mit einer Stellungnahme einbringen und sich für den Erhalt der Waldfläche einsetzen könnte.

Die Anlieger wollen nun verschiedene Gespräche suchen, um ihre Position zu verdeutlichen: mit dem Bürgermeister und den Mitgliedern des Gemeinderates, aber auch mit dem Investor.

Bürgermeister: „Wäre gern dabei gewesen.“

Bürgermeister Holger Schulz bedauerte, nicht zu der Veranstaltung eingeladen worden zu sein: „Ich hätte vermutlich gleich mehrere Bedenken zerstreuen können.“ So habe es noch keinen Grundstückskaufvertrag über die Flächen gegeben. „Der hätte über meinen Schreibtisch laufen müssen, die Gemeinde hat da nämlich ein Vorkaufsrecht“, sagte Schulz. Er rechne eher mit einer Kaufoption. Ebenso wenig existiere dort eine Bauleitplanung der Gemeinde – einzig eine Festsetzung im Flächennutzungsplan, der diesen Bereich seit Jahren als Wohnbauland ausweist.

Das Vorhaben wurde bisher ausschließlich im Rahmen des Berichts des Bürgermeisters den politischen Gremien vorgestellt – eine Auseinandersetzung mit der Thematik, geschweige denn eine Beschlussfassung, hat es noch nicht gegeben. „Ich habe darauf hingewiesen, dass sich die Ratsmitglieder Gedanken machen sollten, ob sie eine Bebauung in dem Bereich überhaupt möchten“, sagte Schulz. „Denn ganz klar: Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde, nicht beim Eigentümer oder einem möglichen Investor.“

Für die Sitzungen Ende Mai steht ein mögliches Bauvorhaben in der Hammerstein-Siedlung noch nicht zur Beschlussfassung auf der Tagesordnung. „Wenn ein Antrag für einen Bebauungsplan eingeht, wird sich das als Tagesordnungspunkt wiederfinden. Damit rechne ich allerdings mittlerweile auch“, so Schulz. „Ansonsten werde ich es aber in meinem Bericht erwähnen.“

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