Ausgrabungsschnitt soll Aufbau der zerstörten Burg Wahrenholz aufzeigen

Reise in die Vergangenheit

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Die Ausgrabung soll neue Fakten über die abgebrannte Burg Wahrenholz, wie etwa den genauen Aufbau, ans Tageslicht bringen.

Wahrenholz. Zurück zu den Ursprüngen des Ortes Wahrenholz: Ein Ausgrabungsteam legt Teile der zerstörten Burg Wahrenholz in direkter Nachbarschaft zur Mühle frei.

Mit vereinten Kräften arbeiten Studierende und Dozenten der TU Braunschweig und Universität Göttingen an der Ausgrabung der Überreste von Burg Wahrenholz. Nach den erfolgreichen geophysischen Messungen (das IK berichtete) werden nun Überresten der rund 1000 Jahre alten Burg freigelegt.

„Hier handelt es sich aber nicht um eine Steinburg mit hohen Zinnen und Türmen“, erklärt Dr. Christian Frey vom Historischen Seminar der TU Braunschweig. „Sondern um einen sogenannten sächsischen Ringwall. Der wurde aus Holz und Erde errichtet.“

Die Ausgrabung ist für den Wahrenholzer Wissenschaftler spannend: „Hier haben wir es mit einer ganz seltenen Übereinstimmung von textlicher Überlieferung und archäologischen Befunden aus dieser Zeit zu tun“, so Frey. „Denn die Burg Wahrenholz wurde in der Lebensbeschreibung von Bischof Bernward von Hildesheim erwähnt.“ Außerdem tauche die Burg auch in einer Urkunde aus dem Jahr 1013 auf, in der Besitz von Burg und Schulzen-Bezirk übertragen wurden. „Das ist aber leider das letzte Mal, dass die Burg schriftlich erwähnt wurde“, bedauert Frey.

Bereits seit 2011 arbeitet er zusammen mit seinem Kollegen Dr. Felix Biermann vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen an der archäologischen Untersuchung der Befestigung. „Nach der sogenannten ‘zerstörungsfreien Untersuchung’ mit elektromagnetischen Messungen und Luftbildern legen wir jetzt einen schmalen Grabungsschnitt von der Burgmitte zum äußeren Wall frei“, so Frey. „Dadurch hoffen wir, weitere Erkenntnisse über den Aufbau der Burg gewinnen zu können.“

Bereits am zweiten Tag der Ausgrabung konnten Teile des Steinpflasters im Innenhof der Burg freigelegt werden. „Wir können jetzt schon sagen, dass die Burg selbst dicht bebaut und besiedelt war“, erklärt Biermann. „Die Burg Wahrenholz war also keineswegs ein einsamer Rückzugsort vor aufständischen slawischen Stämmen.“

Neben Keramikscherben aus der Burg wurden auch deutlich ältere Fundstücke bei der Ausgrabung freigelegt. „Wir haben kleine Steinklingen gefunden, die rund 5000 Jahre alt sein müssen“, so Biermann. „Auch damals muss es sich hier um ein gutes Siedlungsgebiet gehandelt haben.“ Auch über das Ende der Burg kann Biermann schon konkrete Aussagen machen: „Die Holzkohle zeigt deutlich, dass die Burg abgebrannt sein muss. Das ist bei diesen Ringwällen öfter passiert.“ Ob sich es dabei um einen Unfall handelte oder ob die Burg mit Gewalt geschleift und niedergebrannt wurde, ist noch unklar. Aber auch hier erhofft sich Biermann weitere Erkenntnisse im Laufe der Ausgrabung.

Doch nicht nur das Burginnere, auch der Wall ist für die Historiker interessant. „Leider wurde der Wall in dem 30er Jahren abgetragen“, bedauert Biermann. Trotzdem kann er noch deutlich erkennen, dass der Wall erweitert worden war. „Das ist für uns besonders interessant, da ein solcher Anbau mit Holzpfosten abgestützt werden muss“, so Biermann. „Wenn wir davon einen finden, können wir den dann aufs Jahr genau zurückdatieren.“

Für die zwölf Studierenden ist die Ausgrabung eine spannende Erfahrung: „Kaum zu glauben, dass die Scherben, die wir hier freilegen, schon 1000 Jahre alt sind“, war genauso zu hören wie „So praktisch an die Geschichte heranzugehen, ist etwas vollkommen Neues. Sonst kommen wir im Rahmen des Studiums ja nur indirekt über Quellen in Berührung.“

Noch bis Freitag wird das 14-köpfige Team nach Überresten der Burg Wahrenholz graben. „Wir sind gespannt, was wir noch finden“, meint Frey. „Es sieht vielversprechend aus.“

Von Dennis Klüting

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