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„Wollen uns an Kosten der Tafel beteiligen“ 

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Die Tafel verteilt auch im Ludwig-Harms-Haus Lebensmittel für Bedürftige. Das Foto zeigt die Essensausgabe im Juni 2021.
Die Tafel verteilt auch im Ludwig-Harms-Haus Lebensmittel für Bedürftige. Das Foto zeigt die Essensausgabe im Juni 2021. © Gerlach, Paul

Samtgemeinde Hankensbüttel – Wenn der Hydra ein Kopf abgeschlagen worden ist, dann sind ihr gleich zwei nachgewachsen. So zumindest wird über das Ungeheuer in der griechischen Mytholgie berichtet. Will heißen: Ist ein Problem bekämpft, kommen gleich mehrere dazu. Auf das Hier und Heute übertragen, dürfte die Situation für die Wittinger Tafel vergleichbar sein. Die Probleme sind mannigfaltig, werden in der momentan herrschenden Energie- und Kosten-Krise immer größer. Davon berichtete Thomas Finnern von der Wittinger Tafel am Dienstag dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Samtgemeinde Hankensbüttel. Und er blieb nicht ungehört – wurde der Hilfsorganisation doch finanzielle Hilfe versprochen.

Landkreis und Stadt Wittingen auch dabei

2000 Euro sollen es sein. Jährlich. Die Ausschussmitglieder sprachen sich geschlossen für diesen Betriebskostenzuschuss aus, für den sich die Gruppe Bündnis 21 bereits im Dezember mit einem Antrag stark gemacht hat.

Inge Elvers, Vorsitzende der Gruppe, erklärte die Beweggründe: „Wir haben den Antrag gestellt, weil es wichtig ist, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“ Sie verwies darauf, wie sehr die Betriebs- und Energiekosten der Wittinger Tafel in der letzten Zeit gestiegen sind und wie beengt deren Räumlichkeiten sowohl in der Brauereistadt als auch in Hankensbüttel seien. Deswegen sehe sie es als Pflicht an, dass sich die Samtgemeinde zukünftig „angemessen an den laufenden Kosten der Tafel beteiligt“.

„Der Landkreis Gifhorn gibt jährlich 5000 Euro und auch die Stadt Wittingen hilft. Deshalb wollen wir auch die Tafel unterstützen“, unterstrich Samtgemeindebürgermeister Henning Evers die Bereitschaft der Kommune. Eine Sache, die auch für Hankensbüttels Bürgermeister Dirk Köllner (CDU) selbstverständlich ist: „2000 Euro sind nicht existenziell. Man kann dem Antrag vom Bündnis 21 mit gutem Gewissen zustimmen.“

Essensausgabe im Ludwig-Harms-Haus

Bevor dies jedoch geschah, erläuterte Tafel-Mitarbeiter Finnern den Ist-Zustand im Isenhagener Land. Die Hilfsorganisation stehe am Rande ihrer Möglichkeiten, was die Warenverteilung anbelangt – verursacht durch personelle Probleme („zu wenige Mitarbeiter für zu viele Bedürftige“) bei gleichzeitigem Waren-Rückgang. „Die Lage ist auch so, weil durch den Krieg mehr Geflüchtete zu uns kommen. Auch die hohen Energiekosten sorgen dafür, dass Menschen zur Tafel gehen, die das vor der Krise nicht gemacht haben.“ Betroffen seien etwa ältere Mitbürger, denen nun weniger von ihrer Rente bliebe.

Aus der Samtgemeinde Hankensbüttel seien 60 bis 70 Familien regelmäßig bei der Tafel, die jeden zweiten Mittwoch im Monat im Ludwig-Harms-Haus eine Essensausgabe anbietet. Bedürftige aus der Samtgemeinde haben damit neben Wittingen (dienstags für Geflüchtete, freitags für alle anderen) eine zweite Anlaufstelle im Nordkreis. Für die eventuell dritte brauche es hingegen zwei Dinge: „In Brome ist es nötig, ehrenamtliche Mitarbeiter und eine Auslagestelle zu organisieren, sodass wir das Angebot hier wiederbeleben können. Dazu sind wir noch in Gesprächen“, so Finnern, der den Zuschuss für existenziell hält.

Ihm zufolge konnte die Tafel zuletzt durch Fernseh-Aktionen wie „Hand in Hand für Norddeutschland“ kleine finanzielle Puffer aufbauen. „So kommen wir im ersten Quartal über die Runden. Wenn es dann aber nicht weitergeht, müssen wir vielleicht schließen“, hofft Finnern auf weitere Unterstützung.

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