Nachttiefflugstrecke für Hubschrauber kollidiert mit Plänen für neue Anlagen

Für Windpark Bokel 01 wird es eng

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So sieht der RGB-Entwurf für den geplanten Windpark Bokel 01 aus. Doch eine Nachttiefflugstrecke für Bundeswehr-Helikopter könnte im Genehmigungsverfahren das Aus für die Planungen bedeuten.

Bokel – Am Ende könnte dies das Aus für den geplanten Windpark Bokel 01 bedeuten: Die Bundeswehr hat schwere Bedenken angemeldet. Denn dort verläuft eine Nachttiefflugstrecke für Helikopter.

Hauptnutzer ist das Transporthubschrauberregiment 10 auf dem Heeresflugplatz Faßberg.

„Der Regionalverband wird die Fläche Bokel 01 jetzt ausweisen, aber das hilft uns wenig, wenn die Bundeswehr ihre negative Stellungnahme beibehält“, sagt die Sprakensehler Bürgermeisterin Christiane Fromhagen. „Aber noch geben wir nicht auf.“

Zum Hintergrund: Im Beteiligungsverfahren hatte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als Luftfahrtbehörde zunächst der Errichtung der Anlage zugestimmt – aufgrund einer gutachterlichen Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung.

Im Anschluss habe man jedoch von einer ablehnenden Äußerung des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr Kenntnis bekommen, sagt der Sprecher der Landesbehörde, Jens-Thilo Schulze. Darin seien flugbetriebliche Bedenken geäußert wurden, weil sich alle Anlagen innerhalb des Schutzstreifens der Tiefflugstrecke Uelzen befinden würden. „Daraufhin haben wir die hier zuvor erteilte Zustimmung aufgehoben.“

Es gehe um Ausbildungs- und Übungsflüge, sagt ein Sprecher des Heeres auf IK-Anfrage. Auch andere Verbände, etwa Kampfhubschrauber, könnten dort mal unterwegs sein. Für Nachttiefflugstrecken gebe es strenge Regelungen, dort dürften aufgrund der Kollisionsgefahr keine Hindernisse, wie etwa Windräder, auftauchen. Das schließe sich gegenseitig aus. Der Grund ist schnell erklärt: Die Hubschrauberpiloten fliegen auf Sicht, nicht per Radar. Auch ein temporäres Abschalten der Windräder ist somit keine Option. Auf den Routen der Nachttiefflugstrecken sei daher keine Windkraftnutzung zulässig.

Gegenstand von Verhandlungen zwischen der Bundeswehr und einem möglichen Windparkbetreiber könnte nun noch werden, wie es links und rechts abseits der Flugroute ausschaut – also abhängig von den Koordinaten der Windräder. Eine Verlegung der sorgfältig ausgewählten und geprüften Route (unter anderem gemäß des Schallschutzes) kommt für das Heer nicht in Frage, klingt deutlich durch.

Beim Regionalverband Großraum Braunschweig verweist Sprecherin Gisela Noske darauf, dass es nun auf das Genehmigungsverfahren ankomme. „Wir weisen nur die Fläche aus, nicht einzelne Windräder.“ Beim RGB ist man sich bewusst, dass es dabei zwischen Investoren/Windpark-Projektieren und der Bundeswehr zu Problemen kommen könnte. Möglicherweise könne aber über die Standorte der Windräder oder eine Verlegung der Nachttiefflugstrecke gesprochen werden, so Noske.

VON PAUL GERLACH

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