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„Werte bewahren“

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Kayser (3), Boden (4)
Kinder des Hankensbütteler Kindergartens sangen von der kleinen Lerche, der „alouette“.

Hankensbüttel - Von Holger Boden. Womit soll man anfangen? Damit, dass Frankreichs Präsident Sarkozy angeblich vor wenigen Tagen mit dem Euro-Austritt gedroht haben soll? Dass Europa derzeit vor allem als ökonomisches Problemfeld wahrgenommen wird?

Von Donnerstag bis Sonntag spielte das alles in Hankensbüttel keine besonders große Rolle, als der Luftkurort die Delegation aus Le Mesnil St. Denis zum Jubiläumsbesuch empfing – man feierte gemeinsam, man sang gemeinsam, man vertiefte alte Freundschaften. Die größte Krise, die die vier Tage zu bieten hatten, war mehr oder weniger das Wetter.

So brachten neben den von den Hankensbütteler Pfadfindern gehissten Flaggen Frankreichs, Deutschlands und Europas auch zahlreiche Schirme Farbe ins Maigrau, das am Samstagnachmittag mit Wind und Regen den Kirchplatz im Griff hatte. Dem feierlichen Rahmen der öffentlichen Festveranstaltung tat das freilich keinen Abbruch.

Den Reigen der Festredner eröffnete Hankensbüttels Bürgermeisterin Beate Harms. Sie erinnerte an die Pioniere der Partnerschaft, die vor 25 Jahren aus einem Schüleraustausch des Gymnasiums hervorging, der inzwischen eine 40-jährige Geschichte vorzuweisen hat. Ihr Dank galt allen, die sich für die Beziehungen zwischen beiden Kommunen einsetzen und eingesetzt haben, und allen Gastgebern, die französische Gäste bei sich aufgenommen haben. Der Städtepartnerschaft, so Harms, liege zugrunde, „Unterschiede zu akzeptieren und zu tolerieren, Temperament, Sprache und Kultur kennen und schätzen zu lernen“.

Ihr französischer Amtskollege Jean Créno lobte den Geist der Freundschaft zwischen beiden Orten: „Wir fühlen und bei Euch wie zu Hause und sind sehr froh, uns zu treffen.“ Créno gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Partnerschaft ein Stück weit zur Stärkung der EU beiträgt. Der stellvertretende Landrat des Landkreises Gifhorn, Werner Warnecke, schlug in die gleiche Kerbe: „Der Rahmen, den die Politik setzt, wird nur mit Leben erfüllt, wenn Menschen sich kennenlernen.“

Diese Elemente der Begegnung und der Freundschaft wurden exemplarisch vorgeführt, als ein vielstimmiger Chor aus Deutschen und Franzosen die Nationalhymnen, die Europa-Hymne und das Hankensbüttel-Lied aus der Feder von Otto Kaufmann sang. Der Vorsitzende des Hankensbütteler Partnerschaftskreises, Lutz Petzold, und Béatrice Lajoye, im Isenhagener Land lebende Französin, führten durchs Programm und lieferten immer wieder Übersetzungen für alle jene Zuhörer, die nicht beider Sprachen mächtig waren.

Der Leiter des Hankensbütteler Gymnasiums, Martin Hille, hielt seine Rede komplett auf Französisch. Er gab der Besorgnis Ausdruck, dass die EU derzeit aus wirtschaftlichen Aspekten an Akzeptanz verliere. Man müsse sich daher bewusst machen, dass die grenzüberschreitende Freundschaft gehegt und gepflegt werden müsse.

Christophe Millot, Leiter des Collège Philippe de Champaigne in Le Mesnil, sagte, man wolle mit dem Schüleraustausch und der Teilnahme am Partnerschafts-Jubiläum „wachsame Bürger schaffen, die darauf achten, die fundamentalen humanistischen Werte Europas zu bewahren.“ Gleichwohl hätte sich mancher Zuschauer noch eine größere Zahl von deutschen Jugendlichen bei der Veranstaltung gewünscht.

Für den musikalischen Rahmen sorgten am Samstagnachmittag der Spielmannszug und der Musikzug Hankensbüttel sowie Roger Burmeister und Luis Reisewitz. Einen liebenswerten Beitrag lieferte eine Gruppe von Kindergartenkindern unter der Ägide von Andrea Zoch und Julia Lucker.

Abends, bei der Festveranstaltung für geladene Gäste im Schützenhaus, übernahm der Musikzug Emmen die musikalische Regie. Weil auch die Jungen Leute aus Emmen mit Volkstänzen das etwa 200-köpfige Publikum begeisterten, merkte Lutz Petzold an, dass „Emmen heute Abend ganz groß rausgekommen ist“.

Für Unterhaltung sorgten auch Schüler der 9 flbi des Gymnasiums, die in Sketchen deutsche und französische Eigenarten aufs Korn nahmen, sowie die Schulband, die am Ende der Veranstaltung ihren Auftritt hatte. Ein französischer Chor sang unter anderem ein Renaissance-Stück und – mit Unterstützung heimischer Sänger – noch einmal das Hankensbüttel-Lied.

Dazu wurden zwischen den Gemeinden und den Partnerschaftskomitees kleine Geschenke ausgetauscht. Beate Harms und Jean Créno holten den Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde nach, der am Nachmittag dem Regen zum Opfer gefallen war.

Gérard Adeline, der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees von Le Mesnil, gab sich zuversichtlich, dass die Freundschaft noch lange erhalten bleiben werde – er könne sich gut eine Feier zum 50-jährigen Jubiläum vorstellen.

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