Weber-Ausstellung zum Hankensbütteler Kirchspiel eröffnet / Laudatio auf verstorbenen Künstler von Gerhard Czichos

„Mit harter Schale und weichem Kern“

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Ira Tolstichin und Ulrich Willier enthüllten ein Weber-Werk, das 1992 im Kainbachtal entstanden war.

Hankensbüttel. Das ist selten. Eben noch schaut man dem Maler über die Schulter, hört das Kratzen der Pinsel auf der Leinwand – und schon wird das Werk des Künstlers enthüllt.

So geschah es am Sonnabend im Hankensbütteler Ludwig-Harms-Haus anlässlich der Eröffnung der siebten Ausstellung mit Werken von Horst L. Weber, der im letzten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Jürgen Kook und Ulrich Willier von der Medienwerkstatt Isenhagener Land hatten 1992 den Ehrenbürger Weber (1913-2002) in das Kainbachtal begleitet und ihm bei seiner Arbeit zugeschaut. Diesem Kurzfilm folgte am Sonnabend die Enthüllung des Werks durch Willier und Ira Tolstichin, die gemeinsam mit Andrea Ebel und Johanna Gabrisch für die neunteilige Ausstellungsserie verantwortlich zeichnet.

Die Ausstellung im Ludwig-Harms-Haus hat als Thema das Hankensbütteler Kirchspiel. Die Bilder, die vor allem kirchliche Gebäude und Umgebungen zeigen, sind noch bis zum 28. Februar nach Vereinbarung zu sehen.

Thematisch lehnte sich auch der Cantate-Chor unter der Leitung von Claudia Kasprzyck mit seinen Liedern an die Ausstellung an. Das Ensemble untermalte die Ausstellungseröffnung musikalisch.

Hielt die Laudatio auf den 2002 verstorbenen Künstler: Ehrenbürger Gerhard Czichos.

In seiner Laudatio ging der ehemalige Hankensbütteler Gemeindedirektor und Ehrenbürger Gerhard Czichos auf den Künstler Weber ein. Der langjährige Weggefährte des aus Berlin stammenden Kunstpädagogen schilderte den Lebensweg Webers, der 27 Jahre zum Teil gefürchteter, zum überwiegenden Teil aber geliebter Lehrer am Hankensbütteler Gymnasium war. „Der Künstler war nicht pflegeleicht mit seiner berlinerischen Rhetorik, in der Kritik gegenüber Politik und Verwaltung sehr hart, aber fair“, schilderte Czichos. „Horst L. Weber wurde im Kollegenkreis hochgeschätzt und von den Schülern sehr respektiert. Nach der damaligen Schulordnung hatte ich an mehreren Prüfungen der Abiturienten teilzunehmen, und ich habe den Prüfer Horst L. Weber als Mensch mit einer harten Schale und einem weichen Kern kennengelernt, Er hat so manchem Prüfling auf seine Art indirekt geholfen. Das war nicht bei allen Prüfern so.“

Ausdrücklich empfahl Czichos den Buchband „Entdeckungsreisen“ von Jennifer Franke, Ira Tolstichin und Holger Boden, in dem der Künstler und sein Werk in Text und Bild „auf hohem Niveau“ dargestellt seien. Zudem sei der Musiksaal des Gymnasiums sehenswert, in dem Weber die Musik mit Farben, Menschen und Symbolen dargestellt habe. Nach Worten Czichos‘ wird von Webers Werken auch in den nächsten hundert Jahren die Rede sein.

Weber selbst, laut Czichos „übrigens eine guter Tischtennisspieler und ausgezeichneter Klaviervirtuose“, bezeichnete Malen als „Schmieren mit Gefühl und einem bisschen Verstand“. „Man muss ehrlich bleiben“, sagte er in dem Kurzfilm.

Die moderne Kunst, die eine Landschaft als schwarze oder weiße Leinwand präsentiere, sei dagegen am Ende. „Was soll danach noch kommen?“, fragte er 1992. Daher müsse die Kunst wieder von vorne anfangen.

Vor der offiziellen Eröffnung gab es eine Andacht mit Pastor Jan Wutkewicz. Danach betrachteten die Gäste die Bilder bei Kaffee und Tee und gemütlichen Gesprächen.

Von Burkhard Ohse

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