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Anhaltende Wassernot: Hankensbütteler Landwirte treiben Lösungssuche voran

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Von: Paul Gerlach

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Ein Feld wird bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 30 Grad beregnet.
Die Wassersituation – nicht nur in der hiesigen Region – ist bekanntlich seit Jahrzehnten angespannt, in letzter Zeit stark zunehmend. Aus der Landwirtschaft wird der Ruf nach Unterstützung bei der Lösungssuche laut. © dpa

Hankensbüttel - Durch den Klimawandel wird die Problematik noch verstärkt: Die Situation beim Wasserhaushalt ist – nicht nur in der hiesigen Region – bekanntlich seit rund 30 Jahren angespannt, in den vergangenen zehn Jahren stark zunehmend. Landwirte aus dem Raum Hankensbüttel gehen proaktiv dagegen vor und treiben angesichts der Wassernot die Lösungssuche voran.

Erste Bemühungen und Ideen in Sachen zusätzliche Beregnung mit Wasser aus dem Elbe-Seitenkanal (ESK) für Emmen und Hankensbüttel hat es nach Angaben des Weddersehler Landwirtes Wilhelm-Joachim Cohrs bereits in 2017 gegeben. In den Jahren danach folgten immer wieder Sommer mit großer Hitze. 2018 habe es eine Zusage des Wasser- und Schifffahrtsamtes gegeben, dass 1 Million Kubikmeter Wasser von den angemeldeten Nutzern entlang des ESK entnommen werden dürften. Doch im Laufe des Jahres sei dem Amt die Übersicht über die Mengen verloren gegangen, damit habe sich das Ganze wieder erledigt.

„Politik muss aufwachen“

Wilhelm Heerdes, Landwirt aus Emmen, betont, dass seine Kollegen und er sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst seien: „Wir verplempern das Wasser nicht.“ Da habe es auch ein Umdenken unter den Landwirten gegeben, sorgsamer mit dieser kostbaren Ressource umzugehen. Das sei nicht nur für die Landwirte ein Thema, sondern eines für die gesamte Gesellschaft. Auch die Unterstützung aus den Reihen der Politik – mit der man ohnehin ständig im Gespräch sei – fordere man dabei ein. Man hoffe auf Fördermittel, um die Wassernot zu bekämpfen und zugleich die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln auch für die Zukunft zu garantieren.

Generell sei es so, dass die Landwirte für gut gefüllte Regale mit guten, bezahlbaren Lebensmitteln sorgen wollen, sagt Heerdes. Sich in Sachen Wasser beim Grundwasser zu bedienen, sei keine 100-prozentige Lösung, ist Cohrs überzeugt. Und: Lebensmittel auf dem Weltmarkt ärmeren Ländern vor der Nase wegzukaufen, sei ethisch bedenklich.

Die den Landwirten zugeteilten Wassermengen werden laut Cohrs über einen 10-Jahre-Zeitraum festgeschrieben. Diese Kapazitäten würden bei vielen jetzt zur Neige gehen. „Kulturen gehen verloren“, sagt Cohrs. Durch Dürre gebe es das Risiko hoher Ausfälle mit Blick auf die Ernte. Restriktionen seien teilweise nicht nachhaltig und klimaschädigend. Das Grundwasser erneuere sich teils nicht so schnell, wie es entnommen werde. Der Hunger in der Welt werde nicht durch die „rückwärts gewandte“ Agrarpolitik in der EU und in Deutschland bekämpft.

Heerdes verweist darauf, dass die Kartoffel als tragende Säule aufgrund ihrer Eigenschaften ohne ausreichende Beregnung ganz schlecht wegkomme, mit Abstrichen gelte das auch für Braugerste und die Zuckerrübe.

Wenig verwunderlich sehen die Landwirte daher dringenden Handlungsbedarf. „Wir können es nicht alleine, die Politik muss aufwachen“, sagt Cohrs. An möglichen Lösungen für die Problematik werde bereits gearbeitet, betont Heerdes.

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