Wie Waisen ihrem Land helfen

Diese Frauen haben mit Mikrokrediten eine Existenz aufgebaut.

bo Butiru/Hankensbüttel. Dass der Hankensbütteler Freundeskreis für Uganda die Entwicklungsarbeit in Butiru/Uganda unterstützt, ist hinlänglich bekannt. Doch was wird eigentlich aus den Menschen, die in Butiru das Waisenprogramm durchlaufen haben?

Die Betreuung von Waisenkindern ist ein wichtiger Zweig der Arbeit in Butiru, die von der ehemaligen Wierstorferin Elisabeth Mwaka geleitet wird. Aids und Alkohol haben dazu geführt, dass regelrecht von einer „Waisengeneration“ gesprochen wird. „Ohne Hilfe von außen und ohne Ausbildung haben diese bedürftigen und verwaisten Kinder wenig Hoffnung für ihre Zukunft“, sagt der Vorsitzende des Freundeskreises, Manfred Wardin aus Emmen, der jetzt bei einem Besuch in Uganda erfahren hat, auf welch erfreuliche und erfolgreiche Art das Waisenprogramm Hilfe zur Selbsthilfe leistet.

Etwa 557 Waisen werden derzeit durch Paten in Deutschland unterstützt, rund 180 werden von der Gemeinschaft in Butiru ohne Paten getragen, in der Hoffnung, bald auch für sie Paten zu finden. Der Bedarf an Plätzen in dem Programm ist darüber hinaus noch viel höher, doch fehlen die Kapazitäten.

Zu manchen Waisen, die ins Leben hinausgehen, bricht der Kontakt ab. Manchmal gibt es aber auch ein zufälliges Wiedersehen: Elisabeth Mwaka war kürzlich auf dem Flughafen, als jemand „Hey, Mama Elisabeth“ rief. Es war ein Sicherheitsbeamter, der sich als Ehemaliger zu erkennen gab.

Von anderen sind ihre Lebenswege bekannt. Gottfrey Khauka etwa hat eine Tischlerlehre absolviert und ist danach in seinen Heimat ort zurückgekehrt, wo er eine Tischlerei aufbaute und jetzt damit seinen Lebensunterhalt verdient.

Ein besonders erfreuliches Beispiel dafür, wie die Waisen als Multiplikatoren der Entwicklungshilfe fungieren können, ist Rose. Sie ist wegen Kinderlähmung gehbehindert und ging durch das Waisenprogramm in Butiru mit Ausbildung zur Lehrerin. Nach ihrem Examen kehrte sie in ihre Heimat zurück. Dort begann sie eine Vorschule in gemieteten Räumen. Sie überzeugte die Dorfbewohner, so dass diese ihr Projekt aktiv unterstützen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Schulgeld bezahlen. Heute besuchen rund 430 Kinder die Schule.

Jeska wurde als Kind von ihrem Klan verstoßen. Das Waisenprogramm war noch nicht gegründet, so nahm Elisabeth Mwaka Jeska in ihrer Familie auf. Jeska wurde Lehrerin und heiratete Rogers, der ebenfalls durch das Waisenprogramm gefördert wurde und eine Maurerlehre absolvierte. Das Ehepaar zog in sein Heimatdorf zurück. Er leitet nun viele der Schulbauten, die durch Elisabeth und die Stiftung ermöglicht werden.

Jeska hat in dem Dorf in einem gemieteten Raum eine Vorschule begonnen, die schon zirka 43 Kinder versorgt und deren Eltern Schulgeld bezahlen, vielfach in Naturalien. Wenn es hier weiter so gut läuft, werden bald neue Klassenräume nötig sein.

Paul und Christin haben kürzlich geheiratet. Beide haben das Waisenprogramm in Butiru durchlaufen. Paul lernte Schneider und ließ sich zum Berufsschullehrer ausbilden. Noch während seiner Ausbildung pachtete er ein kleines Stück Land und baute Tomaten, Zwiebeln und dergleichen an, um sie zu vermarkten. Diese Landwirtschaft hat er noch heute, inzwischen mit Hilfskräften. Eine kleine Näherei war sein nächstes Projekt, wo er mit dem Nähen der Schuluniformen gut zu tun hat. Bei ihm angestellte Näherinnen kommen ebenfalls aus der Butiru-Schule. Christin arbeitet als Lehrerin in Butiru, sie ist eine selbstbewusste, im besten Sinne moderne junge Frau, für die Paul, trotz moderner Zeiten, vier Kühe und drei Ziegen löhnen musste. Er durfte allerdings in Bargeld zahlen.

Paul hat noch ein drittes Betätigungsfeld: Er leitet eine neue Mikrofinanz-Unternehmung, in der Frauen ein Minikredit gewährt wird. Einige Sponsoren haben dafür zweckgebunden gespendet. Die Idee kommt aus Indien. Dabei tun sich fünf Frauen zusammen und bilden eine Arbeitsgemeinschaft, um in eine Unternehmung zu investieren. Sie handeln mit Kleidern oder Kohlen, Fischen, Tomaten, Kohl und anderem mehr. Sie kaufen große Mengen günstig auf dem Markt und verkaufen kleine Portionen mit etwas Gewinn bei ihren Nachbarn zu Hause. „Es ist erfrischend, ihren Stolz und die Freude in Ihren Gesichtern zu sehen“, berichtet Wardin, der solche Frauen in Butiru getroffen hat.

Dort hat er auch Joseph und Stella kennen gelernt. Sie leiten die „Hope-Familie“, die aus zirka 20 Kindern besteht, die Waisen sind, oder aus zerrütteten Verhältnissen stammen. Papa Joseph hat Sozialarbeit gelernt. Mama Stella war schon 20 Jahre alt, als sie nach Butiru kam. Sie machte dort eine Ausbildung als Köchin. Sie haben drei eigene Kinder, und zwei weitere Mitarbeiter helfen bei der Hausarbeit. Niemand ist allein, jedes Kind ist geborgen in der Wärme dieser Großfamilie. „Ich hatte nur kurze Zeit, dieses Familienleben mitzuerleben“, sagt Wardin. „Mein Eindruck ist, dass hier zwei Menschen am Werk sind, die wirklich ein Herz für ihre Kinder haben.“

Wer mehr über die Arbeit in Uganda wissen will, findet Infos unter http://manfredwardin-butiru.blogspot.com/.

Der Vorsitzende Manfred Wardin ist unter 05832 / 7014 erreichbar.

Das Spendenkonto des Freundeskreises für Uganda: Volksbank Hankensbüttel- Wahrenholz,

Konto: 10 4135 500,

BLZ: 257 915 16.

Der Freundeskreis ist beim Finanzamt Gifhorn als gemeinnützig anerkannt.

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