Schülerbeförderung in Corona-Zeiten sorgt für Diskussionen

Volle Busse als Herausforderung in Hankensbüttel und im Kreis

In der Schule sind die Lerngruppen getrennt, im Bus dürfen sie sich mischen. Die Ansichten dazu im Kreis gehen weit auseinander. Mehr Kapazitäten für den Schülerverkehr gibt es nicht, sagt Landrat Dr. Andreas Ebel.
+
In der Schule sind die Lerngruppen getrennt, im Bus dürfen sie sich mischen. Die Ansichten dazu im Kreis gehen weit auseinander. Mehr Kapazitäten für den Schülerverkehr gibt es nicht, sagt Landrat Dr. Andreas Ebel.

Hankensbüttel/Landkreis Gifhorn – Sehr volle Busse mit Schülern und Parkplatz-Probleme im Umfeld der Schule: Am Hankensbütteler Gymnasium kommen aktuell zwei Probleme zusammen, die auch andere Schulen im Landkreis bewegen.

In Hankensbüttel ist man deswegen im Kollegium sowie mit den Eltern und dem Landkreis in Gesprächen. Schulleiterin Cornelia Röhrkasten verweist darauf, dass durch die Rückkehr zu G 9 nun 123 Fünftklässler hinzugekommen seien, es gebe also höhere Schülerzahlen, und das werde auch länger so bleiben.

Es gebe keine einfachen Lösungen in dieser Sache, aber sie stelle sich schon die Frage, ob nicht vielleicht neue Busse angeschafft werden können – auch unabhängig von der Corona-Situation. Auch die Frage anderer Taktungen beschäftige sie. Dafür müsse man mit den Busunternehmen sprechen.

Grüne: Hälfte der Sitzplätze besetzen

Gedanken, die derzeit auch die Grünen-Kreistagsfraktion umtreiben. In ihrem offenen Brief an Landrat Dr. Andreas Ebel heißt es, dass ersten Infos zufolge viele Busse, die Schüler befördern, sehr voll seien, teilweise auch überfüllt. In den Schulen hätten die Verantwortlichen mit viel Aufwand Hygienekonzepte erstellt – da sei es ein Widerspruch, dass Schüler in den Bussen keinen Abstand halten können. In den meisten Fällen würden Schüler aus verschiedenen Lerngruppen befördert, oft auch aus mehreren Schulen.

Die Grünen bitten Ebel dringend um Abhilfe. Mit den Schulen und den Busunternehmen müsse geklärt werden, wo Handlungsbedarf besteht. Aus ihrer Sicht besteht eine dringende Notwendigkeit der Optimierung in all den Fällen, in denen mehr als die Hälfte der Sitzplätze besetzt ist. Mit „Verstärkungsfahrten“ müsse man Gesundheitsgefährdungen durch den Aufenthalt im Bus verhindern.

Den höheren finanziellen Aufwand sehen die Grünen vor diesem Hintergrund als gerechtfertigt an. Gerade für die VLG als Verkehrsgesellschaft des Landkreises sollten in den nächsten Monaten Mehrausgaben möglich sein – da vor den Ferien und durch den Ferienfahrplan weniger Busse eingesetzt worden seien.

Ebel betont in seiner Antwort, auch in Rücksprache mit der VLG, dass es in den ersten Tagen nach Schulbeginn auf den meisten Linien „keine übermäßig starken Besetzungen der Linienbusse im Landkreis“ gegeben habe. Nur bei einem Teil der Fahrten hätten auch Stehplätze in Anspruch genommen werden müssen. Bei fast allen Busunternehmen in der Republik gelte, dass bei stärkeren Besetzungen im Busverkehr die Abstandspflicht ausgesetzt sei. Daher gelte im Gegenzug die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen.

„Es ist davon auszugehen, dass während der Schüler-Rush-Hour mindestens die Sitzplätze der Busse belegt sind“, sagt Ebel. Die von den Grünen aufgestellte Forderung nach Belegung von höchstens der Hälfte der Sitzplätze käme mindestens einer Verdoppelung der derzeit 130 Busse in der Spitze gleich. Ein solcher Ansatz sei nicht praxisgerecht: „Für eine solche massive Ausweitung stehen weder Fahrzeuge noch Fahrer zur Verfügung.“ Im Schülerverkehr würden bereits alle verfügbaren Fahrzeuge eingesetzt. Würden Schwerpunkte mit übermäßiger Besetzung festgestellt, reagiere die VLG kurzfristig, etwa mit einer Änderung der Fahrzeuggrößen. Zwei Wochen nach dem Schulstart könne nochmals feinjustiert werden.

Mischung im Bus ist erlaubt

Wie voll die Busse aktuell genau sind, kann VLG-Geschäftsführer Heidenreich noch nicht sagen. Entsprechende Zählungen an Schwerpunkthaltestellen im Kreis laufen. Die Zahlen seien seit Schuljahresbeginn jedenfalls deutlich angestiegen. Er betont, dass zwar in den Schulen die Trennung von Lerngruppen gilt, diese sich aber in den Bussen mischen dürfen. Die Gesundheitsämter würden zwischen kurzzeitigen Kontakten, etwa im Bus, und ganztägigen, wie in der Schule, unterscheiden. VON PAUL GERLACH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare