„Wir haben es geschafft“

Vier Geflüchtete aus Samtgemeinde Hankensbüttel mit Ausbildung fertig

Mit Mohamed Doumbia (v.l.), Abdoulaye Koulibaly, Djiba Conde und Yepieri Mory Kone (nicht im Bild) freuen sich Ira Tolstichin, Hannah Freifrau von Senden, Gisela Paeger und Greta Schneck.
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Sie haben ihre Ausbildung geschafft: Mit Mohamed Doumbia (v.l.), Abdoulaye Koulibaly, Djiba Conde und Yepieri Mory Kone (kleines Foto) freuen sich Ira Tolstichin, Hannah Freifrau von Senden, Gisela Paeger und Greta Schneck.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Hankensbüttel/Emmen – Vor vier Jahren kamen sie aus Afrika nach Hankensbüttel: Vier Geflüchtete aus der Samtgemeinde Hankensbüttel haben ihre handwerkliche Ausbildung geschafft. „Der Anfang war nicht einfach“, sagt Mohamed Doumbia beim Blick zurück. Die Einschätzung teilt er mit Abdoulaye Koulibaly, Djiba Conde und Yepieri Mory Kone. Sie danken von Herzen allen Beteiligten und Helfern, die sie unterstützt haben. Die vier fühlen sich nach eigenen Angaben sehr wohl in ihrer neuen Heimat und arbeiten weiter an ihren Zielen.

Yepieri Mory Kone

Begonnen hatte es 2017 mit Aktionen von örtlichen Akteuren – angefangen vom Einrichten der Wohnungen, die Beschaffung der Dinge des täglichen Bedarfs, die Gestaltung des Außengeländes inklusive der Herstellung von Tischen und Bänken über den Eintritt in die Sportvereine und das Schachspielen bis hin zur Mitgestaltung der öffentlichen Veranstaltungen wie dem Heidmärkerfest und der Gründung der interkulturellen Trommelgruppe Emmens. „Es war eine Zeit des Aufbruchs. Wir haben uns als Gemeinschaft gefühlt und viel diskutiert“, erinnert sich Ira Tolstichin aus Steinhorst. Zum Team gehören neben ihr unter anderem auch Ulrich Willier, Gisela Paeger, Hannah Freifrau von Senden und Heidi Wieckberg In Malfa. Durch die Teilnahme an den Treffen des Regenbogencafés im Ludwig-Harm-Haus wurden die Kontakte zur heimischen Bevölkerung erweitert. Die Geflüchteten bekamen dort in erster Linie Unterstützung in vielen Lebenslagen und fachliche Beratung durch Imke Banse vom Diakonischen Werk Wittingen.

In KVHS-Sprachkursen wurden die ersten wichtigen Sprachkenntnisse erworben (von Senden: „Es ging um lernen, lernen, lernen.“). Mit ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleitern wurde versucht, die Hürden der deutschen Bürokratie und des komplexen Bank- und Versicherungswesens zu überwinden und nicht in die Fallen der Vertragsbedingungen zu tappen.

Gleichzeitig war der Wille der meisten Geflüchteten, den eigenen Unterhalt selbst zu bestreiten. Einige hiesige Betriebe ermöglichten Praktika und es wurden sogar Ausbildungsbetriebe gefunden.

Die vier sind ins kalte Wasser gesprungen und mussten wiedermal ans Ufer kommen, sie bedanken sich bei ihren Lehrern und Chefs für deren Geduld. „Ohne entsprechende Sprachkenntnisse in einem fremden Land – das ist eine enorme Herausforderung“, sagt Tolstichin. Sie hätten die Hürden bewältigt, aber „nicht ohne tatkräftige Unterstützung von vielen“. Seien es die Berufsschullehrer, die Ausbilder, die vielen Ehrenamtliche oder auch Unterstützer wie Dietrich Brockmann aus Schweimke. Tolstichin: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alle vier haben nach ihrer Ausbildung schon einen festen Arbeitsplatz und einen Anker im sicheren Hafen gefunden.“ Fast alle von ihnen spielen Fußball, Koulibaly und Conde etwa beim SV Sprakensehl.

„Wir haben es geschafft und haben noch viel vor in Deutschland“, sagt Koulibaly. Sie hätten viel gelernt. Von einem „neuen Leben nach der Ausbildung“ spricht Conde. Er arbeitet nach seiner Zeit bei der Fleischerei Friedrichs (siehe Infokasten) nun im Hankensbütteler E-Center als Verkäufer. „Wir haben gegeben und haben viel bekommen“, sagt Helferin Tolstichin. Insbesondere durchs Lächeln, die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Geflüchteten. Letztlich liege es an den Flüchtlingen selbst, die gegebenen Chancen zu nutzen, sagt Paeger. „Das hat nicht jeder gemacht.“

Vier Handwerker mehr in der Region

Ihre nun erfolgreich abgeschlossene Ausbildung begannen Djiba Conde und Abdoulaye Koulibaly im Jahr 2018 bei den Fleischereibetrieben Friedrichs in Wittingen beziehungsweise bei Haber in Sprakensehl. Yepieri Mory Kone absolvierte seine Ausbildung in Hankensbüttel bei Malermeister Peter Schulze. Mohamed Doumbia musste die erste Zeit bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zu seiner Tischlerlehre bei Sebastian Hahn in Schweimke radeln. Auch Koulibaly war für den Weg nach Sprakensehl auf den Drahtesel angewiesen, manchmal nahm ihn auch ein Freund mit, der einen Mofa-Führerschein besitzt.

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