Betreiber haben Stellungnahme bei ZGB abgegeben / Verband weist Kritik von Windparkgegnern zurück

Viel Wind um Harsahl-Projekt

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Beim Projekt Windpark Harsahl bei Wettendorf ist derzeit viel Bewegung drin. Foto: Boden

Masel/Wettendorf/Weddersehl. Bis zum 22. Januar nimmt der ZGB noch Stellungnahmen zur Weiterentwicklung der Windenergienutzung beim Regionalen Raumordnungsprogramm 2008 entgegen.

Die 53 Grundstückseigentümer beim Windpark-Projekt Harsahl haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Laut Dirk Niebuhr, einer der Sprecher der Gemeinschaft, geht es vor allem um das Fledermausvorkommen im Bereich von Masel (das IK berichtete): Es sei ein neues Gutachten samt Kartierung in Arbeit. An der 120-Grad-Regelung bei den Sichtachsen, um Orte nicht zu umzingeln, lässt sich laut Niebuhr wohl nicht mehr rütteln.

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Niebuhr erhofft sich von dem Vorhaben einen kleinen Aufschwung für die Gemeinde Hankensbüttel: „Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Arbeitsplätze können erhalten, vielleicht sogar geschaffen werden.“ Die Gemeinde solle nicht nur irgendwann durch Gewerbesteuern profitieren, sondern auch freiwillige Zahlungen der Eigentümer seien das Ziel. Die Suche nach Investoren und erste Verhandlungen liefen noch. „Das Interesse ist da.“ Die verbleibende Fläche nach aktueller ZGB-Planung sei „schon knapp und grenzwertig“. Generell sei der Betrieb aber noch wirtschaftlich, falls die Fläche nicht noch kleiner werden sollte. Insofern könnten die Eigentümern zusätzliche Flächen bei Masel gut gebrauchen.

Doch an dem Windpark-Vorhaben gibt es auch Kritik: Von einer „mangelhaften avifaunischen Bewertung“ beim Windpark Harsahl spricht die Gruppe Hankensbüttel-Gegenwind“. „Wir haben beim Windpark Wettendorf die Rote-Liste-Arten untersucht, die mit Windkraft nicht zurechtkommen“, entgegnet Siegfried Thom, Regionalplaner beim ZGB, auf die Kritik. Beim Erstellen des Gutachtens sei auf Daten der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn und andere bestehende Daten zurückgegriffen worden. „Außerdem gab es Untersuchungen an den Stellen, an denen wir nicht genügend Daten hatten“, erläutert der Regionalplaner. Eine flächendeckende Untersuchung wäre zu teuer gewesen.

„Es ist zu beachten, dass der Niedersächsische Landkreistag (NLT) große Untersuchungsräume bis zu 6 Kilometer um Horste von Rote-Liste-Vogelarten vorsieht“, heißt es in dem Schreiben der Gruppe. Eine entsprechende Empfehlung des NLT ist Thom nicht bekannt: „So eine Pauschalisierung kenne ich nicht.“ Es komme vielmehr auf die betreffende Tierart und deren Aktionsradius an.

Die Längsachse des Windparks von rund 4000 Metern könnte sich laut Bedenken der Gruppe als als Barriere der Zugvögelrouten, etwa zu den Rastplätzen im Lutter/Lachte/Aschau-Raum erweisen. „Dieses FFH-Gebiet hatten wir bei der Planung im Visier“, sagt Thom. Er betont, dass die Maximalausdehnung des Windparks auf vier Kilometer begrenzt worden sei. Das sei aus Gründen der Durchlässigkeit der Landschaft geschehen, wenn mehrere Parks nebeneinander liegen würden, und auch mit Blick auf die Vogelwelt. Das Vorkommen von Fledermäusen sei bei der aktuellen Untersuchung nicht überprüft worden, nur das von Vögeln. „Hinweise, wenn etwa Wochenstuben von Fledermäusen vorhanden sind, fließen noch mit in die Abwägung ein.“ Das sei Teil des Verfahrens. In der Regel seien Fledermausvorkommen jedoch kein Ausschlussgrund: Durch technische Maßnahmen könnten die Anlagen abgeschaltet werden, wenn die Fledermäuse fliegen oder die Zeit der Paarung sei. „Das ist aber erst Gegenstand des Genehmigungsverfahrens“, sagt Thom.

Die Gruppe weist daraufhin, dass dem ZGB die Überarbeitung der Schall-Norm DIN 45680 bekannt sein müsse. „Es soll einen Entwurf aus dem Oktober 2013 geben“, sagt Thom. Dieser sei aber noch nicht gültig. Der tieffrequente Schall unterhalb von 100 Herz könnte laut Thom „bei bestimmten Anlagen problematisch“ werden. Er gehe aber davon aus, dass der ZGB durch die Abstandsregelungen von 1000 Meter zu Siedlungsflächen und 500 Meter zu Einzelbebauung auf der sicheren Seite sei. Ohnehin sei der Schall erst im Genehmigungsverfahren Thema.

Niebuhr sagt zur Kritik durch die Gruppe: „Bei den Gutachten untersuchen neutrale Leute die Flächen. Wenn nichts gefunden wird, sollte auch gebaut werden können.“ Er bedauere, dass Windkraftgegner nicht das persönliche Gespräch mit den Eigentümern suchten.

Von Paul Gerlach

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