Unterschiedliche Darbietungen kamen bei der Langen Nacht der Kirchen im Isenhagener Land gut an

Besinnliches und zündende Wortgranaten

Sven Kamin brachte mit Poetry Slam die Stimmung in Groß Oesingen zum Kochen.

kas/ard/jv Isenhagener Land. . Einen bunten Mix aus Liedern quer durchs Kirchenjahr präsentierte am Sonnabend bei der Langen Nacht der Kirchen der Posaunenchor Hankensbüttel in der St. Pankratiuskirche.

Es gab bekannte Kirchenlieder wie „Geh aus mein Herz“ oder „Lobe den Herren“ – „Der Choral, der unbedingt von einem Posaunenchor gespielt werden muss“, wie Chorleiter Thorsten Schöneweiß sagte.

Einen bunten Mix aus Liedern quer durchs Kirchenjahr präsentierte am Sonnabend der Posaunenchor Hankensbüttel in der St. Pankratiuskirche.

Jeder der Sätze hatte ein bestimmtes Motto, wie etwa das Kirchenjahr oder tages- und Jahreszeiten – was auch dazu führte, dass das Weihnachtslied „Stille Nacht“ in der Kirche widerhallte – eher ungewöhnlich im September. Es war auch ein großer Abend für die zwölf neuen Jungbläser – es war ihr erster Auftritt. Und auch wenn die Aufregung vor dem Auftritt natürlich groß war, so freute sich Schöneweiß trotzdem, dass so viele Neue dabei sein konnten und den Chor mit ihren verschiedenen Instrumenten bereicherten. Zwischen den einzelnen Sätzen gab Pastor Jan Wutkewicz mit einer Bilderpräsentation Hintergrundinfos zum Evangelischen Gesangbuch und erläuterte den Besuchern dessen Historie oder den Aufbau.

Stimmung wir auf einem Rockkonzert herrschte in der Steinhorster St. Georgskirche. Dort legte die Coverband „Sandy“ im Rahmen der langen Nacht der Kirchen mit ihrer „Daddy Is Back On Stage“-Tour einen Zwischenstopp ein. Das Markenzeichen der fünfköpfigen Band um den Steinhorster Percy Pfeiff ist, bekannte Lieder zu „versandyen“. Das Bedeutet: Akustik-Gitarren und ein dreistimmiger Gesang, den es in den Original-Stücken so nicht gibt.

Und so begeisterten „Sandy“ die Zuhörer mit alten und neuen Erfolgsliedern aus Rock und Pop. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, bei den Stücken mitzusingen und ordentlich Applaus zu spenden. Ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung bei einer täuschend echten Imitation eines Hits von Udo Lindenberg. Und auch, dass die Musik der Toten Hosen in eine Kirche passen kann, wurde unter Beweis gestellt. Aber auch zwei Stücke aus dem Gesangbuch waren eigens für den Abend „versandyt“ worden. Eines davon das zur späten Stunde passende „Der Tag mein Gott ist nun vergangen“.

Stimmung wir auf einem Rockkonzert: In der Steinhorster St. Georgskirche sorgte die Band „Sandy“ für besondere Stimmung. Fotos: Schimpf, Voss, Ohse

„Aufwachen, es brennt – ein brachialliterarischer Kaminabend im Dichterschein“ – so lautet der ein wenig kokette Titel des ersten Soloprogramms von Poetry-Slam-Meister Sven Kamin, und damit trat der Ausnahme-Künstler in der Groß Oesinger Friedenskirche auf. Nach einer kurzen Einführung folgte ein Potpourri aus Erfolgstexten seines Repertoires, mit denen er bereits einige Poetry Slams gewann und die ihm in der Staatsoper Hannover vor 1200 Zuschauern den Landesmeistertitel eingebrachten. Die Wortgranate zündete Sven Kamin mit einem mitreißenden Rap über einen Scheibenwischer, dann wechselten einfühlsame Lyrik, kritisch Politisches über Waffengewalt gegen Demonstrierende, plattdeutsche Sprach-Tsunamis und Gesang einander ab – eine rasante Achterbahnfahrt durch Witziges und Besinnliches.

Das Finale war ein mit atemberaubender Geschwindigkeit präsentierter Einsatz aller Sprechwerkzeuge über die Entstehung der Texte – das Publikum tobte vor Begeisterung.

Mit der Geschichte der nubischen Kirche südlich von Assuan leitete die Landeskirchliche Gemeinschaft in Hankensbüttel die lange Nacht der Kirchen ein. Pastor Thomas Dallendörfer, der acht Jahre in Assuan lebte, berichtete, wie das Christentum nach und nach aus diesem Teil Schwarzafrikas verschwand und vom Islam ersetzt wurde. Dabei bestand dort von 652 bis etwa 1250 der längste Vertrag der Menschheitsgeschichte, in dem die ägyptischen Moslems und die nubischen christlichen Königreiche ihre Beziehungen zur beiderseitigen Zufriedenheit geregelt hatten. Heute sind die Nubier Moslems, die Nubische Kirche existiert nicht mehr.

Mit der Geschichte der nubischen Kirche südlich von Assuan leitete die Landeskirchliche Gemeinschaft in Hankensbüttel die Lange Nacht der Kirchen ein.

„An dem Vertrag sehen wir, dass es in der christlich-islamischen Geschichte auch Vernunft geben kann“, betonte Dallendörfer. Er sei ein positives Beispiel, dass ein Zusammenleben gelingen könne. Nach einer Kaffeepause mit äthiopischem und arabischem Kaffee sowie Tee, zubereitet nach ägyptischer Art, wurden die Gäste mit Musik von Bläserchor und Band der Landeskirchlichen Gemeinschaft unterhalten, waren aber auch eingeladen, sich zu beteiligen. Bei einem „exotischen“ Lied auf Arabisch, das Dallendörfer und seine Frau vortrugen, wurde den Gästen durch eine Projektion des Textes in lateinischen Buchstaben an die Wand die Gelegenheit gegeben mitzusingen. Dass Gott dabei mit „Allah“ bezeichnet wurde, dürfe nicht verwundern, so Dallendörfer. „Allah ist das arabische Wort für Gott. Die Christen haben es schon gebraucht, als es noch keine Moslems gab.“

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