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Unmut wegen Schwimmmeister-Kündigung im Waldbad Hankensbüttel

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Von: Paul Gerlach

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Patrick Westädt im April 2021 als Schwimmmeister im Hankensbütteler Waldbad.
Patrick Westädt ist als Schwimmmeister im Hankensbütteler Waldbad gekündigt worden. Strittiger Punkt mit der Samtgemeinde sollen seine Schwimmkurs-Angebote gewesen sein. So hatte Westädt unter anderem ukrainische Kinder kostenlos unterrichtet. © Gerlach, Paul

Samtgemeinde Hankensbüttel – Patrick Westädt ist nicht länger Schwimmmeister im Hankensbütteler Waldbad. Er hat nach seinen Angaben in der vergangenen Woche (11. bis 17. Juli) die fristlose Kündigung durch die Samtgemeinde erhalten. Bei der Begründung soll es nach IK-Informationen um die Schwimmkurse gegangen, die er im Waldbad anbot. Samtgemeindebürgermeister Henning Evers verwies gestern auf Anfrage auf seine Amtsverschwiegenheit: Es handele sich um eine vertrauliche Personalangelegenheit und ein internes Verfahren. Daher werde er sich zum Schutz des ehemaligen Mitarbeiters Westädt öffentlich nicht dazu äußern.

„Die Kinder müssen schwimmen lernen und wenn wir eine familienfreundliche Samtgemeinde sein wollen, müssen wir das gewährleisten können“, sagt Westädt. Das sei immer sein Anspruch gewesen, er habe das stets als soziale Arbeit gesehen. Aus Westädts Sicht lassen sich Schwimmkurse ins Dienstgeschehen integrieren, sie seien an nicht so vollen Tagen durchaus darstellbar – bei einer Besetzung mit zwei Schwimmmeistern im Bad. Im Jahr 2019 habe er die Saison alleine durchgezogen und selbst da noch Schwimmkurse geben müssen. Der 39-Jährige, zuvor im Wittinger Ernst-Siemer-Bad als Schwimmmeister tätig, hat sich in Hankensbüttel ein Haus gekauft und lebt seit 2017 mit seiner Frau und den drei Kindern im Ort.

Um die Kurse ins Dienstgeschehen aufzunehmen, hätte man laut Westädt per Ratsbeschluss die Gebührenordnung anpassen müssen, das sei unterblieben. Frank Skiba aus Knesebeck und eine Handvoll weiterer Waldbad-Besucher schätzen die Arbeit Westädts nach eigenen Angaben und wollen, dass er Waldbad-Schwimmmeister bleibt. Westädt hat zuletzt in seinen Pausen einen kostenlosen Schwimmkurs für ukrainische Kinder angeboten (Skiba: „Das war eine Ablenkung für die Schüler von ihrer Tristesse“). Die Gruppe möchte sich für Westädt stark machen. „Er hat sich viel eingesetzt fürs Waldbad und dieses über die Region hinaus bekannt gemacht“, sagt Skiba. Ein Fachanwalt sei seines Wissens nach beauftragt worden. Über die Kündigung für Westädt seien seine Mitstreiter und er „total geschockt“ gewesen. Skiba äußert starke Kritik an der Entscheidung von Samtgemeindebürgermeister Evers.

Der Badebetrieb läuft trotz der Kündigung regulär weiter, ist zu hören. Die Samtgemeinde hatte personell aufgestockt und einen weiteren Schwimmmeister eingestellt, sodass die Aufsicht im Bad gewährleistet ist. Es seien keine Einschränkungen bei den Öffnungszeiten vorgesehen, heißt es aus dem Rathaus. Angesichts der nun abrupt abgebrochenen Schwimmkurse von Westädt sei den betroffenen Eltern ein alternatives Angebot gemacht worden.

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