1. az-online.de
  2. Isenhagener Land
  3. Hankensbüttel

Ungewöhnlicher Besuch am Gartenteich

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Überraschung am Gartenteich: Der ungewöhnliche Besucher kann bis zu 65 Zentimeter lang werden und wiegt bis zu zehn Kilogramm. Foto: Frankewitsch

max Langwedel. Da staunten Jürgen und Manuela Kiemann am Gamsener Weg 1 in Langwedel nicht schlecht, als sie morgens ein großes „rattenähnliches“ Tier in ihrem Gartenteich schwimmen sahen. „Mich ergriff echt panische Angst, als ich dieses Viech plötzlich im Teich erblickte.

Ich wollte gerade meine für den Tag geplante Gartenarbeit beginnen“, sagt Manuela Kiemann.

Die junge Hobbygärtnerin verständigte sofort ihren Nachbarn Adolf Meyer und bat ihn, gemeinsam das vermeintliche Ungetüm zu verscheuchen. Der hilfsbereite Nachbar bewaffnete sich sofort mit seiner Digitalkamera und machte sie vor Ort am Teich scharf. „Ich wollte erst einmal dokumentieren, was wir zur Strecke bringen sollten“, erklärte Meyer schmunzelnd. Nach einigen Volltreffern verglichen die beiden die Fotos mit den Illustrationen in diverser Fachlektüre.

Meyer vermutete zuerst, dass sich ein Fischotter im Teich breit gemacht hätte. Doch das traf beim Vergleich seiner Bilder und den Fotos in den Fachbüchern nicht zu. Es stellte sich nach einigen Betrachtungen von Bildern heraus, dass es sich wahrscheinlich um die Nutria (Myocastor coypus) oder zu Deutsch um eine Biber- oder Wasserratte handelt. Die beiden informierten anschließend fachkundige Mitarbeiter des Otterzentrums Hankensbüttel, die zusagten, das Tier aus dem Teich zu entfernen. Kiemann und Meyer konnten sich auch gar nicht erklären, wie das Tier in den Teich gelangen konnte, da das Becken rundherum eingezäunt ist.

„Das Tier ist bestimmt vom Bach Schwarzwasser zu uns gekommen“ vermutet Kiemann und ist heilfroh, wenn es schnell verschwindet. „Am besten bringen die Tierpfleger vom Fischotterzentrum die Wasserratte zur Ise, bloß weit weg von hier.“

Die ursprünglich aus Südamerika stammende und in Mitteleuropa eingebürgerte Nagetierart ernährt sich rein vegetarisch. Sie wird entweder in einer eigenen Familie oder als Unterfamilie innerhalb der Stachelratten eingeordnet. Die Biberratte werde gelegentlich mit der aus Nordamerika stammenden Bisamratte verwechselt, die sich gleichfalls in Europa etabliert hat, allerdings kleiner ist und einen seitlich abgeplatteten Schwanz hat. Die Biberratte erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimetern und wiegt erwachsen zwischen acht und zehn Kilogramm.

Ihr runder, schuppenbedeckter, kaum behaarter Schwanz hat zudem eine Länge von etwa 30 bis 45 Zentimetern. Die Tiere erreichen damit fast dieselbe Körpergröße wie ein Biber. Männliche Biberratten werden generell etwas größer als die Weibchen. An den Hinterfüßen haben Biberratten jeweils zwischen den ersten vier Zehen Schwimmhäute. Auffällig sind bei erwachsenen Tieren auch die orangefarbenen Nagezähne, die von Meyer und Kiemann erkannt wurden, und somit das Tier eindeutig als Nutria identifizierten. In der Regel sind in Deutschland die verursachten Schäden in Bezug auf den Wasserbau durch Grabungen in Uferbereichen gering.

Auch interessant

Kommentare