Isenhagen: Zweiter Teil der Chronik veröffentlicht / Finanzen und Wirtschaft als Kernthemen / „Lebendige Sprache“

Tiefe Einblicke in Geschichte des Klosters

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Dr. Stephan Lüttich (von links), Äbtissin Susanne Jäger, Eberhard Hempel, Irene Siemann und Wolfgang Brandis präsentierten den neuen Chronikband des Klosters Isenhagen.

Hankensbüttel/Gifhorn. „Es war anstrengend, stressig, aber eine schöne Zeit."

Damit meinte Wolfgang Brandis, Archivar der Lüneburger Klöster, nicht die Jahre der Geschichte des Klosters Isenhagen zwischen 1721 und 1932, deren Geschehnisse jetzt in einem zweiten Band erschienen sind, sondern die Zeit der Erstellung der Kloster-Chronik.

Schon 2005 erschien der erste Band für die Jahre von 1587 bis 1720, der zweite Band ist ab sofort im Buchhandel, im Kloster selber und im Kreisarchiv zum Preis von 9,80 Euro erhältlich.

Der zweite Band der Chronik des Klosters Isenhagen reicht bis 1932.

„Die Sprache der zweiten Chronik wird immer lesbarer und chronikhafter. Auch zu Beginn des zweiten Teils der Chronik muss man sich jedoch an die damalige Sprache gewöhnen“, führte Brandis aus. Die Original-Chronik wurde zwar transkribiert, aber nicht in die heutige Sprache übersetzt, so Brandis, der mit seinen Mitarbeitern auf Abschriften aus den 1950er Jahren zurückgreifen konnte, sich aber auch die Original-Chronik vorgenommen hat. Denn einiges war damals nicht vollständig erfasst worden. „Die damaligen Abschriften haben allerdings den heutigen Kriterien einer Chronik nicht genügt, so dass wir den zweiten Band neu anfertigen mussten“, sagte Brandis. Für ein besseres Verständnis der Chronik sei die Lektüre des kleinen Klosterführers hilfreich, gab er als Tipp.

Interna des Klosterlebens und die große Politik findet man weniger in dem zweiten Chronik-Band, dafür viel über Finanzen und die Wirtschaftsgeschichte, und, was Kreisarchivar Eberhard Hempel besonders freut, viele Informationen auch aus den Dörfern der näheren Umgebung des Klosters. „Da kann man viel über die Ortsgeschichten herausholen, so etwa über den Schulzeschen Hof in Wittingen“, sagte Hempel.

Irene Siemann, Chefin des Bildungszentrums, verwies zudem auf die „lebendige, weibliche und persönliche Sprache“ der ehemaligen Äbtissinnen. „Besonders sind die Chroniken des Klosters Isenhagen deshalb, weil es in keinem anderen Lüneburgischen Kloster diese Form des laufenden Schreibens wie hier gegeben hat“, hob Dr. Stephan Lüttich, Vertreter der Klosterkammer, hervor. Daher gehört die Erstellung der Chroniken auch zu den Projekten, die von der Klosterkammer gefördert werden.

Selbstverständlich wird die Äbtissinenchronik auch jetzt noch weiter fortgeführt, bestätigte die derzeitige Äbtissin Susanne Jäger. Wichtige Termine, Baumaßnahmen, Interna, besondere Ereignisse gibt sie zunächst in den Computer ein, überträgt den Text dann aber handschriftlich in die Chronik, sagte sie. Aus Gründen der Diskretion wird man allerdings noch lange warten müssen, bis die Ereignisse der Neuzeit veröffentlicht werden.

Die weiteren Jahre nach 1932 wird es aber schon in den nächsten Jahren geben. „Wir haben bewusst einen Schnitt für den zweiten Band der Chronik im Jahr 1932 gemacht, weil sich 1933 politisch in Deutschland viel verändert hat“, sagte Lüttich. Bis 2018, wenn die Klosterkammer ihr 200. Geburtstag feiert, soll die Geschichte von 1933 bis 1945 bezüglich der Klöster besonders angeschaut und erforscht werden.

Dann wird es möglicherweise den dritten Chronikband des Isenhagener Klosters für die Zeit von 1933 bis Anfang der 1950er Jahre geben.

Von Burkhard Ohse

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