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„Werde Tonne auf die Füße treten“

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Von: Pascal Patrick Pfaff

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Sechs Landtagskandidaten aus dem Landkresi Gifhorn sprachen im Hankensbütteler Gymnasium über Bildungspolitik (v.l.): Lena-Sophie Laue (CDU), Nicole Rohweder (Linke), Robert Preuß (AfD), Helge Gülzau (FDP), Christian Schroeder (Grüne) und Kirsikka Lansmann (SPD).
Sprachen im Hankensbütteler Gymnasium über Bildungspolitik (v.l.): Die Landtagskandidaten Lena-Sophie Laue (CDU), Nicoline Rohweder (Linke), Robert Preuß (AfD), Helge Gülzau (FDP), Christian Schroeder (Grüne) und Kirsikka Lansmann (SPD). © Pfaff, Pascal Patrick

Hankensbüttel – Dass es im Bildungssystem hakt und Veränderungen notwendig sind, darüber waren sich gestern auf einer Podiumsdiskussion am Hankensbütteler Gymnasium alle Teilnehmenden einig. Sechs Landtagskandidaten für den Kreis Gifhorn sprachen dabei über ihre Sicht auf die Themen Chancengleichheit, ÖPNV-Tickets für Schüler oder die Bezahlung von pädagogischem Personal. Am Ende ging es noch um das Abtreibungsgesetz.

„Chancengleichheit fängt für mich spätestens in der Krippe an“, erklärte Kirsikka Lansmann (SPD) ihre Sicht der Dinge. Ihr sei wichtig, dass im Bildungssystem alle Menschen abgebildet werden. Deutlich machte sie dies am Beispiel der Mädchen-Förderung: „Lasst euch nicht einreden, Mathe nicht zu können.“

In diesem Kontext wünschte sich Helge Gülzau (FDP), dass Schulen mehr auf die individuellen Fähigkeiten und Talente der Heranwachsenden eingehen. „Dabei ist es egal, ob sie aus einer Akademiker- oder Handwerksfamilie stammen“, ergänzte Christian Schroeder von den Grünen. Ihm sei es im Sinne von Lansmann und Gülzau wichtig, dass es Förderschulen gibt, in denen Inklusionsklassen unterrichtet werden.

Frühförderung, um Chancen anzugleichen

Was die Förderung von Kindern anbelangt, so sah Nicoline Rohweder (Linke) im Zeitpunkt den Schlüssel zur Chancengleichheit: Möglichst früh solle ein Kind lernen dürfen. Dafür seien zunächst strukturelle Probleme zu lösen: „In der Kita sind die Gruppen zu groß, Erzieherinnen haben so zu wenig Zeit für den Einzelnen. Bildungspolitische Pläne sind dann nicht so gut umzusetzen.“ Was die Schule betrifft, plädierte sie dafür, Lehrer und auch Schul-Sozialarbeiter besser zu bezahlen.

Aus diesem Zusammenhang heraus befand Lena-Sophie Laue (CDU), dass „Eltern die Möglichkeit haben müssen, ihre Kinder in der Kita oder bei einer Tagesmutter aus dem Umkreis unterzubringen“. Ihr komme es auf eine flächendeckende Unterrichtsversorgung an: „Dafür müssen wir es für Lehrkräfte attraktiv machen, an Schulen im ländlichen Raum zu unterrichten.“ Sie sei dafür, schrittweise alle Lehrer nach Besoldungsgruppe A 13 zu bezahlen.

Robert Preuß von der AfD warf seinen politischen Kontrahenten indes vor, Schule zu einer „ideologischen Experimentierfläche zu machen“. Er sei der Meinung, dass sich das ausdifferenzierte Schulsystem bewährt hat und dies von der „links-grünen Politik angegriffen wird“. Er wolle ein Schulsystem mit „möglichst homogenen Lehr- und Lerngruppen“. Auch sei er für Elitenförderung.

Für digitale Lehrkonzepte

Dann ging es auch um kostenlose ÖPNV-Angebote für alle Schüler und den Schülertransport an sich. Stellvertretend für seine Kollegen von SPD, Grünen, CDU und Linken meinte FDP-Mann Gülzau, dass dieses Thema in der nächsten Legislaturperiode angegangen werden müsse. „Es ist einfach kein Zustand, etwa von Brome 45 Minuten zum Gymnasium nach Hankensbüttel juckeln zu müssen.“

Gülzau sah auch Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Diese mache sich nicht nur an der Ausstattung mit Tablets fest, sondern auch durch die Entwicklung von digitalen Lehrkonzepten. „So kann den individuellen Fähigkeiten besser entgegengekommen werden.“ Lansmann pflichtete ihm bei und versprach: „Ich werde da unserem Kultusminister Tonne auf die Füße treten.“

Zur Kontroverse kam es am Ende der Diskussion, als eine Schülerin fragte, wie die AfD zur Abtreibung nach einer Vergewaltigung steht. Preuß, dem die momentane Gesetzeslage ausreicht, antwortete, indem er den anderen Parteien vorwarf, „daran zu arbeiten, eine Tötung zur Dienstleistung zu machen“. Gülzow empfand dies als „absoluten Unsinn“. Es handele sich nicht um Werbung, sondern eine seriöse Informationsweitergabe. Und Rohweder ergänzte: „Hier steht das Selbstbestimmungsrecht an erster Stelle. Ich denke, das sehen auch alle demokratischen Parteien so.“

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