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Ein Symbol für Männlichkeit

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Geschäftsführer Albert Meyer ist sauer auf die dreisten Diebe und kann nur spekulieren, was sie zur Tat trieb. © Foto: Kayser

Oerrel. Ein Spitzmaulnashorn-Präparat ist am vergangenen Sonnabend im Jagdmuseum Wulff in Oerrel seiner zwei Hörner beraubt worden (das IK berichtete). Zwei unbekannte Männer flüchteten mit den etwa 40 bis 60 Zentimeter langen Jagdtrophäen unter dem Arm, nachdem das Diebesgut mit stumpfer Gewalt aus dem etwa 30 Jahre alten Exponat heraus gebrochen worden war.

Albert Meyer, Geschäftsführer des Jagdmuseums, kann nur spekulieren, weshalb die dreisten Diebe die Hörner des in den Steppen und Buschsavannen Ost- und Südafrikas beheimateten Vertreters der Spitzmaulnashörner stahlen. „Bekannt ist, dass die Nashörner trotz strenger Schutzmaßnahmen stark bejagt werden“, erklärt Meyer.

„In Ostasien, im Jemen und in einer Reihe anderer Regionen und Länder werden die Hörner wegen ihrer „angeblichen Heilkraft und potenzfördernden Wirkung lukrativ gehandelt – gar mit Gold aufgewogen“, wird im Jagdmuseum auf einer Informationstafel erläutert.

Zudem sollen in einzelnen „arabischen Scheichtümern aus dem Horn der gefährdeten Art Dolchgriffe angefertigt worden sein“ oder auch noch produziert werden. Im Jemen stünde das Horn des Spitzmaulnashorns als Symbol für Männlichkeit hoch im Kurs, so dass auch für illegal importierte Nashorndolche Höchstpreise gezahlt werden.

Nach Informationen von Albert Meyer sollen vor geraumer Zeit für das Spitzmaulnashorn-Präparat im Jagdmuseum Oerrel von Personen, die mit einem ausländischen Akzent gesprochen haben, bereits 25 000 Euro geboten worden sein.

Laut Internationaler Roter Liste (IUCN) ist der Bestand des freilebenden Landsäugetiers der Art Spitzmaulnashorn stark bedroht. Um 1970 soll es zuverlässigen Quellen zufolge allein in Kenia noch rund 20 000 Tiere gegeben haben; bis 1985 sei der Bestand auf wenige hundert Nashörner zusammengeschmolzen, heißt es.

Außer dem Menschen haben die spezialisierten Pflanzenfresser, die maximal bis zu zwei Tonnen wiegen können und deren Nasenhörner dem Horn der Pferdehufe ähneln sollen, keine echten Feinde in der Wildnis. Wilderer rotteten die Spitzmaulnashörner beinahe aus, sie schossen oft die Mütter der Jungtiere ab. Derzeit wird der Bestand auf 2000 bis 5000 Tiere geschätzt, die noch in freier Wildbahn und meist in Schutzgebieten leben.

Von Jürgen Kayser

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