Hankensbüttel: Kritik wegen Strahlenbelastung / BfS geht nicht von Risiken aus

„5 G ist für uns der Super-GAU“

Corinna und Andreas Walter aus Hankensbüttel sowie Nicole Wolf (l.) aus Lüsche, Sprecherin der Bürgerinitiative 5G-frei Gifhorn.
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Corinna und Andreas Walter aus Hankensbüttel sowie Nicole Wolf (l.) aus Lüsche, Sprecherin der Bürgerinitiative 5G-frei Gifhorn.

Hankensbüttel/Landkreis Gifhorn – Jeder fünfte Verbraucher in Deutschland will in absehbarer Zeit die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) nutzen, zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage.

Ein Hankensbütteler Ehepaar und die Sprecherin der Bürgerinitiative 5G-frei Gifhorn, Nicole Wolf aus Lüsche, warnen hingegen vor gesundheitlichen Gefahren. Sie verweisen im IK-Gespräch auf die Studienlage zur Mobilfunk-Strahlung.

Mit Hochdruck wird an der Technik gearbeitet: Netzbetreiber sowie Hardware-Hersteller wollen den neuen Mobilfunkstandard 5G möglichst schnell in Deutschland verbreiten und dem Massenmarkt zugänglich machen. Kritiker fürchten gesundheitliche Risiken für Menschen und Tiere.

Seit dem Hausbau in 1998/99 setzt sich Corinna Walter aus Hankensbüttel mit Elektrosmog, Baubiologie und elektromagnetischen Feldern auseinander. „Ich habe niederfrequente Felder gespürt“, sagt sie und bezeichnet sich als elektrosensibel. Das äußere sich auch in Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Von daher sei bei ihr im Haushalt auch kein schnurloses DECT-Telefon mehr zu finden. Denn davon dröhnte ihr der Kopf. „Ich steckte wie in einer Blase.“ Nun gibt es ein schnurgebundenes Telefon im Haus, es wird auf Verkabelung gesetzt, es gibt kein W-LAN und der Router befindet sich in einem Abstellraum. Nachts wird alles abgeschaltet. „Es ist wichtig, in der Nacht keine Hochfrequenz zu haben“, sagt ihr Ehemann Andreas. Sie setzen daher auf ein funkfreies Haus und haben auch mit den Nachbarn Vereinbarungen zum Abschalten der Funkverbindungen getroffen.

Zum neuen Mobilfunkstandard sagt Andreas Walter: „5 G ist der Super-GAU“. Man könne sich dem aber nicht entziehen, da die Sendeanlagen so dicht aneinander stehen. Er sieht die Verknüpfung von 5 G mit der Glasfaser-Technologie kritisch, dabei sei bei Letzterer auch ein Betrieb mit W-LAN oder kabelgebunden möglich. Andreas Walter berichtet, dass vereinzelt Ratsleute an ihn herangetreten sind, um Fragen zu stellen. Sie hätten sich für die erhaltenen Informationen bei ihm bedankt.

Nicole Wolf aus Lüsche, Sprecherin der Bürgerinitiative 5G-frei Gifhorn, sagt: „Die Menschen sind uninformiert. Die Politik gehört dazu.“ Es gebe eine Kehrseite der neuen Technologie. Diese fürchtet auch Corinna Walter. „Die Leute überlegen sich nicht, dass durch 5 G Hochfrequenz dazukommt.“

Umfassende Studienlage

Die Walters und Wolf verweisen auf die Studienlage, etwa zu Tumorbildung durch Handy-Telefoniererei. Die Gesundheitsrisiken seien durch tausende Studien belegt worden, sagt Wolf. Eine sehr gute Quelle als kategorisierte Datenbank sei emfdata.org. Professor James C. Lin von der University of Illinois habe die Ergebnisse der NTP-Studie analysiert – einer Langzeitstudie an Mäusen und Ratten zu Ganzkörperexposition mit Mobilfunkfeldern. Die Ergebnisse hätten nahegelegt, dass die derzeitigen Richtlinien zum Schutz der menschlichen Gesundheit unzureichend seien. Lin empfahl daher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) von der Weltgesundheitsorganisation die Einstufung des Krebspotenzials von Mobilfunkstrahlung von „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ auf „wahrscheinlich krebserregend“ zu verschärfen. Wolf weist zudem beispielhaft auf eine Studie des Ramazzini-Institutes der Universität in Bologna zur Handystrahlung hin, bei der die italienischen Wissenschaftler bei Ratten eine erhöhte Anzahl an Hirn- und Herztumoren fanden.

Die Lüscherin kritisiert, dass die vor über 20 Jahren festgelegten Grenzwerte nur vor dem thermischen Effekt schützen (Erwärmung des Gewebes), biologische Effekte würden nicht berücksichtigt.

Corinna Walter rät denn auch dazu, Gesundheitsvorsorge zu betreiben, und die technischen Geräte mit Strahlung ab und zu auszuschalten und sie nicht zu stark von der Sendeleistung her einzustellen. Funktionen wie W-LAN, GPS, mobile Daten oder Bluetooth solle man auf den Geräten abschalten, wenn man sie gerade nicht brauche, so Wolf. Weitere Infos: www.diagnose-funk.org.

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