Experte würde für Erdölförderung ähnliches Ergebnis erwarten

Studie: Krebs nicht durch Gasbohrung

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Im Kreis Rotenburg stellen Bürger Fragen wie diese im Zusammenhang mit der Erdgasförderung. Eine Studie scheint die Branche nun zu entlasten.

Hankensbüttel/Isenhagener Land – Die vom Land Niedersachsen in Auftrag gegebene „Human-Biomonitoring“-Studie hat keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zur Erdgasförderung ergeben.

Einer der drei Autoren der Studie – Prof. Dr. Thomas Göen, der in Erlangen einen Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin innehat – erklärt im IK-Gespräch, dass er ähnliche Ergebnisse für Erdölförderstätten erwarten würde, wenn diese im Fokus einer Studie stehen würden. Mit der wichtigen Einschränkung, dass die Dichtigkeit der Anlagen gegeben sein müsse.

Im nördlichen Landkreis Gifhorn war das in der jüngeren Vergangenheit öfters nicht der Fall gewesen: In den vergangenen zehn Jahren hatte es bekanntlich insgesamt 14 Leckagen gegeben, zuletzt im August bei Hankensbüttel.

Die im Auftrag des niedersächsischen Gesundheitsministeriums umgesetzte Studie war am Dienstag vergangener Woche in Hannover vorgestellt worden. Mit dieser Studie wurde untersucht, ob Menschen im Umfeld von Erdgasförderanlagen anderen Belastungen ausgesetzt sind als in Regionen ohne Erdgasförderung. Auch eine landesweite epidemiologische Abstandsstudie, die im Dezember 2018 veröffentlicht worden war (das IK berichtete), war bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass ein genereller Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zu Erdöl- und Erdgasförderanlagen sowie Bohrschlammgruben nicht festgestellt werden konnte.

Göen erläutert, dass die Pumptechnik bei Erdgas und Erdöl sich etwas unterscheide, die Komponenten der Anlagen aber grundsätzlich die gleichen sind. Er hat keine Kenntnis, ob eine ähnliche Studie nun auch für Erdöl geplant ist. Es biete sich etwa an, die Emissionen am jeweiligen Fördergelände zu prüfen.

Ziel der jetzt vorgelegten Studie war es zu überprüfen, ob sich Anwohner, die in der Nähe von Erdgasförderanlagen leben, hinsichtlich der Benzol- und Quecksilberbelastung von Personen derselben Region, die nicht in unmittelbarer Nähe zu Anlagen der Erdgasförderung wohnen, unterscheiden. Für keinen der Parameter konnte für die Nichtraucher ein Unterschied zwischen der Untersuchungsgruppe und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Auch an Tagen, für die einige Probanden Fackelarbeiten an den Erdgasförderanlagen angegeben hatten, konnten keine Erhöhungen von Benzol- oder Quecksilberkonzentrationen nachgewiesen werden. Somit liegen für zwei Substanzen, die in der Diskussion um mögliche gesundheitlichen Auswirkungen der Erdgasförderung stehen, keine Hinweise auf eine aktuelle Belastung der Wohnbevölkerung vor.

„Alle bisherigen Studien zeigen: Wir kennen die Ursache der statistisch vermehrt auftretenden Krebsfälle nicht. Die Vorverurteilungen unserer Industrie haben sich als ungerechtfertigt erwiesen“, sagt Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG). „Falls auch nach dieser Studie weitere Untersuchungen für sinnvoll erachtet werden, ist es im Interesse der Menschen vor Ort höchste Zeit, alle möglichen auslösenden Faktoren in Betracht zu ziehen und ergebnisoffen zu untersuchen.“ In Industriekreisen ist nach Veröffentlichung der Studie spürbare Erleichterung zu hören, dass zumindest zwei auslösende Faktoren ausgeschlossen wurden. Das sei eine befreiende Nachricht für die Anwohner an Erdgasförderanlagen, aber auch für die dort tätigen Mitarbeiter aus der Branche sowie deren Familienmitglieder.

VON PAUL GERLACH

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