Haftungsrechtliche Fragen zusätzliches Problem

Fehlende Wirtschaftlichkeit: Steinhorster Waldkita droht Schließung

Nicole Fromhagen-von der Brelie (v.l.), Verena Roth, Detlef Dehning und Sabine Lembke vor dem Eingangsbereich der Steinhorster Waldkita.
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Hoffnungs- und verheißungsvoller Start: die Erzieherinnen Nicole Fromhagen-von der Brelie (v.l.) und Verena Roth sowie Waldbesitzer Detlef Dehning und Sabine Lembke, Leiterin der DRK-Kita Sprakensehl, bei der Eröffnung der Steinhorster Waldkita im Oktober 2020.
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Steinhorst – Das Projekt war mit einer Menge Rückenwind gestartet, aber es gibt schlechte Nachrichten: Der Waldkindergarten „Röhrender Hirsch“ in Steinhorst war im Sommer 2020 durch die Samtgemeinde und den DRK-Kreisverband Gifhorn eingerichtet worden. Das DRK betrieb die Waldkita seither als Träger – allerdings ist dies voraussichtlich nur noch bis zum Ende des laufenden Kindergartenjahres Ende Juli der Fall. Umgehend hat sich die Bürgerinitiative „Pro Waldkindergarten Steinhorst“ gegründet, die für den Erhalt der Kita trommelt (siehe Infokasten).

„Leider haben die Samtgemeinde und das DRK den Eltern und Mitarbeitern postalisch angekündigt, dass der Betrieb eingestellt werden soll“, teilt der im Oktober im Stillen gegründete Förderverein Natur- und Waldkindergarten Steinhorst mit. Das DRK hat die Kündigung ausgesprochen, bestätigte der Hankensbütteler Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel auf IK-Anfrage. Es gehe demnach um fehlende Wirtschaftlichkeit und haftungsrechtliche Fragen.

In der Woche vor Ostern haben die Mitarbeiter und Eltern die schlechte Nachricht erhalten, schildert der Fördervereinsvorsitzende Dr. Manuel Roth. Es bestehe eine zu geringe Auslastung und Nachfrage, der Betrieb sei nicht wirtschaftlich.

Für den Förderverein ergeben sich daraus einige Fragen: Dem Beschluss des Samtgemeinderats im Mai 2020 lagen Zahlen des DRK Gifhorn zugrunde, die eine ausreichende Auslastung prognostiziert hatten. Roth: „Hat sich diese Planungsgrundlage zwischenzeitlich geändert? Gibt es möglicherweise eine fehlerhafte Planung und worin liegt die Ursache?“ Roth fragt sich, ob die Verwaltung trotz des Ratsbeschlusses den Kindergartenbetrieb bereits nach nur einem Jahr einstellen kann, auch ohne dass der Rat erneut einbezogen wird. Niemand der Beteiligten hatte nach Angaben des Fördervereins zum Zeitpunkt des Beschlusses die Erwartung, dass eine volle Auslastung innerhalb von nur einem Jahr erzielt werden könne.

Taebel hält dazu fest, dass die Waldkita nicht die erhoffte Auslastung hat. „Das ist schade.“ Er erinnert daran, dass schon bei der Interessensbekundung nur fünf Eltern die Rückmeldungen gegeben hatten, ihr Kind im Waldkindergarten betreuen lassen zu wollen. In der hiesigen Region sei der Wald überall vor der Haustür, das sei nicht so das Alleinstellungsmerkmal wie in eher städtisch geprägten Gegenden. Seitens des DRK sei signalisiert worden, dass es die Resonanz geben werde, wenn die Waldkita im Betrieb sei. „Das war nicht so“, sagt Taebel. Aktuell würden knapp zehn Kinder die Waldkita besuchen – davon seien zwei gemeindefremd, bei zweien sei der Waldkita-Aspekt entscheidend gewesen und die weiteren Kinder seien wegen der Bereitstellung der Kitaplätze da. „Es ist wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Außerdem komme hinzu, dass der Miteigentümer des Grundstückes aus der Haftung herauswolle. Taebel: „Es ist schwierig, Grundstücksteile herauszunehmen.“ Die Waldkita-Kinder könnten in die neue Kita an der Hankensbütteler Schulstraße wechseln, das sei abgedeckt. Es gebe daher zum jetzigen Stand keinen Bedarf mehr, die Waldkita vorzuhalten. Taebel betont im gleichen Atemzug, es wäre sehr schön, eine Waldkita zu haben, aber das müsse sich auch darstellen lassen. Unumkehrbar ist das Ganze nicht, macht Taebel eine gewisse Hoffnung auf eine Fortsetzung in Steinhorst: Wenn doch noch die Vollbelegung erreicht werden sollte – maximal sind 15 Kinder möglich, hieß es im Oktober –, müsste man nochmal darüber nachdenken und mit dem DRK sprechen, wofür dieses sicherlich offen sei. Er habe den Fraktionsspitzen die Situation in Sachen Wirtschaftlichkeit und Haftungsfragen dargestellt. Das Ganze werde auch noch auf die politische Agenda kommen und ein Beschluss dazu fallen.

Der Förderverein stellt infrage, ob der Waldkindergarten und sein Konzept in den vergangenen Monaten durch die Samtgemeinde und das DRK sichtbar und den Eltern das neue Angebot als Alternative zum Regelkindergarten transparent gemacht wurde. Der Vorwurf fehlender Werbung sei hergesucht, sagt Taebel. Man wolle keinen Streit mit dem Verein. „Die Vorwürfe stimmen nicht. Mehr als die Waldkita bewerben können wir nicht tun.“ Auch das DRK habe die Eltern auf das Angebot hingewiesen. Taebel kündigt an, dass bei der Veranstaltung der BI am Samstag, 17. April, die Samtgemeinde auch vertreten sein wird.

Der Förderverein verweist darauf, dass für die Eltern die Situation ebenfalls sehr unglücklich sei. Die Bedingungen seien aufgrund der Pandemie unstet gewesen. Die Einschränkungen bei der Eingewöhnung und der pädagogischen Arbeit seien belastend für Kinder und Eltern gewesen. Im Alltag habe sich so keine Routine einstellen können. Auch über Auswirkungen der Kita-Schließung auf ihre berufliche Tätigkeit hätten einzelne Elternteile berichtet. Der Verein hofft, dass sich die Verantwortlichen auf einen weiteren Betrieb des Waldkindergartens verständigen können. Die Samtgemeinde werde aufgefordert, einen neuen Träger zu identifizieren. Die Waldkita stärke die Attraktivität der Samtgemeinde für junge Familien und trage so zu einer nachhaltigen Entwicklung der Samtgemeinde bei. In zahlreichen anderen Gemeinden des Landkreises seien ähnliche Projekte erfolgreich angelaufen.

Der Verein (www.naturkindergarten-steinhorst.de) konnte nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen zahlreiche Unterstützer gewinnen und Spenden für den Waldkindergarten sammeln. „Wir engagieren uns auch zukünftig für ein vielfältiges Angebot in der Samtgemeinde“, sagt Roth. Ansprechpartner für Unterstützer beim Förderverein sind neben Roth Irene Westkämper, Birgit Klank, Peter Grüneweg und Detlef Dehning. Der Verein unterstützt die BI, die aus Eltern der Waldkita und Vertretern des Vereins besteht. Es werden Eltern gesucht, die ihre Kinder im nächsten oder folgenden Kindergartenjahren in der Waldkita anmelden würden.

BI „Pro Waldkindergarten Steinhorst“ lädt zu Treffen am Samstag

Die Bürgerinitiative „Pro Waldkindergarten Steinhorst“ lädt zu einer öffentlichen Veranstaltung unter freiem Himmel für den Erhalt der Waldkita ein: am Samstag, 17. April, ab 18 Uhr für eine Stunde auf der Wiese am Haus der Gemeinde.

Die Veranstaltung ist behördlich angemeldet. Die geltenden Corona-Bestimmungen sind strikt einzuhalten: Von allen Teilnehmern ist eine medizinische Maske zu tragen, es ist ein Abstand von anderthalb Metern untereinander einzuhalten. Die Kontaktverfolgung erfolgt durch Check-In mit der vorab durch die Teilnehmer auf ihrem Smartphone installierten Luca-App, ein QR-Code wird durch den Veranstalter bereitgestellt. Alternativ kann man auch im Browser einen Link öffnen und seine Kontaktdaten eingeben: Der Link findet sich neben weiteren Infos unter www.pro-waldkindergarten-steinhorst.de. Ergänzend werden bei dem Termin am Haus der Gemeinde aber auch Listen in Papierform bereitliegen. Außerdem wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Das Ziel der Veranstaltung ist es, den Betreuungsbedarf und das Interesse von Eltern sowie Unterstützern für den Waldkindergarten in Steinhorst zum Ausdruck zu bringen. Fördervereinsvorsitzender Dr. Manuel Roth wünscht sich, dass die Veranstaltung nicht als Konflikt wahrgenommen wird, sondern als Unterstützung für das Thema. Dementsprechend werden am Samstag nicht die Hindernisse aus der Vergangenheit in den Vordergrund gerückt werden, sondern relevant sind die Optionen für die Zukunft und der Weg zur Erhaltung des Angebots für die Eltern in der Samtgemeinde.

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