Plantage im Blumenladen

Steinhorst: Cannabis-Prozess beginnt

In diesem Gebäude in Steinhorst, einem ehemaligen Blumenladen, wurde von 2009 bis 2013 eine Cannabis-Indoor-Plantage betrieben. Archiv: Schimpf

STEINHORST/HILDESHEIM - Im Februar 2013 hob die Polizei in Steinhorst eine Cannabis-Indoor-Plantage aus (das IK berichtete). Am 15. April beginnt jetzt am Landgericht Hildesheim der Prozess gegen zwei heute 35 und 36 Jahre alte Angeklagte.

Den Männern aus Braunschweig wird vorgeworfen, in einem gemeinsam in 2006 erworbenen Gebäude in Steinhorst ab Januar 2009 eine sogenannte Indoor-Plantage zur Aufzucht großer Mengen von Cannabispflanzen betrieben zu haben. Sie sollen bis Juli 2010 alle drei Monate 1 bis 1,5 Kilogramm Marihuana gewonnen und dann für 6 Euro pro Gramm gewinnbringend an Abnehmer, unter anderem im Raum Gifhorn, verkauft haben. Den Gewinn sollen sich beide geteilt haben. Von Juli 2010 bis Januar 2011 sollen sie eine Pause eingelegt haben, um das Dachgeschoss auszubauen und die Plantage zu erweitern. Von Januar 2011 bis Februar 2013 sollen der Anbau und der Verkauf dann weiter betrieben worden sein. Bei einer Durchsuchung durch die Polizei flog das Ganze dann auf.

Somit wird den Angeklagten unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen zur Last gelegt. Denn die Ernten und deren Verkauf im Zeitraum vor und nach dem Ausbau des Dachgeschosses werden gesetzlich jeweils als ein Fall betrachtet. Der Strafrahmen liegt bei mindestens einem Jahr und bis zu 15 Jahren. Es wird mit einem Geständnis der Angeklagten gerechnet, ist zu hören.

Zur Erinnerung: Bei dem Gebäude in Steinhorst, in dem sich die Plantage befand, handelt es sich um einen ehemaligen Blumenladen. Eine Augenzeugin hatte damals bei der Durchsuchung beobachtet, dass mehrere maskierte SEK-Beamte vorfuhren. Sie hätten die Bahnhofstraße mit einer Straßensperre blockiert und das Haus gestürmt. Das Gebäude habe seit mehreren Jahren leer gestanden. Die Schaufenster seien von innen verklebt worden, sodass man von außen dort nicht hineinsehen habe können. Auch spätabends habe noch Licht gebrannt.

Die Polizei fand nach eigenen Angaben bei der Festnahme im Kofferraum des Autos der beiden Männer 125 Gramm Marihuana. Die Cannabispflanzen-Plantage im Dachgeschoss des Gebäudes sei professionell errichtet worden – mit automatischer Bewässerung, Halogenlampen und Aktivkohlefiltern. Dort wuchsen nach Polizeiangaben insgesamt 250 Cannabispflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien. 50 Pflanzen seien bereits erntereif gewesen.

In der Wohnung des 35-jährigen Braunschweigers seien weitere 100 Gramm Marihuana und sieben Gramm Kokain gefunden worden. Aufgrund der Angaben der beiden Männer dürften laut Polizei im Laufe der vier Jahre insgesamt mindestens zehn Kilogramm Marihuana geerntet worden sein.

Polizeisprecher Thomas Reuter ging auf IK-Anfrage im Februar 2013 davon aus, dass der Marktwert, der damals in der Region Gifhorn hätte erzielt werden können, etwa 100 000 Euro betrug.

Von Paul Gerlach

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