Für die Bürger „keine akute Gefahr“

Steimke: Hof Rotdorn darf vorerst keine Schweine mehr schlachten

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Eine Sau gestern Nachmittag beim Säugen ihrer Ferkel auf Hof Rotdorn: Die festgestellte Dioxin-Höchstwertüberschreitung führt dazu, dass auf dem Hof vorerst keine der derzeit 40 Schweine geschlachtet werden dürfen.

Steimke – Die erst vor wenigen Tagen öffentlich gewordene Dioxin-Höchstwertüberschreitung auf Hof Rotdorn in Steimke geht auf eine Schlachtung am 13. Mai zurück.

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben hat der Landkreis Gifhorn, der gestern mit einer Pressemitteilung auf den Vorfall aufmerksam machte, das noch vorhandene Fleisch umgehend aus dem Verkehr gezogen. Das sorgt bei der biologisch-dynamischen Gärtnerei und Landwirtschaft nun zwar nicht für Stillstand, aber trifft den Demeter-Hof hart.

Wie groß die wirtschaftlichen Konsequenzen werden, ist für Rüdiger Korte vom Hof Rotdorn gestern noch nicht abzusehen. „Wir tun viel dafür, dass derlei nicht in unseren Lebensmitteln ist.“ Bei den Schweinen setze man gezielt auf die ungewöhnliche, ganzjährige Haltung im Freien. Den Verdienstausfall durch den Schlachtungs-Stopp könne man nicht gänzlich auffangen, so Korte. Es komme nun auf das Verhalten der Kunden an.

Dr. Thomas Walter, Erster Kreisrat

Die wichtigste Nachricht des Kreises zum Dioxin-Vorfall: „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung“, bekräftigte der Erste Kreistrat Dr. Thomas Walter. Die Herkunft des Dioxins sei noch unbekannt. Alles noch vorhandene Schweinfleisch des Betreibers, der im Hofladen und auf dem Celler Markt verkauft, wurde gesperrt und vernichtet. „Der betroffene Landwirt ist sehr kooperativ und offen, aber natürlich auch sehr betroffen.“

Dr. Mario Ruppert, Veterinär beim Landkreis

Dass das Umweltgift gefunden wurde, war eher zufällig. Nach Anweisung des Landes mussten Proben gezogen werden, und darunter war dann ein Treffer bei einer Leber in einer Celler Schlachterei, erklärte Dr. Mario Ruppert, Veterinär beim Landkreis. „Es gibt einen bundesweiten Kontrollplan.“

Die Probe war Anfang Juni aufgefallen, am 27. Juni war die Herkunft von dem Hof in Steimke klar. „Wir haben umgehend reagiert. Der Hof wurde gesperrt, der Fund, wie gesetzlich vorgeschrieben, mit allen Einzelheiten, Namen des Betreibers und der gefundenen Werte veröffentlicht“, sagte Walter.

Josef Kraft, Amtsarzt

Auch wenn die gefundenen Werte für Dioxin bei der Leber 6,3 (Grenzwert 3,0) und beim Fett 1,64 (1,0) ausmachten, besteht keine akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung, erklärte Amtsarzt Josef Kraft. „Es handelt sich um Werte im Picogramm-Bereich pro Gramm Gewebe. Ein Picogramm ist ein Billionstel Gramm.“ Dioxin sei ein allgemein vorkommendes Umweltgift, dem jeder ausgesetzt ist. Schon mit der Muttermilch werde Dioxin aufgenommen. In Sachen Wirkung wird eine Schwächung des Immunsystems oder Cancerogenität (Eigenschaft eines Stoffes, in einem Organismus Krebs auslösen zu können) vermutet. Auch Langzeitwirkungen sind noch nicht klar, so Kraft. Selbst beim Verzehr des jetzt gefundenen Fleisches sei eine Vergiftung nicht möglich, da man so viel, wie dazu nötig, gar nicht essen könnte.

„Für eine Probe braucht man etwa 500 Gramm Gewebe“, so Ruppert. Bevor nicht Klarheit über die Herkunft des Dioxins herrscht, bleiben die Schweine am Leben.

VON PAUL GERLACH UND BURKHARD OHSE

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