„Solche Jahre wünsche ich keinem“

Steimke: Milchbauer Reiner Lilje über die Herausforderungen in 2018

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Im Familienbetrieb des Steimker Landwirtes Reiner Lilje werden 120 Kühe und 80 weibliche Jungtiere gehalten: Lilje betont, dass man sich an 365 Tagen im Jahr um die Tiere kümmere. „Das müsste honoriert werden.“ So könnte sich der Steimker einen Mindestpreis für Milch vorstellen. Statt aktuell 33 Cent pro Liter seien 35 Cent nötig, so der Landwirt, um wirtschaftlich zu arbeiten. In extremen Jahren wie 2018 müssten es sogar 40 Cent sein. 

Steimke – Reiner Lilje, Milchbauer in Steimke, denkt mit Grausen an die besonderen Herausforderungen im Jahr 2018 zurück. Durch den Dürresommer seien „alle an ihre Grenzen gekommen“.

Die intensive Beregnung und teils 16-Stunden-Tage zerrten an den Kräften und Nerven. „Solche Jahre wünsche ich keinem“, sagt der Landwirt. Schon gar nicht solle sich etwas Ähnliches nun direkt in diesem Jahr wieder ereignen. Lilje hofft schlicht auf ein „normales Jahr ohne Krisen“.

Nach der überstandenen Milchkrise zuvor traf das extreme Jahr 2018 die Milchviehbetriebe hart. „Das war nur als Familienbetrieb zu wuppen“, sagt der Steimker. Da er zusätzlich beregnete, gab es für seinen Betrieb keine Dürrehilfe. Dabei hatte er für die Beregnung einen fünfstelligen Betrag aufwenden müssen. „Das ist nicht berücksichtigt worden“, wundert sich Lilje. Denn ohne die intensive Beregnung und seine 50 Hektar Ackergras als Futter für seine Tiere hätte er nicht gewusst, was passiert wäre, hält er fest.

Lilje betont klipp und klar, dass seine Kollegen und er in einem solchen Jahr „unbürokratische Hilfe“ gebraucht hätten. So habe die Düngeverordnung dringend benötigte Grünland-Schnitte verhindert, beantragte Ausnahmegenehmigungen seien von der Landwirtschaftskammer nicht genehmigt worden.

So musste viel zugekauft werden oder sich mit Rübenblättern als Futtermittel beholfen werden. „Der Markt war leergefegt, die Preise waren extrem hoch“, blickt Lilje zurück. Glücklicherweise habe es in der näheren Umgebung noch Rationen zu normalen Preisen gegeben. Bis Mai dieses Jahres kommt die Familie Lilje mit den Vorräten aus. Mitte Mai erfolgt der erste Grünland-Schnitt, der dann noch sechs Wochen im Silo gelagert werden muss. Die Grasnarbe habe definitiv unter der Dürre gelitten. „Wir atmen auf, wenn es ein normales Jahr wird.“ Dann könne sich alles wieder etwas ausgleichen.

„Ich hatte gehofft, dass der Milchpreis steigt“, sagt Lilje. „Ein Mindestpreis bei Milch wäre in Ordnung.“ 8000 Kilo Grundfutter benötigt er für seine 120 Kühe täglich, 2000 Kilo für die 80 weiblichen Jungtiere.

Die Dürre war nicht die einzige Herausforderung für den Gemischtbetrieb mit Ackerbau: Ende November holten die Liljes bereits das Jungvieh von der Weide. Die Rinder waren in Panik geraten, da zweimal ein Wolf da gewesen sei, so Reiner Lilje. Ein Jäger habe diesen morgens auch gesehen. Die Tiere hätten in ihrer Angst nicht mehr auf die Weide gewollt.

Mit Blick auf die Zukunft sagt Lilje: „Milchviehhaltungs- und Grünland-Betriebe sind wichtig für die Region.“ Wenn weiterhin immer mehr Betriebe aufgeben würden, fehle irgendwann das Grünland. Dann veröde alles, und das sei für den Naturschutz keine Hilfe.

VON PAUL GERLACH

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