Bürgermeister geht von einer Häufung solcher Ereignisse aus

Staubflut in der Steinhorster Reinhorn-Siedlung

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Eine Staubwand ging durch die Steinhorster Reinhorn-Siedlung – und hinterließ völlig eingestaubte Oberflächen, etwa bei abgestellten Fahrzeugen.

Steinhorst – Die Bilder erinnern ein wenig an den fiktiven Wüstenplaneten Arrakis aus „Dune“: Die Steinhorster Reinhorn-Siedlung wurde vor wenigen Tagen von einer Staubwand durchzogen. Ein Anwohner schildert eindrücklich die Szenen, die sich abspielten.

„Es fing ganz harmlos an, aber dann war echt die Hölle los“, sagt Georg Pagel aus dem Dannhopsweg, dessen Hof am östlichen Ortsrand die Breitseite von der Seite voll und ungebremst abbekam.

Wie schon seit Ewigkeiten, hätten die Landwirte östlich des kleinen Ortes die Frühjahrsbestellung vorbereitet. „Ihnen kann man keinen Vorwurf machen“, betont Pagel angesichts der Arbeiten zum Pflanzen der Kartoffeln. Der Staub durch die lange Trockenheit sei jedoch aufgewirbelt worden, als der Ostwind auffrischte.

„Man konnte aus unserem östlich gelegenen Esszimmerfenster mit weitem Blick in die Ferne die erste heftige hellbraune Staubwand – wie eine Tsunami-Welle mit geschätzten 40 bis 60 km/h – direkt aufs Haus zukommen sehen.“ Mehrmals täglich, manchmal in halbstündigem Abststand, habe es regelrechte Windhosen gegeben, die sich drehend über den Hof Richtung Ort bewegten.

„Man musste, um wenigstens vor dem Hauseingang und auf dem Balkon etwas Ordnung zu schaffen, quasi jede Stunde kehren.“ Teils sei die Sonne für 15 bis 20 Sekunden verdunkelt gewesen. Die erst kurz vorher gewaschenen Autos hätten wie nach einer Wüstendurchquerung ausgesehen. Die Garage, die Scheune, die Wirtschaftsgebäude, der Dachboden, die Fenster, die Sitzmöbel im Garten, der Hauseingang und die Außendeko wurden mausgrau eingedeckt. So wie auch bei den anderen Reinhorn-Bewohnern waren daher Staubsauger, Laubbläser, Hochdruckreiniger, Putzlappen und Autowaschbürsten im Dauereinsatz. Die Corona-Masken zum Schutz der Lunge erwiesen sich auch da als sehr sinnvoll.

„Die gesamte Staubflut ist mit einer ungeheuren Heftigkeit den gesamten Dannhopsweg auf 300 Metern Länge über den Reinhornweg hinweggezogen und hat sogar die westlichen Häuser erreicht“, sagt Pagel. Eine derartige Staubflut habe sich 1978 zuletzt ereignet. „Ich weiß noch, wie schwarz die Fensterbretter waren und der Staub in jeden Winkel des Hauses gekrochen ist. Das ist diesmal dank guter Fenster nicht passiert.“

Bürgermeister Klaus-Hinrich Singer sagt, dass am besagten Tag neben Pagels Hof ein Kartoffelschlag positioniert gewesen sei. Die Staubverwirbelungen habe es sicherlich an mehreren Stellen gegeben, nicht nur in der Reinhorn-Siedlung, sagt Singer. Dies passe zur aktuellen Trockenheit und zu den generellen klimatischen Veränderungen. Für ihn sei das Ganze trotzdem neu gewesen, von etwas Ähnlichem habe er bislang noch nicht gehört. „Das wird zunehmen“, ist er sich sicher.

Der Bürgermeister macht sich daher mit Blick auf die Umwelt und die Gesamtsituation ganz grundsätzliche Gedanken. „Ich hoffe, dass ein Umdenken in der Gesellschaft einsetzt, was wichtig und was entbehrlich ist.“

VON PAUL GERLACH

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