Kirchengemeinde will singen

Sprakensehl hält vorläufig an Freiluft-Gottesdiensten fest

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Rund 40 Besucher kamen gestern zum Gottesdienst „vor der Tür“ in Sprakensehl – die Gemeinde will bis auf Weiteres an diesem Format festhalten, damit auch Gesang möglich ist.

Sprakensehl – Unter reichlich Auflagen sind wieder Gottesdienste in Kirchen möglich – allerdings darf dabei wegen der möglichen Infektionsgefahr nicht gesungen werden.

Für die Kirchengemeinde Sprakensehl ist das ein Grund, bis auf Weiteres auf Open-Air-Gottesdienste zu setzen.

Sprakensehl, gestern Vormittag: Die Sonne wärmt das alte Mauerwerk von St. Christophorus, in hohen Eichen zwitschern Vögel, eine ganz leichte, milde Brise weht über den Vorplatz der Kirche, wo sich rund 40 Besucher versammelt haben, manche in der Sonne, manche im Schatten, mancher im Stehen, manche auf einem Stuhl. Alle mit Abstand, sofern sie nicht zusammengehörten. Eine Idylle mit blauem Himmel und 22 Grad, die man nicht planen könnte. Ein Gottesdienst, den die Gemeinde nicht ganz freiwillig „vor der Tür“ gefeiert hat – doch in der Corona-Krise soll dies auch in den nächsten Wochen und Monaten das Format der Wahl sein.

Warum, das erläuterte Pastor Dr. Heinrich Springhorn gestern auch in seiner Predigt, indem er an die Tempelzerstörung in Jerusalem in alttestamentarischer Zeit erinnerte – damals habe man gelernt, dass Glaube nicht an bestimmte Gebäude gebunden ist: „Gott ist auch außerhalb der Kirchen. In der Natur, in unseren Herzen.“

Zudem sei der nun in Corona-Zeiten nicht erlaubte Gesang im Innern einer Kirche ein essenzielles Merkmal christlichen Gemeindelebens – gleichsam ein demokratisches Element und ein Akt der Teilhabe: „Im Gotteslob sind wir eins. Wo wir zusammen singen, sind Individualitäten wie weggeweht.“

Gottesdienste, in denen nicht gesungen werden kann, erschienen dem Kirchenvorstand daher nicht sinnvoll, erklärte der Geistliche. In den nächsten Monaten werde man daher die Freiluft-Variante beibehalten und sich gedanklich an andere Möglichkeiten herantasten, die angesichts der Corona-Vorgaben dann diskutiert werden können.

Begleitet wurden Lieder wie „Lobe den Herrn“ gestern von Kai Oltshausen und seinem Sohn Johann mit zwei Posaunen – auch das wäre nach aktueller Lage im Innern der Kirche nicht möglich gewesen.

VON HOLGER BODEN

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