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Verwirrung bei Übung: Schüler „retten“ sich selbst

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Die Kinder der Grundschule versammelten sich im Hof. Die Viertklässler hatten sich mit ihrer Lehrerin zuvor selbst über die Treppe nach draußen „gerettet“. © Frankewitsch

max Sprakensehl. Große Verwirrung herrschte gestern Vormittag während der Alarmübung an der Grundschule Sprakensehl. Das erste Löschwasserfahrzeug rückte erst fast 20 Minuten nach dem ersten Sirenenalarm mit drei Einsatzkräften am Ort des Geschehens ein.

Mittlerweile flüchteten auch die Schulkinder der vierten Klasse und ihre Klassenlehrerin Kerstin Frischmuth selbstständig über die verqualmte Treppe ins Freie. Sie hatten zuvor im Obergeschoss vergebens auf Hilfe gewartet. Panik und Ängste waren in den Augen und Gesichtern zu erkennen, als sie durch die Eingangstür liefen, denn sie wurden zuvor nicht von der Übung in Kenntnis gesetzt. Die Kinder sollten eigentlich mit Leitern aus dem verqualmten Unterrichtsraum gerettet werden, so der Einsatzplan. Doch es kam ganz anders.

Die Schulleiterin Birgit Otto hörte einen Rauchmelder und wählte um 10.13 Uhr die Notrufnummer 112 mit ihrem Handy. Es meldete sich die Feuerwehrleitstelle Uelzen, die die Meldung entgegennahm. Doch die Uelzener Wehren seien dafür nicht zuständig, hörte Otto. Sie solle den Brand in der Feuerwehrleitzentrale (FTZ) Gifhorn melden, was sie auch sofort tat. Es vergingen Minuten ohne Sirenenalarm.

Die unabhängigen Beobachter André Junge aus Gifhorn und sein Feuerwehrkamerad Steffen Albrecht aus Triangel sowie Sprakensehls stellvertretender Ortsbrandmeister Stefan Lemmermann staunten und waren über die offenkundigen Probleme bei der Kommunikation zwischen der Brandmeldung und den Leitstellen verblüfft. Und es vergingen weitere tatenlose Minuten, bis dann Lemmermann bei der FTZ Gifhorn anrief und sich erkundigte, ob die fiktive Brandmeldung vielleicht übersehen wurde. Ihm wurde versichert, dass die Alarmierung laufe.

Erst um 10.30 Uhr ertönten die Sirenen, wenige Minuten später traf der rote Unimog der Ortswehr mit Löschwasser an der Grundschule ein, doch von Brandbekämpfung konnte noch immer keine Rede sei, da die Immobilie nicht ohne ausreichend Atemschutz betreten werden konnte. Also musste durch die FTZ nachalarmiert werden, um einen Löschtrupp mit Atemschutzgeräten ins Haus zu schicken. Um 10.43 Uhr heulten erneut die Sirenen im Ort, dann kam das Einsatzfahrzeug mit der Ausrüstung für die Feuerwehrkameraden.

Mittlerweile waren auch die Ortsfeuerwehren aus Bokel und Behren eingetroffen. Erst 47 Minuten nach der Brandmeldung erkundeten zwei Brandschützer mit Atemschutzmasken vor Ort die Lage und meldeten, dass keine Person mehr im „brennenden“ Objekt sei. Nach weiteren Minuten wurde die Brandschutzübung durch Lemmermann beendet.

„Es gibt eine ganze Menge zu erörtern, was wir so nicht erwartet haben“, kritisierte Lemmermann. Zum einen sei nach einer Notrufmeldung die Kommunikation zwischen den zuständigen Leitstellen dringend zu optimieren, damit schnellstmöglich Hilfe vor Ort geleistet werden könne. Zum anderen müssten die zuständigen Feuerwehren sofort nach der Alarmierung zum Einsatzort dirigiert werden.

Lemmermann und seine beiden Kameraden aus Gifhorn und Triangel hoffen, dass sich dies nicht in der Realität wiederholt.

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