Deutliches Zeichen gegen Rassismus

Schüler und Lehrer des Hankensbütteler Gymnasiums gedenken NS-Opfern

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Schüler und Lehrer am Hankensbütteler Gymnasium gestern auf dem Schulhof bei der Gedenkveranstaltung und Schweigeminute für die NS-Opfer.

Hankensbüttel – Rassismus und Diskriminierung tritt die Schule entschlossen entgegen: Die Schüler und Lehrer am Hankensbütteler Gymnasium haben gestern ein Zeichen gesetzt und bei einer Schweigeminute der Holocaust-Opfer gedacht.

Sonst geht es auf dem Schulhof deutlich lauter zu: Gestern Vormittag war dort eine Minute lang kein Mucks zu hören. Schüler sämtlicher Jahrgangsstufen nahmen mit ihren Lehrern an der kurzen Gedenkveranstaltung teil, auf dem Schulhof standen sie dicht gedrängt.

Die im vergangenen Jahr als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnete Einrichtung machte gestern damit auch klar, dass sie für Zusammenhalt, Gleichwertigkeit und Chancengleichheit steht. Cornelia Röhrkasten will auf der nächsten Schulleiterversammlung mit ihren Kollegen besprechen, ob die Schulen künftig gleichzeitig eine solche Gedenkveranstaltung umsetzen. Sie freute sich gestern, dass die Schüler und Lehrer in Hankensbüttel gemeinsam dies auf die Beine stellten und somit einen lange gehegten Wunsch umsetzten. „Damit setzen wir ein Zeichen.“ Von Schülerseite aus habe es sofort Unterstützung gegeben, und es seien viele Ideen eingebracht worden.

Denn die Schulleiterin will nicht verhehlen, dass es derzeit „einige Dinge gibt, die uns zu denken geben“. In mehreren Bundesländern hatte die AfD Webseiten freigeschaltet, auf denen Lehrer gemeldet werden sollen, die sich AfD-kritisch positionieren. Außerdem habe sie gehört, dass es bei einer Projektwoche der IGS Gifhorn Drohungen mit einem Rechtsanwalt gegeben habe.

Die Schülervertreter Amelie Patzer, Enes Aslan und Annelie Fischer (alle aus der elften Jahrgangsstufe) mahnten gestern nach der Schweigeminute ihre Mitschüler und deren Lehrer, über das Thema Holocaust auch in den Klassenräumen noch einmal zu sprechen. Es dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Denn im Alltag gebe es „nicht so viele Berührungspunkte“ mit dem Thema, sagte Patzer im Pressegespräch. Das nächstgelegene ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen haben einige Schüler besucht. „Wir sind behütet“, sagt Fischer. Patzer betonte, dass im Zuge von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ weitere kleine Veranstaltungen laufen – so auch eine Projektwoche vor den Sommerferien.

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Hintergrund

Am Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor 74 Jahren durch die Rote Armee. Der Tag wird seit 1996 in Deutschland und seit 2005 weltweit als Holocaust-Gedenktag begangen.

VON PAUL GERLACH

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