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Ein Schüler brachte den Stein ins Rollen

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Hildegard Schiller engagiert sich gern in ihrer Kirchengemeinde. Als Prädikantin kann sie dies auch im ganzen Kirchenkreis tun.
Hildegard Schiller engagiert sich gern in ihrer Kirchengemeinde. Als Prädikantin kann sie dies auch im ganzen Kirchenkreis tun.

Steinhorst. Hildegard Schiller aus Steinhorst war elf Jahre als Lektorin tätig und ist seit 2009 Prädikantin. Die 66-Jährige engagiert sich in ihrem Ruhestand nicht nur in dieser Funktion in der Kirche. Im IK-Interview erklärt die pensionierte Lehrerin, welcher Weg für das Ehrenamt von Lektor und Prädikant gegangen werden muss und welche Bedeutung diese Tätigkeit für sie ganz persönlich hat.

IK: 13 Jahre sind eine lange Zeit. Wie kam es, dass Sie sich entschieden haben, Lektorin zu werden?

Hildegard Schiller: Während meiner Zeit als Lehrerin in Groß Oesingen habe ich meinen Schülern in Religion etwas über die ersten Christen erzählt. Ein Schüler fragte mich, ob ich denn auch Christ sei und was ich als Christ denn so täte. Da habe ich dann für mich genau überlegt, was ich als Christin denn eigentlich mache.

IK: Der Schüler hat also damals den Stein ins Rollen gebracht.

Schiller: Das kann man so sagen. Ich habe im Kirchenchor gesungen und mich mit den Texten auseinandergesetzt und erfahren, was hinter ihnen steckt. Auf meiner Suche nach einer weiteren Betätigung hat mir unsere damalige Pastorin zum Lektorendienst geraten.

IK: Wie wird man überhaupt Lektorin?

Schiller: Jeder, egal aus welcher Berufsgruppe, kann Lektor werden. Ich habe insgesamt zehn Tage ein Seminar belegt, in denen ich beispielsweise gelernt habe, Gottesdienste zu verstehen und zu gestalten, Predigen zu bearbeiten sowie liturgisches Singen, Sprechen und Agieren.

IK: Wie unterscheidet sich der Lektor vom Pastor?

Schiller: Der Begriff Lektor kommt aus dem Lateinischen und heißt Leser oder Vorleser. Ein Lektor hält keine eigene Predigt, sondern eine Lesepredigt, die von einem Profi geschrieben wurde. Allerdings darf er diese so bearbeiten und eigenes einbringen, dass sie zum Lektor selbst und zur Gemeinde passt. Natur, Kinder und Musik sind Themen, die bei mir oft auftauchen. Dadurch, dass Lektoren aus verschiedenen Berufsgruppen kommen, bringen sie auch verschiedenes Wissen und unterschiedliche Erfahrungen mit ein. Das sorgt für mehr Farbe und Leben. Wir Lektoren sehen uns allerdings nicht als Lückenbüßer, wir werden im Jahreskalender fest eingeplant. Ich habe zum Beispiel sieben feste Sonntage im Jahr.

IK: Seit fast zwei Jahren üben Sie auch das Amt der Prädikantin aus, eine Steigerung des Lektorenamtes.

Schiller: Genau. Die Ausbildung zum Prädikanten dauert drei Jahre. Im ersten Jahr habe ich an sechs Wochenenden theologisches Grundwissen, Kirchengeschichte und ethische Aspekte erlernt. Das zweite Jahr beinhaltete an vier Wochenenden das Thema Predigt. Ein Prädikant schreibt im Gegensatz zum Lektor seine Predigten selbst. Die dritte Phase bestand darin, Gottesdienste und Predigten selbstständig zu erarbeiten und zu halten, wobei ein Pastor als Mentor beratend zur Seite stand. Ich wählte den Ohrdorfer Pastor Dr. Frank Kleinschmidt, weshalb ich auch eine Predigt in Ohrdorf hielt. Er schrieb eine kurze Beurteilung, ebenso wie Superintendent Martin Berndt, der auch in einem meiner Gottesdienste war. Zudem musste ich zwei Predigten schreiben und beim Landessuperintendent einreichen. Vor ihm legte ich auch eine Prüfung ab.

IK: Ein langer Weg. Darf sich jeder für die Ausbildung zum Prädikanten anmelden?

Schiller: Grundsätzlich kann das jeder tun, der Erfahrungen im Lektorendienst gesammelt hat, allerdings muss die Person vom Kirchenvorstand und der Gemeinde empfohlen werden; bevor die offizielle Einführung erfolgen kann, muss der gesammte Pfarrkonvent dem zustimmen. Ich habe aber auch gemerkt, dass man selbst in dieser Tätigkeit aufgehen muss. Zudem nimmt sie auch viel Zeit in Anspruch. Lektoren und Prädikanten gestalten ihre Gottesdienste komplett allein.

IK: Wenn ein Prädikant selbst Predigten schreiben und halten darf, worin besteht dann der Unterschied zum Pastor?

Schiller: Ein Prädikant darf die Sakramente nicht verwalten. Taufe oder Abendmahl sind nur Pastoren vorbehalten. Lektoren und Prädikanten dürfen einen Talar tragen, wenn sie es möchten. Er weist sie als Mitarbeiter im Verkündigungsdienst aus und er unterstreicht, dass nicht Aussehen oder Kleidung der Person wichtig sind, sondern das Wort, das von ihr verkündet wird.

IK: Damit dürfte ihr Ruhestand ja zum Unruhestand geworden sein.

Schiller: Neben dem normalen Gottesdienst gestalte ich gerne in Groß Oesingen zusammen mit der Grundschule und Pastor Helge Dettmer die Schulgottesdienste. Außerdem habe ich vor zehn Jahren den Gemeindebrief in unserer Kirchengemeinde ins Leben gerufen und arbeite da verantwortlich mit. Gottesdienste, Andachten und auch Altennachmittage gestalte ich gern. Des Weiteren bringe ich gern neue Lieder oder kleine Aktionen mit in die Gottesdienste ein. Ich nehme aus meiner Prädikantenarbeit viel für mich selbst mit und habe viel Freude daran, Gottes Wort zu verkünden.

Von Sabine Peter

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