Alltag, Ausflüge und Masern

Samtgemeinde-Archivar Hagen Eberding über Isenhagener Schulchronik

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In diesem Haus in Isenhagen war damals das Schulgebäude untergebracht: In etwa um das Jahr 1828 herum soll der Schuldienst seinen Anfang genommen haben, heißt es in der Isenhagener Schulchronik. 

Isenhagen – Über viele Jahre hinweg hat sich der Hankensbütteler Samtgemeinde-Archivar Hagen Eberding immer wieder diesem Projekt angenommen: Nun hat er die Isenhagener Schulchronik vorgelegt.

Der 73-Jährige hat im Archiv die Schulchroniken der hiesigen Region im handschriftlichen Original vorliegen. Er übersetzt sie – teils sind sie in Sütterlin festgehalten – und schreibt sie nieder, um sie gut lesbar für die Nachwelt zu erhalten. Nun war Isenhagen an der Reihe.

Die Isenhagener Schulchronik, die 176 Seiten umfasst, deckt den Zeitraum von Oktober 1885 bis 1911 ab. Der Beginn des Schuldienstes in Isenhagen soll laut Chronik rund um das Jahr 1828 gelegen haben.

„Isenhagen war damals wichtiger als Hankensbüttel“, schildert Eberding. In einem Haus (heute An der Gerichtslaube 3) sei dort die Volksschule untergebracht gewesen, in der man nach acht Schuljahren den sogenannten Volksschulabschluss erwarb.

Los ging es mit rund 30 Schülern: Es waren doppelt so viele Mädchen wie Jungs. „Der Küster war damals oft auch der Lehrer, denn die Kirche hatte die Oberhand“, erklärt Eberding. Dementsprechend habe der Unterricht auch nur aus Religion als Fach bestanden – zumindest solange, bis die Kirche als Obrigkeit durch den Staat abgelöst wurde.

Viel länger, als durch die Chronik zeitlich abgedeckt, habe die Schule dort auch nicht existiert, mutmaßt Eberding, denn in den 30er Jahren seien Isenhagen und Hankensbüttel zusammengelegt worden.

Die Chronik musste damals verpflichtend von den jeweiligen Lehrern geschrieben werden, erläutert Eberding. Sie dokumentiert den Schulalltag, Ausflüge ins Umland, Kreislehrerkonferenzen, die Instandhaltung der Häuser, Reisen zum Kirchentag nach Hannover, die Vergrößerung des Schullokals oder auch eine Masernepidemie unter den Schulkindern.

„Eben alles, was im Dorf los war“, sagt Eberding. Man könne daher quasi auch von einer Dorfchronik sprechen. So finde man auch viele Namen von Familien wieder, die heute noch existieren.

Neben Infos zum Betragen der Schüler ist auch eine Schilderung eines Unfalls eines Arbeiters der Domäne enthalten – also auch Aspekte, die über das „normale“ Schulleben hinausgehen.

Über die Schüler schreibt ein Lehrer: „Viel ungebundenes Wesen, Ungezogenheit und Faulheit sind charakteristische Züge bei manchen Kindern aus den niederen Ständen.“ Zu einem einzelnen Schüler heißt es gar: „Er ist wegen Widerspenstigkeit, Hinterlist, Gleichgültigkeit und Faulheit ein rechter Plagegeist seines Lehrers.“

Außerdem ist in der Chronik auch zu erfahren, dass die Schulgemeinde nur die Instandhaltung des Schullokals auf ihre Kosten vorzunehmen hatte, im Übrigen besorgte der Fiskus alles.

Interessierte mit Nachfragen zu der Isenhagener Schulchronik melden sich bei Eberding unter der Telefonnummer (0 58 32) 66 06.

VON PAUL GERLACH

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