Bemerkenswerte Ausstellung im Isenhagener Kloster

Sakrale und moderne Kunst

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Künstler und Gastgeberin (v.l.): Juliane Helene Berger, Äbtissin Susanne Schäfer und Gudrun Probst.

Isenhagen. Nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem fein und virtuos vorgetragenen Lied des englischen Renaissance-Komponisten John Dowland begann eine Vernissage in der Klosterkirche zu Isenhagen.

Der Solist, Raphael Schneider, stammt aus Zürich und studiert und lehrt Gitarre in Hannover. Mit seinem einfühlsamen Spiel verzauberte er die Gäste ein um das andere Mal.

Äbtissin Susanne Schäfer wies in ihrer Begrüßung auf den spannungsreichen Gegensatz zwischen der klostereigenen, meist sakralen Kunst und der modernen Kunst der Ausstellung hin. Lionsclub Wittingen, LSW und die Volksbank Hankensbüttel-Wahrenholz hätten es erst möglich gemacht, eine derart hochkarätige Ausstellung ins Kloster Isenhagen zu holen. Horst Wrede habe sie wieder organisiert und die Kontakte geknüpft.

Zu den Bildern von Juliane Berger führte der Uelzener Stadtarchivar Dr. Reimer Egge aus, dass zwei Gruppen zu betrachten seien: die transparenten Schwarz-Weiß-Bilder, die den Obertitel „Titan“ tragen und die Farb-Bilder in Acryl mit laufenden und in Schichten gespachtelten und gewischten Farbaufträgen. Die optische Wirkung sei für den Betrachter eine gegensätzlichen – eine gelassene Weite und Bewegung voll innerer Spannkraft einerseits und dramatisches Geschehen mit rauer Bildoberfläche andererseits.

In treffender Technik gemalt sei das Bild „Rungholt“ und entspreche dem unfassbaren Szenario, wie es sich vor 650 Jahren ereignete, als die Stadt der Legende nach als göttliche Strafe für lasterhaftes und respektloses Verhalten der Kirche gegenüber vom Meer verschlungen wurde.

Ganz anders die Bildtafeln „Titan“, auf deren Malfläche sich die in glattem Pinselstrich in Öl aufgetragenen konkreten Dinge dem umfassenden Blickwinkel in überzeugender Gelassenheit darbieten.

Zu ihren Skulpturen nahm Gudrun Probst selbst das Wort und erklärte anhand eines stilisierten Kreuzes ihre Arbeitstechnik. Die Keramikerin und Bildhauerin setzt sich in einem steten Prozess mit Fundstücken auseinander, von denen jedes Teil ein eigenes Wesen habe. Das Holz stehe für Wachsen und Vergehen, der Ton, den sie modelliert, für Erde, aus der jeder Mensch geschaffen ist, das Eisen für Härte und eine Scherbe für ein Bruchstück.

Ihr bevorzugtes Motiv ist das Kreuz. Ihre Kreuze bezeichnet sie als Osterkreuze, als Symbole der Auferstehung, des Aufbruchs, um sich neu zu orientieren.

Im Nonnengang des Klosters stehen sich die fast monochromen „Titan“-Bilder und die Kreuzmotive unmittelbar in einem fesselnden Dialog gegenüber. Am Eingang der Ausstellung steht das Triptychon „Rungholt“, das, wie Egge ausführte, mit breitem Pinselstrich und Schieben und Schaben der Acrylfarbe dem wilden Wasser der Katastrophe Substanz verleiht. Die Ausstellung ist bis Freitag, 12. Oktober, dienstags bis sonntags von 14.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Von Horst Michalzik

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