Geplante Nachpflanzungen an Alleen im Kreis Gifhorn

Rettungsassistent kritisiert Vorhaben: „Bäume gehören nicht an Straßen“

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Ein Bestandskataster für Alleen an Kreisstraßen will der Landkreis bis zum Sommer vorlegen – hier die K 10 zwischen Hankensbüttel und Weddersehl. Feuerwehrmann und Rettungsassistent Wolfgang Seger spricht sich gegen die geplanten Nachpflanzungen aus. „Bäume gehören nicht an Straßen“, betont er.

Hankensbüttel/Weddersehl/Oerrel – Bis zum Sommer will der Landkreis Gifhorn ein Bestandskataster für Alleen an Kreisstraßen vorlegen.

Der Hankensbütteler Ratsherr Reinhard Weißmann hofft daher auf Nachpflanzungen – etwa an der K 7 (zwischen Hankensbüttel und Oerrel) oder auch an der K 10 (zwischen Hankensbüttel und Weddersehl). Doch es gibt auch Sorgen in Sachen Verkehrssicherheit und Baumunfälle.

Landrat Dr. Andreas Ebel hatte gegenüber dem IK bereits betont, dass eine „umfassende Abwägung“ zwischen dem Schutz von Leben und Gesundheit der Verkehrsteilnehmer sowie den Belangen von Natur und Landschaft nötig sei. Wolfgang Seger, Feuerwehrmann und Rettungsassistent aus Wittingen, geht noch weiter. Er sagt: „Bäume gehören nicht an Straßen.“

Seger hat in 33 Jahren Berufsjahren – und in seinem Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr Wittingen – „schon viel Schreckliches“, darunter auch Tote bei Baumunfällen, gesehen. Vor diesem Hintergrund fragt er: „Wofür brauchen wir eigentlich diese Alleen?“ Wenn jetzt noch mehr Bäume die Straßen säumen und die Lücken dazwischen noch kleiner werden, seien „leider auch noch mehr Baumunfälle vorprogrammiert“. Er frage sich, was den Baum direkt an der Straße von dem, der ein paar Hundert Meter entfernt im Wald steht, unterscheide. Die CO2-Bilanz dürfe dieselbe sein.

Birken würden als Windbremse nicht funktionieren, sagt Seger. Zudem könnten die Feuerwehren ein Lied davon singen, wie viele Bäume bei Sturm von den Straßen geräumt werden müssen. Die Bäume selbst, das Pflanzen, das Pflegen und die Verkehrssicherung in Form von Zurückschneiden – das alles verursache Kosten. Er habe nichts gegen „wunderschöne Alleen“, wie etwa auf Rügen oder in Mecklenburg-Vorpommern. Dort werde wegen des Kopfsteinpflasters aber auch nicht schnell gefahren. Die Alleen seien zweifellos ein Kulturgut und passen sich ins Landschaftsbild ein.

Seger warnt aber: „Ein Seitenaufprall mit Tempo 70 geht bereits in der Regel tödlich aus.“ Menschen würden brutal aus dem Leben gerissen oder müssten fortan mit einem Handicap leben: „Unendliches Leid für die Angehörigen, für Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen.“ Er stelle sich die Frage, ob das mit Birken aufzuwiegen sei. „Ich möchte nicht mehr um das Leben dieser Menschen kämpfen müssen. Ich habe das schon viel zu oft getan.“

Der Rettungsassistent verweist auf Tests der DEKRA: Hecken und Büsche würden bei Unfällen wie ein Fangzaun wirken. Seger ist überzeugt: Angesichts der Sicherheitstechnik bei modernen Wagen würde es nicht mehr zu so schweren Unfallfolgen kommen, wenn die Fahrzeuge die Auslaufzone auf dem freien Feld – ohne Bäume als Hindernisse – hätten. Lackschäden könnten leicht repariert werden.

VON PAUL GERLACH

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