Samtgemeinde Hankensbüttel und Hauptschule kämpfen für Oberschule / Fokus auf intensiver Betreuung

Reichen die Schülerzahlen doch noch?

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Wunschsteine filzen, Ketten basteln und mehr: Schulübergreifende Kreativ-Pause im Hankensbütteler Schulzentrum.

Hankensbüttel. Dass die Hauptschule in Hankensbüttel eine große Zukunft hat, darüber machen sich Betzinger und ihre Stellvertreterin Christine Heisig-Meyer keine Illusionen – zu eindeutig scheint das Wahlverhalten der Eltern.

Seit zwei Jahren ist die Einrichtung mit ihren 11 Lehrkräften und 107 Schülern nur noch einzügig. So ist die gemeinsame Stoßrichtung von Schule und Samtgemeinde die Einrichtung einer Oberschule, die dem Luftkurort ganz neu auch ein Realschulangebot bescheren würde. Erhoffter Starttermin: das nächste Schuljahr, sonst eben 2013/2014.

Geht es nach den von der Landesregierung aufgestellten Mindestvoraussetzungen, dann stehen die Chancen, mit Blick auf voraussichtlich zu geringe Schülerzahlen, schlecht – und so bleibt nur die Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung. Dabei setzt man auf Unterstützung der Landespolitik (siehe Seite 1).

Allerdings: Samtgemeindebürgermeister Andreas Taebel glaubt, dass sich die geforderte Zahl von mindestens 48 Schülern pro Jahrgang eventuell doch noch darstellen lässt: zum einen durch Kinder, die durch die Inklusion an die Oberschule kämen, zum anderen wegen der zuletzt überraschend gestiegenen Geburtenrate in der Samtgemeinde (das IK berichtete).

Der Hankensbütteler Rathauschef verweist auch darauf, dass in anderen Landesteilen durchaus Kleinst-Oberschulen mit etwa 30 Schülern pro Jahrgang entstanden seien, beispielsweise im Bereich Soltau-Fallingbostel. Die hätten allerdings den Startvorteil mitgebracht, dass Hauptschule und Realschule schon an einem Standort vorhanden waren und im Prinzip nur das Schild an der Tür ausgewechselt werden musste.

An der Hankensbütteler Hauptschule fühlt man sich gerüstet für den Aufbau einer Oberschule. „Binnendifferenzierung ist uns nicht neu“, sagt Schulleiterin Betzinger. Für einen Ganztagsbetrieb wäre das Schulzentrum bereits mit einer Ausgabestelle für Mittagessen ausgestattet.

Für ihre Schüler sehen Betzinger und Heisig-Meyer einen zum Teil hohen Betreuungsbedarf – und würden deshalb lieber auf eine eigene kleine Oberschule setzen als auf eine große gemeinsame in Wittingen. „Wir können hier Probleme schnell erkennen – und mittags muss das Problem dann auch gelöst sein“, sagt Betzinger.

Die auch vom Landkreis in seinem Schulentwicklungskonzept ausgegebene Devise, dass eine höhere Zügigkeit mehr Angebote und damit pädagogische Vorteile bringt, sieht Betzinger für ihre Schule nicht als zutreffend an. „Wir können auch jetzt schon viele Wahlpflichtkurse anbieten, auch der sprachliche Bereich könnte abgedeckt werden.“ 60 Prozent des letzten Abschlussjahrgangs hätten es in eine Ausbildung geschafft, die Schüler würden in Vergleichsarbeiten gut abschneiden.

Das Zusammenleben von Schülern verschiedener Schulformen kennt man im Schulzentrum auch schon: Die Fünftklässler des Gymnasiums werden derzeit dort unterrichtet, und Sozialpädagogin Anke Herz empfängt beispielsweise in den Pausen Hauptschüler und Gymnasiasten in einem Kreativraum, wo Wunschsteine gefilzt, Ketten gebastelt oder Ostereier gefärbt werden. „Die Schüler arbeiten hier toll zusammen und lernen voneinander“, sagt Herz. Bis zu 30 Kinder seien es pro großer Pause, die das Angebot wahrnehmen.

Sollte eine Oberschule im Schulzentrum Wirklichkeit werden, dann würde, so Betzinger, zunächst wohl nur eine weitere Lehrkraft für eine zusätzliche 5. Klasse gebraucht, weil die Oberschule sukzessive aufgebaut wird. Ab Klasse 6 würden die Schüler auch in Kursen unterrichtet werden, etwa in Englisch und Mathematik – dann hat sozusagen das System der Orientierungsstufe wieder in die Mauern der Schule an der Wittinger Straße zurückgefunden.

Von Holger Boden

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