Vandalismus: Mahnmal verunstaltet

Rathaus stellt Strafanzeige nach Schäden an Gedenkstätte in Hankensbüttel

Frische Spuren von Vandalismus an Infotafel.
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Frische Spuren von Vandalismus an Infotafel.

Hankensbüttel – Vandalen waren am Werk: Das Hankensbütteler Mahnmal ist von Unbekannten verunstaltet worden. Von der Verwaltung ist ein Mitarbeiter inzwischen vor Ort gewesen, es soll eine Strafanzeige gestellt werden.

Zerkratztes Hankensbüttel: Das Foto des Luftkurortes von Dr. Günter Dickmann oben im Turm wurde an zwei Stellen von Unbekannten eingeritzt.

Dr. Günter Dickmann und Friedrich Burghard, denen das Mahnmal sehr am Herzen liegt, sind entsetzt. Überall lagen verstreut die Schutzkappen für die Muttern an den Ausstellungstafeln. Außerdem lag Papier herum. Ein metallenes Herz mit der eingestanzten Schrift „Unvergessen” war achtlos auf den Boden geworfen worden. Es stammte wohl von einem der von Burghard abgehängten Kränze. Die Kette am rechten Aufgang des Turmes wurde abgerissen und ist verschwunden, ein Metallstab ragt aus der Wand. Auf der Plattform oben wurde ein stark vergrößertes Foto von Dickmann, das den Ortskern zeigt, rabiat zerkratzt.

Schon 2009 war die eine Seite der Infotafel am Friedhof beschädigt worden: Jetzt wurde auch die Vorderseite mit starken Schlägen an einigen Stellen eingedellt. Vor einem halben Jahr ließen Unbekannte zwei der Kerzen in dem Turm herunterbrennen. Alle diese Vorfälle wurden laut Burghard im Rathaus gemeldet. Jugendliche hätten schon oben auf dem Dach des Turmes gestanden, sodass die Polizei anrücken musste.

Die Schrauben der Ausstellungstafeln wurden einzeln herausgedreht und dann achtlos weggeworfen. 

„Am Freitag führte ich zwei Gruppen an die Gedenkstätte. Die Besucher fragten erschüttert, was denn gegen diesen Vandalismus in Hankensbüttel getan werde“, schildert Dickmann. Er spricht von einem Trauerspiel. Wenn Gedenkstätten verunstaltet werden, sei das ein schriller Alarm – so empfindet es Dickmann. Egal ob es aus ideologischen Gründen oder aus Zerstörungswut geschieht: In Dickmanns Augen wird die Gedenkstätte geschändet und die Opfer der beiden Weltkriege würden verhöhnt.

Das Mahnmal an der Steimker Straße.

Eigentlich benötigt man einen Schlüssel für das Eingangstor zum Turm: Doch aktuell kommt man seit Wochen auch ohne hinein. Laut Ilka Bauke von der Verwaltung sind bereits sieben, acht Mal die jeweiligen Schlösser zur Sicherung geknackt und ausgetauscht worden. Dies wolle man im Rathaus nicht hinnehmen. Der Vorfall reihe sich in eine ganze Reihe von ähnlichen Vorkommnissen im Ort ein, sagt Bauke. Sie erinnert an den Vandalismus beim Seilgarten am Gymnasium (das IK berichtete). Auch dies gehe in diese Richtung. Vermutlich handele es sich um Jugendliche als Täter. Am Mahnmal sei nichts gefunden worden, was auf rechtsextreme Motive für den Vandalismus schließen lasse, erläutert Bauke. Die Polizei soll gebeten werden, verstärkt am Mahnmal vorbeizuschauen, gerade abends.

Wegen des Denkmalschutzes sind laut Bauke etwa am Eingangstor keine umfangreicheren Sicherungsmaßnahmen möglich. Denn dieses müsse so erhalten bleiben. Die unterschiedlichsten Schlösser seien bereits ausprobiert worden. Burghard vermutet daher, dass die Täter stets mit schwerem Gerät anrücken.

Dickmann und Burghard wünschen sich generell, dass auf dem Gelände ein Mülleimer aufgestellt wird. Sie können sich auch gut vorstellen, dass das Mahnmal angeleuchtet wird.

VON PAUL GERLACH

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