Eintauchen in alte Gerichtsakten

Projekt: Hankensbütteler Hauptschüler auf Zeitreise ins 17. Jahrhundert

Besonderen Prozessen auf der Spur: die Hauptschüler mit Lehrer Rolf Weihmann und Samtgemeinde-Archivar Hagen Eberding (3.v.r.).
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Besonderen Prozessen auf der Spur: die Hauptschüler mit Lehrer Rolf Weihmann und Samtgemeinde-Archivar Hagen Eberding (3.v.r.).
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
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Hankensbüttel – In alten Gerichtsakten des Amtes Isenhagen aus dem 17. Jahrhundert stöberten jetzt zehn Hankensbütteler Hauptschüler gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Rolf Weihmann bei der Projektwoche.

Welche Klagen wurden vorgebracht? Welche Strafen wurden ausgesprochen? Was galt eigentlich damals als kriminell? Diese und andere Fragen beschäftigten Nikita Bakaew, Jannik Beyer, Nico Klampt, Celine Krause, Simon Körte, Quentin Lück, Cathy Niebuhr, Nico Speitling, Simon Urso und Clemens Weitz aus den Klassen 6 bis 8 von der Wiethornschule.

Um die Fragen beantworten und mehr aus den Akten aus den Jahren 1649 bis 1665 erfahren zu können, mussten die Aufzeichnungen des Amtmannes Hector Witzendorff erst einmal entziffert werden. Dies erwies sich als gar nicht so einfach, zumal sie in altdeutscher Schrift verfasst sind. Glücklicherweise lag eine Transkription vor. Die zweite Schwierigkeit lag darin, den transkribierten Text auch zu verstehen, denn nicht nur die Schrift, sondern auch die Sprache schien für die Schüler aus einer anderen Welt zu stammen. Nach geduldiger Einarbeitung gelang es ihnen, Erstaunliches zu erfahren. Dabei war es besonders spannend, dass von Vorfällen aus den Heimatorten vieler Projektteilnehmer die Rede war. Auch Familiennamen aus der Region fanden sich wieder.

In dem 34-seitigen Heft, das die Schüler bei dem Projekt erstellten und das in kleiner Auflage für 11 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich ist, geht es um die harten Strafen für Schimpfwörter und Beleidigungen (etwa Schelm = toter Mann, Aas) oder auch um die Schreibung der Ortsnamen im 17. Jahrhundert. Bei dem Projekt wurde auch ein Spiel entwickelt, in das viele der neuen Erkenntnisse eingearbeitet wurden und das mit großer Freude gespielt wurde.

Es war das zweite Projekt in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Samtgemeinde Hankensbüttel unter Leitung des Archivars Hagen Eberding – nach dem Thema „Schwarze Stadt“ im vergangenen Jahr. Weihmann bedankt sich bei Eberding, der die notwendigen Akten zur Verfügung stellte und bei der Recherche zu historischen Hintergründen des Amtes Isenhagen half. Sehr stolz ist Weihmann auf seine Schüler. „Ihr habt fleißig gearbeitet und wart sehr kreativ. Das ist ein gutes Ergebnis und es hat Spaß gemacht.“

Eine Menge haben die Schüler dabei gelernt: Die Amtssprache war auch vor Jahrhunderten schon schwierig zu verstehen. Ein Wort wurde mal so und dann wieder so geschrieben. Außerdem ging es ziemlich rau zu im Umgang der Menschen untereinander – kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die von Hector Witzendorff ausgesprochenen Strafen ließen zuweilen Heiterkeit aufkommen, zumal wenn es um eine ganze Tonne Wittinger Bier als Wiedergutmachung ging.

VON PAUL GERLACH

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