Experten weisen Vorkommen in Peru nach / Spanische Firma will Infos vor Bau eines Wasserkraftwerkes

Otterschutz in der Wüste

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In Peru gab es ein Expertentreffen in Peru, um dort das Otter-Aufkommen zu erkunden. Die Tierforscher kamen aus Peru, Chile, Brasilien und Deutschland. Eine spanische Firma soll ein Wasserkraftwerk bauen und wollte vorab Experteninformationen über das Vorkommen des Tieres haben.

Peru/Hankensbüttel. Dr. Hans-Heinrich Krüger von der Aktion Fischotterschutz, im Hankensbütteler Otter-Zentrum für den Bereich Tierhaltung/Tierforschung zuständig, nahm jüngst mit Kollegen an einem Expertentreffen in Peru teil, um dort das Otteraufkommen zu erkunden.

Es trafen sich Fischotterexperten aus Peru, Chile, Brasilien und Deutschland, um an der Universität von Lima und im Naturkundemuseum von Arequipa Otterschutzmaßnahmen und Forschungsergebnisse zu diskutieren. „Und dabei ging es natürlich vorwiegend um die Biologie der peruanischen Otterarten“, berichtet Krüger. Doch es sollte nicht bei theoretischen Erörterungen bleiben.

Die Forschergruppe war an steilen Schotterhängen, Bächen und auf dem Andenkamm unterwegs.

Auch der Mamacocha-See selbst wurde von der Expertengruppe in Augenschein genommen. Mit mehreren Geländefahrzeugen ging die Fahrt daher von Arequipa über staubige Pisten und kleine Dörfern hinauf auf den Andenkamm. „Pässe von über 4000 Metern wurden überwunden. Und abenteuerlich schmale Pisten an steilen Schotterhängen, ohne jeden Absturzschutz, ließen die Exkursionsteilnehmer um ihr Leben fürchten“, so Krüger. Doch jede Gelegenheit sei genutzt worden, um in den kreuzenden Bächen und Flüssen bereits mit der Suche nach den mysteriösen Fischottern zu beginnen. Auch steile, schwer zu begehende Schotterhänge schreckten nicht ab, denn die Flüsse seien im Gebirgsbereich tief in die Wüstenlandschaft eingeschnitten. Die Hoffnung lag darauf, Fußspuren der Otter auf den Sandbänken oder den Kot der Tiere in den Uferhöhlen zu finden. „Zwei Nachweismöglichkeiten, die bei mehreren Otterarten gut funktionieren“, weiß der Experte.

Nach einer tagelangen und staubigen Fahrt durch die peruanische Wüstenlandschaft wurde der kleine See Mamacocha, der versteckt hinter Bergen in einer Wüstenlandschaft liegt, endlich erreicht. Sein Wasser ist glasklar und stammt aus einem höher gelegen See. Von dort versickert es durch das Vulkangestein, um in großen Mengen den Mamacocha zu speisen. Es ist so viel, dass ab hier ein kleiner Gebirgsfluss, der Mamacocha Fluss, in Richtung Pazifik entspringt.

Bis heute ist unklar, um welche Otterart es sich handelt

Dr. Hans-Heinrich Krüger

Die Fahrt der kleinen Expertengruppe zu dem See galt den dort vorkommenden Fischottern. „Zwar ist das Ottervorkommen den örtlichen Fischern seit Jahrzehnten bekannt, aber es ist bis heute unklar, um welche Otterart es sich überhaupt handelt. In dieser Region der Anden könnte es sowohl der südamerikanische Flussotter, als auch der kleinere Meerotter aus dem Pazifik sein“, erläutert Krüger. Bei dem Meerotter gehe man davon aus, dass er weitgehend an die südamerikanische Pazifikküste gebunden ist. Das Vorkommen von Fischottern in diesen Wüstengebieten sei überaus ungewöhnlich.

Wie Krüger informiert soll das Wasser des Mamacocha in Zukunft zur Energiegewinnung genutzt werden. Eine spanische Firma ist damit beauftragt, ein Wasserkraftwerk 300 Meter unterhalb des Sees zu bauen. Das durch Rohre geleitete Wasser wird dort eine Turbine antreiben. Doch wie wird sich ein derartiges Bauvorhaben auf die Fischotter auswirken? Werden die Krebse, Garnelen und die wenigen Fische, die dort ebenfalls leben und den Ottern als Nahrung dienen, in ihrem Bestand beeinträchtigt? Wieviel Wasser darf für die Energiegewinnung abgeführt werden, ohne dass es zu Schäden an der Natur kommt?

„Angesichts dieser Fragen und der besonderen Naturschönheit des Gebietes sah sich die beauftragte Firma veranlasst, das Rätsel um dieses Ottervorkommen durch eine internationale Expertengruppe lüften zu lassen“, berichtet Krüger. Und es mag für die Beauftragung auch eine Rolle gespielt haben, dass man beabsichtige, für das Bauvorhaben Gelder von einer deutschen Bank zu akquirieren. Da könne es entscheidend sein dazulegen, dass mit dem Geld naturverträglich gewirtschaftet werde.

Sowohl am Mamacocha wie am Fluss fanden sich Otterspuren. Selbst ein lebendiger Otter zeigte sich der Gruppe. Aber er tauchte blitzschnell im See ab, als er laute Rufe hörte. Wieder blieb die Artbestimmung unklar. Erst genetische Untersuchungen an der Universität von Lima werden aus den gefundenen Kotstücken die Artzugehörigkeit der hier lebenden Fischotter entschlüsseln. Die beteiligten Wissenschaftler haben nach der Exkursion, in Einklang mit der Weltnaturschurzorganisation IUCN, eine Stellungnahme an die Regierung des Landes Peru und an den mit dem Bau der Anlage beauftragten Konzern verfasst. Hierin wird die Sorge um die Erhaltung der außergewöhnlichen Landschaft und Natur zum Ausdruck gebracht. Insbesondere natürlich um den Erhalt der einmaligen Otterpopulation und der von ihr als Nahrung benötigten Fische und Krebstiere. Auch in Anbetracht der relativ umweltfreundlich produzierten Elektrizität aus Wasserkraft, die die Etiketten „Nachhaltigkeit“ und „Einsparung von Co2-Emissionen“ trägt, bedürfen derartig große Projekte einer Abwägung zwischen Nutzen und Zerstörung. Und hierfür wären erste Schritte eine Dokumentation und Erforschung der örtlichen Flora und Fauna.

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