Hankensbüttel: Rosemarie Nagel hütet seit elf Jahren Kamerunschaf-Herde / Nachwuchs ist so schwer wie eine Tüte Zucker

13 Osterlämmer erblicken Licht der Welt

Rosemarie Nagel aus Hankensbüttel kümmert sich liebevoll um die 13 neugeborenen Lämmer.

Hankensbüttel. In Hankensbüttel gibt es sie noch: die Osterlämmer, und zwar 13 an der Zahl. „Wir haben dieses Jahr ein Mädelsjahr“, schmunzelt Rosemarie Nagel, denn elf weibliche und lediglich zwei männliche Lämmer haben kürzlich das winterliche Licht der Welt erblickt.

Eigentlich liegen die Geburten der Kamerunschafe in der Zeit von Dezember bis Februar, doch in diesem Jahr bekam die stolze Besitzerin einen neuen Bock, und so verzögerte sich der Zyklus. Erstaunlicherweise spielt das Wetter keinerlei Rolle: „Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Lämmchen meist beim furchtbarsten Wetter geboren werden. Dann wäre jetzt ja die perfekte Zeit dafür“, meint die Besitzerin.

Der Nachwuchs im Stall hat großen Hunger. Zwei Mal am Tag bekommen die Lämmer Futter. Fotos: Scholz

Die Jüngsten sind nun zehn Tage alt, aber bei der magischen 13 soll es nicht bleiben: „Wir erwarten noch zwischen fünf und zehn Lämmer – je nachdem, ob ein Schaf Zwillinge oder ein Einzelkind wirft.“ Auch hier kann Nagel aus Erfahrung sprechen, denn sie ist bereits seit elf Jahren die Hüterin von derzeit 36 Kamerunschafen mit Nachwuchs und einem Bock. Wenn ein Lamm auf die Welt kommt, dann ist es so schwer wie eine Tüte Zucker. „Das hängt häufig auch wiederum davon ab, ob eine Mutter Zwillinge bekommt. Ein Einzelkind ist natürlich stärker. Dann kann es es auch mal bis zu 1800 Gramm wiegen“, erklärt Nagel. Problematisch wird es, wenn ein Neugeborenes unter einem Kilogramm wiegt, denn „dann füttern wir zu“.

Nagel hat also immer ein wachsames Auge auf ihre Schützlinge. Zwei Mal am Tag fährt sie zu dem großen Wiesen-areal, füttert, bringt Wasser und beobachtet die Mütter samt Nachwuchs.

Der neugeborene Bock braucht besondere Aufmerksamkeit, denn „hier haben wir solch einen Fall, dass der Kleine etwas zu leicht war. Jetzt bekommt er sein Fläschchen“, erklärt die Kamerunschafhalterin, wiegt den kleinen Bock liebevoll in den Armen und spricht gleichzeitig mit der meckernden Mutter, die den Nachwuchs nicht aus den Augen verliert.

Übrigens: Jede Mutter und jedes Lämmchen hat einen ganz individuellen Ruf. Deswegen können sie sich nicht verlieren.

Vier bis sechs Monate bleiben die Tiere bei den Müttern, bevor sie dann verkauft werden. Sie wiegen dann etwa 25 Kilogramm und sind kniehoch groß. „Natürlich fällt es schwer, wenn man die Tiere dann wieder abgeben muss – besonders, wenn ich sie mit der Flasche großgezogen habe –, aber ich kann sie schließlich nicht alle behalten“, sagt Nagel mit einem wehmütigen Blick auf ihre Herde.

Jetzt möchte sie keines der Tiere mehr missen. Alle Schafe erhalten bei der Geburt einen Namen, und manche schließt sie so ins Herz, dass sie auf Lebzeiten in Hankensbüttel bleiben dürfen. „Damals bin ich Rentnerin geworden. Wir hatten diese große Wiese, und immer nur Mähen war mir zu langweilig. Also kamen mein Mann und ich auf die Idee, uns Schafe anzuschaffen“, erzählt Rosemarie Nagel. Die Wahl sei auf die Kamerunschafe gefallen, weil diese ihr Fell selber verlieren und deswegen nicht geschoren werden müssen.

Von Maike Scholz

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