Bettina Tews-Harms zu Flashmob am Donnerstag

„One Billion Rising“ in Gifhorn: Frauen stehen auf und tanzen

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Aufstehen in Gifhorn: Am Donnerstag findet auf dem Marktplatz ein Flashmob im Rahmen der weltweiten Kampagne „One Billion Rising“ statt. „Die Aktion ist friedlich und voll guter Energie“, sagt Bettina Tews-Harms. (Symbolfoto)

Hankensbüttel/Gifhorn – In Gifhorn steigt erstmalig die Aktion „One Billion Rising“: Frauen und Männer wollen gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt, für das Leben, für Gleichstellung und starke Frauen/Männer setzen.

Alle Interessierten sind dazu aufgerufen, am Donnerstag, 14. Februar, von 17 bis 18 Uhr auf den Gifhorner Marktplatz vor dem Rathaus zu kommen.

Mitinitiatorin Bettina Tews-Harms aus Hankensbüttel spricht mit IK-Redakteur Paul Gerlach über die Signale, die von der weltweiten Kampagne und der Aktion in Gifhorn ausgehen sollen.

Warum ist es wichtig, am 14. Februar auf dem Gifhorner Marktplatz vorbeizukommen?

Mitinitiatorin Bettina Tews-Harms

Tews-Harms: Weil dieses Thema uns alle angeht: Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit. Und auch in Deutschland gehört Gewalt gegen Frauen noch immer für viele Frauen zu ihrem Leben.

Jede vierte Frau in Deutschland hat Gewalterfahrungen, und täglich wird eine Frau von ihrem Partner getötet. Ich halte es für wichtig, dass wir alle uns diese Zahlen bewusst machen, sie ins öffentliche und individuelle Bewusstsein rufen, um daran etwas zu ändern.

Welches Signal soll durch den Flashmob in die Welt hinaus gesendet werden?

Wir wollen auch aus Gifhorn ein Zeichen setzen, das wir nicht bereit sind, diese Situation noch länger hinzunehmen, wegzuschauen und damit zu (er)dulden. Wir möchten betroffenen Frauen unsere Solidarität zeigen, ihnen Mut machen, sich aus krankmachenden Beziehungen zu lösen und an die eigene Kraft, das Recht auf Wertschätzung und Respekt zu glauben. Ein Grund, warum mich diese Aktion so fasziniert, ist der, dass Frauen nicht länger die Opfer sind: Sie stehen auf und tanzen, erheben sich gegen Gewalt und für Respekt.

Sie sind solidarisch miteinander und mit allen Menschen, die sich ebenfalls für einen respektvollen Umgang miteinander einsetzen. Das drückt sich aus in dem Tanz „Break the Chain“. Und diese Aktion zeichnet nicht nur das Bild des gewalttätigen Mannes. Sondern sie wendet sich auch an Männer und lädt sie ein, mitzutanzen und sich ebenfalls zu positionieren und zu solidarisieren. Denn es geht, wie so oft bei Veränderung, nur miteinander. Das gefällt mir sehr.

Warum sind starke Menschen in der heutigen Welt so wichtig?

Wir leben in einer Zeit, in der es viele Herausforderungen und Unsicherheiten gibt. Viele Informationen, die wir erhalten, sind schwer auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Es gibt keine einfachen und schnellen Lösungen mehr. Das alles verunsichert viele Menschen, und sie suchen nach Orientierung, Klarheit und Sicherheit.

Da braucht es starke Menschen mit Vorbildfunktion, an denen man sich orientieren kann. Wirklich starke Menschen behandeln andere mit Respekt und Wertschätzung und räumen eigene Fehler ein. Sie laden andere Menschen ein, mit ihnen zu diskutieren und gemeinsame tragfähige Lösungen zu finden, anstatt sie zu manipulieren.

Was hat Sie dazu bewegt, die Aktion mitzuinitiieren?

Durch meinen Sohn und seine Lebensgefährtin bin ich vor vier Jahren auf die Aktion aufmerksam geworden und habe sie in unserem Unternehmen bekannt gemacht. Der Kurzfilm hat viele von uns sehr berührt und uns noch einmal für das Thema Gewalt gegen Frauen sensibilisiert.

Wir haben den Tanz zur Auflockerung von Sitzungen genutzt und viel Spaß dabei gehabt. Im letzten Jahr haben wir bereits in Wolfsburg teilgenommen. Anlässlich unseres 25-jährigen Firmenjubiläums in diesem Jahr entstand die Idee, den Flashmob auch in Gifhorn zu initiieren. Das habe ich mit Christine Gehrmann, der Gleichstellungsbeauftragten, besprochen und sie hat sofort ihre Unterstützung zugesagt.

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Punkte, die durch die Aktion am Ende erreicht werden sollen?

Das Motto von One Billion Rising für 2019 lautet „Bewegen – Erheben – Leben.“ Genau das sind aus meiner Sicht die wichtigsten Punkte: Wenn Menschen sich nicht raushalten, sondern „Gesicht“ zeigen gegen jede Form von Diskriminierung und Respektlosigkeit anderen Menschen und dem Leben gegenüber: Das kann für Tierschutz und Klimaschutz sein genauso wie gegen Rassismus, Ausbeutung von Kindern und Umweltzerstörung.

Und natürlich gegen Gewalt gegen Frauen. Ein Teil von dieser weltweit stattfindenden Aktion zu sein, empfinde ich persönlich als Mut machend: Die Aktion wächst von Jahr zu Jahr, sie ist friedlich und voll guter Energie.

Wie kann man den Tanz vorab lernen?

Zunächst möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, eine perfekte Choreografie zu tanzen, sondern einfach darum, dabei zu sein. Jede/r kann einfach kommen und mittanzen oder zuschauen und sich mitreißen lassen von der Musik und der hoffentlich guten Stimmung! Wer sich gerne schon vorbereiten möchte, findet unter diesem Link eine tolle Anleitung: www.youtube.com/watch?v=zJQvJNfn0kc.

VON PAUL GERLACH

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