Auch in Emmen und Weißenberge wurde in früheren Zeiten fleißig gemahlen

Als in Oerrel zwei Wassermühlen klapperten

Das alte Gebäude der Lenschenmühle mit dem Mühlenteich in Oerrel. Das Bild stammt in etwa von 1900. Direkt vor dem Haus befand sich der Mühlenteich, der vom Lenschenbach gespeist wurde.
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Das alte Gebäude der Lenschenmühle mit dem Mühlenteich in Oerrel. Das Bild stammt in etwa von 1900. Direkt vor dem Haus befand sich der Mühlenteich, der vom Lenschenbach gespeist wurde.

Emmen/Oerrel/Weißenberge – Vergessene Mühlen im Gifhorner Nordkreis: Karsten Hildebrandt aus Emmen zeichnet in einer IK-Serie in loser Reihenfolge ihre Geschichte nach. Heute geht es weiter mit nicht mehr existierenden Mühlen in Emmen, Weißenberge und Oerrel.

Bärenkolkmühle im Emmer Leu

In der Nähe des Junkerholzes, unweit des Elbe-Seitenkanals am Wasserlauf der Ise gelegen, befindet sich ein kleiner Teich, der im Volksmund „Kolk“ genannt wird. Die Sage berichtet, dass an dieser Stelle eine Wassermühle gestanden haben soll, die in dem Teich versunken ist.

In Ermangelung eines Namens dieser Mühle wird sie mit Kolkmühle bezeichnet. Der Kolk ist durch die ständigen Wasserbewegungen des Rades entstanden. Letztlich hat sich durch den Betrieb des Rades die jetzt vorhandene Vertiefung herausgebildet. Die „Beermühle“ wird bereits im Jahr 1414 erwähnt. In den entsprechenden Unterlagen heißt es: Werner von Knesebecke versetzte an die Jansmanns eine Wiese bei der Beermühle für 17 Lübische Mark. Die Mühle ist nachweislich seit dem Jahr 1670 wüst. Nähere Umstände, wodurch die Wüstung entstanden ist, sind nicht überliefert.

Bei Nachforschungen auf dem Grundstück wurden Scherben gefunden, die auf das 15. bis 16. Jahrhundert datiert werden können, führt Hildebrandt an. Einzelne Stücke sind vermutlich noch älter. Es sei zu vermuten, dass in der näheren Umgebung auch eine Siedlung vorhanden war.

Nach Angaben von Hildebrandt hat der Autor Theo Busse recherchiert, dass nach der Aufgabe der Mühle im Emmer Leu der Müller nach Wahrenholz in die Wassermühle gewechselt ist.

Lenschenmühle in Oerrel

Einst klapperten zwei Wassermühlen in Oerrel – die Lenschenmühle und die Hässelmühle. Die Lenschenmühle am Lenschenbach war die ältere der beiden Mühlen und lag am Ortsausgang Richtung Wesendorf. Sie wurde schon 1382 erwähnt, als sie vom Propst des Klosters Isenhagen von dem Knappen Spörken gekauft wurde.

Im Mühlenverzeichnis des Amtes Gifhorn anno 1619 steht, dass die Lenschenmühle den Zehnt an die Kirche in Wahrenholz zu zahlen hatte. Dabei wird auch erwähnt, dass die Mühle von einem oberschlächtigen Wasserrad angetrieben wird. Ebenso, dass es eine „elende“ Mühle sei und der Müller kaum sein Brot verdiene.

1845 ist die Mühle bereits im Privateigentum des Halbhöfers Johann Müller, der aber immer noch einen Zins an die Wahrenholzer Kirche zu zahlen hatte. 1842 war dem Müller noch eine zusätzliche Grützmühle genehmigt worden.

Das Ende der Müllerfamilie Müller in der Lenschenmühle in Oerrel war tragisch, schildert Hildebrandt. Der Müller hatte drei Söhne und eine Tochter. Es war eine Familie, die sich, wie alle Heidebauern der damaligen Zeit, dem Königshaus der Welfen in Treue verbunden fühlten. Sie traf das Ergebnis der Schlacht von Langensalza und die Annektion des Königreiches Hannover durch Preußen so schmerzhaft, dass alle Söhne beschlossen, nach Amerika auszuwandern, damit sie um keinen Preis der Welt die verhasste preußische Uniform anziehen mussten. Nachdem die Eltern 1890 die Tochter mit einem Bauern verheiratet hatten, verkauften sie die Mühle und zogen ebenfalls zu ihren Söhnen nach Amerika.

Der neue Müller hieß Hermann Müller und stammte aus Eutzen. 1923 brannte die Mühle ab und das Mühlengebäude wurde im Jahr 1925 an Franz Mazur verkauft. Heute befindet sich der Hof im Besitz von Willi Hage und nur noch ein kleiner Teil des ehemaligen Mühlenrades erinnert an die frühere Lenschenmühle.

Hässelmühle in Oerrel

Die Teichwirtwirtschaft und Hässelmühle in Oerrel um 1912. Ganz links die alte Mühle, die 1920 erneuert wurde. Ebenfalls auf dem Foto: der Besitzer Hermann Lohsen.

Die zweite Oerreler Mühle liegt in östlicher Richtung am Fuße des Hässelberges. Ebenfalls befand sich dort eine bereits 1478 erwähnte Teichwirtschaft. Die Wassermühle selbst wurde erstmals am 20. Januar 1619 im Mühlenverzeichnis des Amtes Gifhorn erwähnt. Dazu gehörte auch eine kleine Landwirtschaft. Die Mühle war dem Kloster Isenhagen abgabepflichtig, die Landwirtschaft zahlt ihren Lehn an das Amt Gifhorn. Um 1727 beschrieb der Gograf Gildemann aus Hankensbüttel, dass der Müller nach und nach die Flächen von zwei wüsten Höfen unter den Pflug genommen hatte. Die Flächen wurden ihm belassen, er musste nun dafür aber entsprechenden Lehn bezahlen.

Um 1840 war die Mühle bereits Eigentum des Müllers Möller. Die Mühle hatte nur einen Mahlgang und eine Leistung in 24 Stunden Mahlen von etwa 20 Himten (ein Himten war eine halbe Scheffel (30 Liter), das heißt, insgesamt 600 Liter mit rund 300 bis 400 Kilogramm).

Vor der Jahrhundertwende bewirtschaftete der Müller August Krüger den Betrieb und verkaufte ihn 1906 für 35 000 Goldtaler an Hermann Lohsen, der die Aschauer Teiche mitangelegt und bewirtschaftet hatte. 1922 wurde ein neues zweigeschossiges Mühlengebäude mit zwei Mahlgängen errichtet. Zwei Jahre später wurde eine Wasserturbine zum Antrieb der Mahlwerke eingebaut. Bis in die 1920er Jahre wurde das Mahlgut vom Müller mit einem Pferdegespann an die Kunden in den umliegenden Dörfern verteilt. Kurz danach diente die Mühle nur noch der Abdeckung des Eigenbedarfs für den landwirtschaftlichen Betrieb und zur Stromerzeugung.

Windmühle von Weißenberge

Diese Mühle stand vor ihrer Umsetzung 1886 in Weißenberge, danach in Wahrenholz.

Die erste Erwähnung der Mühle der Windmühle am „Wesenberge“ stammt aus 1619, sie wird im Mühlenverzeichnis des Amtes Gifhorn erwähnt. Sie stand mitten in der Heide und Bruchlandschaft, die Mahlgäste kamen aus Betzhorn, Wahrenholz, Westerholz und Wesendorf. Bei der Mühle befand sich auch ein Haus, in dem der Müller wohnte. Die Mühle ist mindestens dreimal abgebrannt (wahrscheinlich 1669, 1830 und 1845). Im Jahr 1836 brannte dann auch noch das Wohnhaus des damaligen Besitzers Georg Wilhelm Müller ab. Nach einigen Besitzerwechseln wurde die Mühle an August Karl Heine verkauft, der die Mühle 1886 nach Wahrenholz umsetzte. Heine verschenkte sie dann an Friedrich Kahle – mit der Auflage, die von ihm bei einer geplanten Auswanderung in die USA hinterlassenen Schulden zu übernehmen.

1915 erwarb der Müller Karl Ernst Pohl die Mühle und übergab sie später an seinen Sohn Otto Pohl. Der Mahlbetrieb wurde 1942 eingestellt. Im Jahr 1951 wurde die Mühle, die einen Mahlgang und einen Schrotgang besaß, abgerissen.

Auer-Mühle als Ursprung des Ortes

Der Ort Auermühle geht auf eine durch die Lachte angetriebene Wassermühle, die Auer-Mühle, zurück. Die 1488 erstmals urkundlich erwähnte Mühle war jahrhundertelang im Besitz der Familie Rodewald. Ihr Einzugsgebiet umfasste die Ortschaften Allersehl, Behren, Blickwedel, Hagen, Lüsche, Masel, Räderloh und Sprakensehl. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle außer Betrieb genommen.

Der begeisterte Jäger Fritz Beindorff erwarb das Gut Auermühle noch zur Zeit des deutschen Kaiserreichs im Jahr 1908. Er erweiterte das Anwesen erheblich und entwickelte es ab 1909 zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Zugleich war er Bauherr des bis 1914 durch den Hannoverschen Architekten Karl Siebrecht entworfenen Herrenhauses und der Nebengebäude, während der Künstler Georg Krüger aus Berlin die Ornament-Plastiken für die 22 großen Öfen entworfen hatte.

So konnte sich der Betrieb des Gutes, der „[...] sich auf die Erzeugung besonders vollwertiger, fettreicher Milch“ spezialisiert hatte, bis Mitte der 1930er Jahre die nahegelegene Stadt Celle als Markt erobern.

Im Juli 1933 wurde die Beindorffsche Mausoleums-Stiftung Auermühle gegründet, die noch heute das Mausoleum der Familie Beindorff in Auermühle pflegt und unterhält. Fritz Beindorff, der mitten im Zweiten Weltkrieg am 2. Juni 1944 auf Gut Auermühle starb, wurde in dem durch ihn errichteten Mausoleum in der Nähe des Gutes beigesetzt. Noch bis 1998 blieb das Gut in Familienbesitz. Noch heute erinnern die Monogramme FB und EB an den Zufahrtsstraßen zum Gut Auermühle an seinen damaligen Besitzer – Fritz Beindorff und seine Ehefrau Elisabeth. VON PAUL GERLACH

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