Hunderte Kraniche rasten wegen der Kälte im Schweimker Moor / Zugvögel und Amphibien warten auf den Frühling

Notquartier im Isenhagener Land

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Gegen Abend fliegen große Schwärme ins Schweimker Moor: Sie suchen sich laut rufend einen Schlafplatz für die eisig-kalte Nacht.

Schweimke. Die anhaltende Kälte zwingt viele Zugvögel dazu, in Deutschland zu verharren. Seit einiger Zeit halten sich mehrere Hundert Kraniche in der Region auf. Tagsüber sieht man sie in kleinen bis mittelgroßen Gruppen auf den Feldern und Wiesen stehen.

Sie trotzen der Kälte und suchen zwanghaft nach den letzten Maiskörnern auf den Äckern.

Überlebenskampf in der Kälte: Die abgeernteten Maisäcker dienen den Kranichen als Futterplatz.

Besonders schwierig wird es für sie, sobald noch Schnee dazukommt. Die Schneemassen in nördlicheren Gebieten haben sogar dazu geführt, dass viele Zugvögel wieder in Richtung Südwesten zurückziehen mussten. Man bezeichnet dieses Phänomen, bei dem die Vögel verhindert sind, in ihre Sommerreviere zurückzukehren, als Zugstau. Jeden Abend finden die einzelnen Gruppen zusammen und fliegen einen gemeinsamen großen Schlafplatz im Schweimker Moor an. An der richtigen Stelle lassen sich dabei große Mengen Kraniche beobachten, die mit lautem Rufen ihre Schlafplätze aufsuchen. Dicht an dicht überstehen sie die eisige Kälte der Nacht, um am nächsten Morgen wieder in alle Himmelsrichtungen auszuschwärmen. Dabei zeigen sie sich nicht allzu scheu und fliegen relativ dicht über der Straße. Für Fotografen und Beobachter ist dieser Anblick ein tolles Schauspiel. Auch hierbei ist es wieder entscheidend, die richtige Stelle abzupassen. Sollte man eine begehrte Flugschneise erwischt haben, kann es passieren, dass über eine halbe Stunde lang immer wieder Kraniche über einen hinwegfliegen.

Allerdings sind nicht nur die großen Kraniche von der anhaltenden Kältewelle in Deutschland betroffen. Auch viele kleine Arten wie Kiebitze oder einige Drosseln sind noch in großen Schwärmen anzutreffen. Normalerweise würden sie gerne ihre Brutreviere einnehmen und die Balz richtig beginnen lassen.

Bis nach Ostern wird die Kälte sie allerdings noch fest im Griff haben. Sobald der Frühling richtig einsetzt, werden die großen Schwärme weiterziehen und sich auflösen. Der lange Winter macht sich außerdem auch bei dem Amphibien und Reptilien bemerkbar. Kröten, Frösche, Molche und Eidechsen stehen schon in den Startlöchern und warten genauso wie wir Menschen nur auf das eine – den Frühling.

Von Jan Piecha

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