„Das gab es noch nie“

Polizeiflieger aus Samtgemeinde will klagen – Schnelle vorzeitige Pensionierung

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Ein Polizeiflieger aus der Samtgemeinde Hankensbüttel macht den Dienst im Helikopter für seine körperlichen Beschwerden verantwortlich. Sein Anwalt prüft eine dienstliche Beschädigung.

Samtgemeinde Hankensbüttel. Mit einer geschädigten Halswirbelsäule hat ein 52-Jähriger aus der Samtgemeinde Hankensbüttel als Beamter bei der Bundespolizei zu kämpfen. Hinzu kommen nach seinen Angaben psychosomatische Beschwerden durch Schikane am Arbeitsplatz.

Sein Rechtsanwalt prüft eine dienstliche Beschädigung. Denn der Nordkreisler, lizenziertes Besatzungsmitglied auf Polizeihubschraubern seit 1990 und im Cockpit zweiter Mann sowie taktischer Führer, ist vor kurzem in den Ruhestand versetzt worden. Er macht den Dienst im Helikopter für seine körperlichen Beschwerden verantwortlich.

Im Oktober 2015 war bei dem Mann, der fast 4000 Flugstunden auf dem Buckel hat, ein MRT angefertigt worden. „Die Dezemberdienste habe ich noch abgedeckt.“ Erst am 4. Januar 2016 ließ er sich auf Empfehlung seines Fliegerarztes krankschreiben. Es folgten monatelange konventionelle Behandlungen mit Physiotherapie und Chiropraxis. Dann wurde klar: Es geht nichts mehr außer einer Reha, die er im Juli 2016 antrat. Diese sei dann auch gleich verlängert worden. Nach vier Wochen sei er als unheilbar entlassen worden.

Der Polizeihauptkommissar fuhr zu einem Neurochirurgen in einer Klinik in Braunschweig. Der behandelnde Arzt habe ihn gleich unters Messer legen wollen. Ein ähnliches Ergebnis gab es im August, als er auf eigene Kosten nach Stuttgart zu einem Professor fuhr. Aufgrund seines Allgemeinzustandes habe dieser ihm aber dazu geraten, die OP so lange wie möglich hinauszuzögern.

Er kehrte im September in den Dienst zurück – nach eigenen Angaben voll dienstfähig, aber nicht mehr im operativen Dienst tätig. Das sei auch durch die Arbeitsmedizinerin so festgestellt worden. Im November habe ihm der Fliegerarzt das „Medical“ – das medizinische Tauglichkeitszeugnis – weggenommen. Das habe er seinem Dienststellenleiter in Bad Bramstedt mitgeteilt. „Er war not amused.“ In einem Acht-Augen-Gespräch – nach einem Dreiviertel Jahr außer Dienst – sei er dann „gefaltet worden“.

Zwischenzeitlich war der 52-Jährige im Mai in Abwesenheit zum Personalratsvorsitzenden gewählt worden. Durch diese ehrenamtliche Tätigkeit habe er bis Dezember 2017 „viele innerbetriebliche Probleme“ gehabt. Von dem Verfahren, zur Feststellung seiner Polizeidienstuntauglichkeit am 24. Januar 2018, erfuhr er laut eigener Aussage nicht auf offiziellem Weg, sondern über seine Tätigkeit im Personalrat.

Anfang März 2018 wurde ihm mitgeteilt, dass er aufgrund des Untersuchungsergebnisses zeitnah zur Ruhe gesetzt werde, er könne auch nicht Verwaltungsbeamter werden. „Das gab es noch nie, dass ein solches Verfahren innerhalb von fünf Wochen abgeschlossen war“, sagt der Mann, der widerspruchslos das Verfahren angenommen hat. Seit dem 1. August ist er im Ruhestand, ab Anfang März war er vom Dienst freigestellt worden. Dass dies alles innerhalb eines halben Jahres so umgesetzt worden sei, habe es ebenfalls noch nie gegeben. Es sei nie versucht worden, eine andere Position für ihn in der Bundespolizei zu finden.

Im Ruhestand muss er nun mit den Ruhestandsbezügen für seine 34 Dienstjahre leben. Sein Dienstvorgesetzter habe das Verfahren „durchgezogen“.

Eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums sagte auf IK-Anfrage zu der Personalie, dass sich die Bundespolizei „zu vertraulichen Personalangelegenheiten aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht öffentlich äußere.

Von Paul Gerlach

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