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Neues Domizil oder Auflösung

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Von: Paul Gerlach

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Ein vertrautes Bild über Repke und Umgebung: die Segelflieger in den Lüften. Aber es könnte bald der Vergangenheit angehören, falls die Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen nicht doch noch ein neues Domizil in der Gemeinde Dedelstorf findet. Archivfoto: privat
Ein vertrautes Bild über Repke und Umgebung: die Segelflieger in den Lüften. Aber es könnte bald der Vergangenheit angehören, falls die Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen nicht doch noch ein neues Domizil in der Gemeinde Dedelstorf findet. © Archivfoto: privat

Repke. Die Zusage an die Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen (LVI) für einen Segelflugplatz im Süden des Geländes der ehemaligen Dedelstorfer Kaserne (das IK berichtete) hat der private Investor Dr. Ulf Lange jetzt zurückgezogen.

Wie es für die Segelflieger nun weitergeht, ist noch offen.

Der Investor habe das Gefühl, dass der Landkreis ihn nicht ausreichend unterstützt habe, erläutert der Dedelstorfer Bürgermeister Bernd Rodewald im IK-Gespräch. Die Gemeinde Dedelstorf sei die einzige, die ihn unterstützt habe, habe Dr. Lange zu ihm gesagt. Zudem habe der Investor es so eingeschätzt, dass „einseitige Verträge“ zu seinen Lasten gegangen seien. Darüber hinaus habe es Lange so empfunden, dass die Segelflieger nicht straff genug organisiert seien und sich nicht mit genügend Nachdruck und Zielstrebigkeit für ihr Vorhaben eingesetzt hätten.

Der Dedelstorfer Bürgermeister Bernd Rodewald (2.vl.) mit dem Vorsitzenden Martin Käppeler (v.l.), Schriftführerin Sarah Kopp und Schatzmeister Thomas Quindel von der LVI. Foto: Gerlach
Der Dedelstorfer Bürgermeister Bernd Rodewald (2.vl.) mit dem Vorsitzenden Martin Käppeler (v.l.), Schriftführerin Sarah Kopp und Schatzmeister Thomas Quindel von der LVI. © Gerlach

Nicht nur Rodewald („An der Planungszeit können wir nichts ändern. Der Segelsportverein hat alles gemacht.“) widerspricht Langes Darstellung: LVI-Vorsitzender Martin Käppeler betont, dass es bei der Zulassung für einen Segelflugplatz nur Schritt für Schritt vorangehen könne. Die dafür notwendigen einzelnen Phasen würden sich nicht beschleunigen lassen – ob es um Fristen oder Gutachten gehe.

Im Vertrauen auf die gegebene Zusage für die Fläche für den Segelflugplatz gab der Verein ein Gutachten bei einem Planungsbüro in Auftrag. Bis heute sind dem Verein durch die Planungen Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich entstanden, die er vom Investor komplett zurückhaben will. Dieser will jedoch nur 50 Prozent davon bezahlen. Ohne eine außergerichtliche Einigung könnte es also noch zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen.

Ob es zu einer solchen Einigung kommt, ist zumindest fraglich, denn Käppeler kritisiert die Kommunikation des Investors mit dem Verein. „Er hat nur ein-, zweimal mit mir kommuniziert.“ Die Planung der Start- und Landebahn stammte aus der Feder von Dr. Lange. „Es gab vorher kein bilaterales Gespräch.“ Dabei war der Verein mit der Planung der Piste – die aufgrund eines Zauneidechsen-Vorkommensbei der Länge um 200 Meter eingekürzt werden musste – in dieser Form sogar sehr zufrieden. Aber Käppeler hätte sich mit Lange gern an einen Tisch gesetzt, um etwa die Hangars und die gesamte Infrastruktur zu planen. Dass eine Diskussion ausgeblieben sei, sei „mehr als frustrierend“ gewesen. „Unsere Kontaktversuche waren zu 100 Prozent erfolglos“, sagt LVI-Schatzmeister Thomas Quindel. Auch das vom Verein beauftragte Planungsbüro erhielt keine Antwort und arbeitete daher alles mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises aus.

Von der Absage durch den Investor erfuhr der Verein nicht direkt, sondern über Rodewald. „Er hat mich angerufen und mich am Telefon ausgelacht“, schildert der Bürgermeister. Im Gegensatz zu ihm habe Lange nicht mehr daran geglaubt, dass es mit dem Segelflieger-Vorhaben noch etwas werden könne.

Der Verein legt Wert darauf, dass in der Zusammenarbeit mit Behörden, den Kommunen und der Politik alles gut funktioniert habe, und bedankt sich für die Unterstützung von vielen Seiten für das Vorhaben. Insbesondere Rodewald habe stets dafür gekämpft. Doch nach dem Scheitern des Vorhabens, in das man viel Energie gesteckt habe, muss sich der Verein nun unweigerlich die Zukunftsfrage stellen (siehe unten).

Von Paul Gerlach

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Wie geht es für die LVI NUN weiter?

Die Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen (LVI) wurde 1951 gegründet. Seit Mitte der 50er Jahre war sie am Standort in der Repker Schnuckenheide beheimatet. Der Verein verweist auf die zahlreichen sportlichen Erfolge, die Jugendarbeit, die Gastvereine aus Dänemark oder den Niederlanden und den bundesweit guten Ruf. Ein Alternativgelände im Dedelstorfer Bereich ist momentan nicht in Sicht. „Wir müssen den Verein jetzt wohl oder übel ziehen lassen“, sagt der Dedelstorfer Bürgermeister Bernd Rodewald – es sei denn es finde sich noch ein passendes Grundstück in der Gemeinde Dedelstorf. Ein Fortzug des Vereines wäre schmerzhaft, betont Rodewald. Der Bürgermeister rechnet in diesem Fall auch mit negativen Auswirkungen für den Tourismus, etwa für das Hotel Dierks. Am 2. Dezember kommt die LVI zur außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Laut dem Vorsitzenden Martin Käppeler gibt es derzeit nur die Fusion mit einem anderen Verein oder die Auflösung als Optionen. Die Mitgliederzahl liegt nahezu unverändert bei Mitte 70 (aktiv und passiv). „Die Substanz ist gut und gesund. Die Mitglieder halten uns mit viel Herzblut die Treue.“ Die fliegerischen Aktivitäten würden weiter nach vorne getrieben, derzeit als Gast in Ummern.

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Kommentar

Zerstörerisch

Von Paul Gerlach

Nach dem Artchers Land und den privaten sowie gewerblichen Mietern hat es nun auch die Repker Segelflieger getroffen. Dass der Investor nach dem Kauf des ehemaligen Kasernengeländes damit nahezu alles machen kann, wie er es will, ist klar und auch rechtlich legitim. Das Fatale aber ist, dass nach und nach die Hoffnung fast aller Mieter auf einen Verbleib platzten. Damit wurden auch eine Menge Träume zerstört. Die quälende Ungewissheit über die eigene Zukunft wurde in vielen Fällen zur bitteren Gewissheit – und am Ende stand meist die Abrissbirne.

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