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Bis zu 17 neue Windräder

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Windrad bei Masel – hier könnte es bald Zuwachs geben.

Hankensbüttel. Rund 80 Zuhörer kamen am Mittwoch zum Info-Abend über das Windpark-Projekt „Harsahl“ im Gasthaus Zur Linde. Sofern sie die Pläne nicht schon kannten (unter den Anwesenden war auch ein Teil der 56 Grundstückseigentümer, die das Vorhaben realisieren wollen), erfuhren sie, dass zwischen Hankensbüttel, Weddersehl und Masel bis zu 17 weitere Windräder entstehen könnten.

Der Planer Gerhard Binotsch von der Gelsenkirchener BBB Umwelttechnik GmbH zeigte sich allerdings skeptisch, dass diese Zahl am Ende wirklich gebaut wird. „Maximale Akzeptanz ist uns wichtiger als maximale Windpark-Größe“ – mit Sätzen wie diesen will Binotsch schon frühzeitig Punkte sammeln bei einer Bevölkerung, aus der er offensichtlich auch Kritik erwartet.

Dass die kommen wird, prognostizierte der mit Windkraft-Vorhaben vertraute Obernholzer Bürgermeister Werner Rodewald. „Sie werden vielfältige Gegnerschaft in Hankensbüttel haben“, sagte er zu den Grundstückeigentümern. Jeder müsse auch das Recht haben, gegen Windparks zu sein – doch könne es dann nur um Fragen des Geschmacks gehen. Objektive Gründe könne er nicht erkennen: „Eine Durchgangsstraße verursacht mehr Schallemissionen.“

Binotsch erläuterte den Zuhörern, dass ein 1000-Meter-Abstand zur Wohnbebauung eingehalten werden solle. Bei Masel gebe es Überlegungen, auf 750 Meter an den Ort heranzukommen – fix sei das noch nicht. Die Windräder sollen eine Nabenhöhe von 100 Metern und einen Rotordurchmesser von ebenfalls 100 Metern haben.

Der Planungskorridor für das Projekt, das offiziell als Erweiterung des bestehenden Windparks bei Wettendorf („GF 1a“) firmieren würde, erstreckt sich von einem Bereich nordöstlich von Masel in das Gebiet zwischen Hankensbüttel und Weddersehl. Zwischen diesen beiden Orten würde nach dem aktuellen Planungsentwurf eine „Kette“ von Anlagen entstehen.

Ein Plan B sieht die Errichtung von 13 Windrädern vor. In diesem Szenario würden bei Masel vier Anlagen wegfallen. Es könne aber genausogut passieren, dass insgesamt lediglich drei neue Anlagen gebaut werden , hieß es.

Binotsch warb mit finanziellen Vorteilen für die beteiligten Gemeinden. Diese sollen mit 1 Prozent an den Einnahmen aus der Stromproduktion beteiligt werden. Für Hankensbüttel und Sprakensehl könnten demnach jährlich jeweils 36000 bis 40000 Euro fließen, für Dedelstorf 15000 bis 17000. Diese Summe stünde auch Sprakensehl zu, wenn nur 13 Anlagen errichtet werden. Die Gemeinden müssten dafür allerdings Gegenleistungen wie etwa die Pflege der Ausgleichsmaßnahmen erbringen, so Binotsch – einfach schenken gehe aus juristischen Gründen nicht.

Zudem dürften die Gemeinden aber Einnahmen aus der Gewerbesteuer und pro Jahr jeweils bis zu 14000 Euro aus der Flächenpacht erwarten (Dedelstorf 6000 Euro). Bürger, so Binotsch, könnten sich an dem Projekt beteiligen und an den Einnahmen des Windparks partizipieren.

Derweil ist noch völlig offen, ob und wo der Zweckverband Großraum Braunschweig weitere Windparks zulassen wird – der Verband muss dafür erst sein Raumordnungsprogramm novellieren, der Startschuss dafür wird erst Ende des Jahres erwartet. Die 56 Flächeneigentümer mit ihrem sechsköpfigen Sprecherteam um Dirk Niebuhr erhoffen sich trotzdem ein baldiges Signal, ob das Projekt aus Sicht der örtlichen Politik Chancen hat.

Das darf als nicht unwahrscheinlich gelten. War die Planung zwischen Weddersehl und Hankensbüttel beim Hankensbütteler Ortsrat vor sieben Jahren noch durchgefallen, so hat sich der Wind möglicherweise gedreht: „Die Zeiten haben sich geändert, das haben wir alle mitgekriegt“, sagte der Ratsherr Peter Dietz (Grüne) am Mittwochabend. „Seit gestern ist auch die FDP für die Abschaltung von Atomkraftwerken – wir müssen uns also überlegen, wo die Energie herkommen soll.“

Auch Martin Rausch (SPD) sah weniger die Frage der Zustimmung im Vordergrund als vielmehr die Frage der verträglichen Gestaltung des Projektes. Für den Bereich zwischen Emmen und Alt-Isenhagen sowie für ein Gebiet südwestlich von Hankensbüttel gibt es weitere Anträge anderer Betreiber – daher müsse es für den Rat darum gehen, ein Gesamtbild zu gewinnen.

Bürgermeisterin Beate Harms (CDU) sagte, dass es in der Politik noch kein abschließendes Meinungsbild gebe. Sie kündigte an, dass es Ende April eine Informationsveranstaltung der Gemeinde geben werde. In den nächsten Sitzungen des Bauausschusses und des Rates solle es dann zu Entscheidungen kommen.

Das werden möglicherweise gutbesuchte Veranstaltungen. Erste Kritik gab es schon am Mittwochabend. Ein Ehepaar, das am Thorenkamp wohnt, beklagte den nächtlichen Blink-Effekt der Befeuerung. Ein anderer Zuhörer fürchtete möglichen Schattenwurf auf Gebäude (während Binotsch versicherte, den werde es nicht geben). Der Emmener Uwe Weber („Eigentlich bin ich für Windkraft“) sah potenzielle Gefahren für Feldbrüter durch die neuen Rotoren und befürchtete angesichts der drei im Wartestand befindlichen Vorhaben, dass Hankensbüttel bald „zugespargelt“ sein werde. Zudem wurde der Einwand laut, dass die Personalkosten für die avisierten Gegenleistungen der Kommune den einprozentigen Einnahmeanteil aus dem Strom übersteigen würden. Ein anderer Bürger wiederum fand, es sei doch erfreulich, im Sonnenuntergang ein Windrad zu sehen, das Energie produziert.

Von Holger Boden

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